Parasiten – wahre Marionettenspieler

Tierische Neuroparasiten Planet Wissen 10.09.2018 03:23 Min. Verfügbar bis 19.04.2023 SWR

Parasiten

Parasiten – wahre Marionettenspieler

Von Cora Richter

Ein Parasit ist ein ungebetener Gast, der seinem Wirt Schaden zufügt. Parasiten sind überall. Die raffiniertesten unter ihnen geben sich nicht allein mit der ausgiebigen Nutzung ihrer Nahrungsquelle zufrieden. Denn sie haben im Laufe ihrer Evolution sogar die Fähigkeit entwickelt, das Verhalten und die Psyche ihres Wirts zu ihrem eigenen Vorteil zu manipulieren.

Blinkende Fische?

Die Forscher Kevin Lafferty und Jenny Shawn von der Universität Kalifornien untersuchten Killifische im "Carpinteria Salt Marsh Reserve"-Gebiet bei Santa Barbara. Dabei entdeckten sie bei einigen Tieren ein seltsames Verhalten: Näherten sich Fressfeinde, begannen die Fische mit hektischen Schwimmbewegungen.

Die Fische drehten sich und blinkten mit ihren silbernen Bäuchen, als wollten sie geradezu auf sich aufmerksam machen. Das Verhalten irritierte die Forscher, weil Killifische eigentlich scheue Tiere sind, die sich vor Feinden verstecken.

Untersuchungen zeigten, dass die Killifische häufig mit Larven eines Saugwurms infiziert waren. Diese Saugwurmlarven befallen das Gehirn und siedeln sich dort zu Tausenden an.

Es zeigte sich: Je mehr Parasitenlarven einen Fisch befallen haben, desto auffälliger benimmt er sich. Ein Indiz dafür, dass der Parasit tatsächlich die Ursache für die selbstmörderischen Schwimm-Manöver sein könnte. Die Untersuchungen zeigten, dass die Verhaltensweise bei infizierten Fischen fünfmal häufiger vorkommt als bei ihren nicht infizierten Artgenossen.

Tödliche Fremdsteuerung

Offensichtlich haben die Parasiten also Einfluss auf das Verhalten ihrer Wirte. Einen Einfluss, der durchaus Sinn ergibt. Für den Saugwurm ist der Fisch nur ein Zwischenwirt. Sein Endwirt sind Vögel. Nur im Körper von Vögeln kann sich der Parasit paaren und Eier legen. Für den Saugwurm ist es also überlebenswichtig, dass der von ihm befallene Killifisch im Magen eines Vogels endet.

Wirt-Hopping Planet Wissen 10.09.2018 02:52 Min. Verfügbar bis 19.04.2023 SWR

Bei weiteren Studien zeigte sich dann, dass infizierte Fische mit ihrem Blinken tatsächlich auch leichter von den Watvögeln geschnappt werden. Sie wurden zehn bis 30 Mal häufiger gefressen als nicht-infizierte Fische. Strategie und Manipulation der Sauglarven funktionieren also hervorragend.

Natürliches Schutzverhalten wird lahmgelegt

Um die Auslöser der Manipulation besser zu verstehen, untersuchten die Biologen daraufhin die Gehirnflüssigkeit von infizierten und nicht infizierten Killifischen. Das Ergebnis: Sie fanden deutliche Unterschiede bei den beiden Botenstoffen Serotonin und Dopamin.

Vor allem die Menge an Serotonin war bei infizierten Fischen deutlich geringer. Normalerweise wird in Stresssituationen vermehrt Serotonin produziert, wodurch das Aggressionsverhalten und der Bewegungsdrang gehemmt werden. Die Fische verstecken sich.

Dieses natürliche Schutzverhalten wird durch die Parasiten offensichtlich lahmgelegt. Anstatt sich zu verstecken, benimmt sich der Fisch auffälliger und wird so zur leichten Beute.

Das manipulierende Verhalten durch die winzigen Parasiten setzt exakt dort an, wo es für den Parasiten überlebenswichtig wird. Das übrige Verhalten der Fische wird von ihnen jedenfalls nicht beeinflusst. Unglaublich!

Stand: 19.07.2019, 16:00

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