Pflanzenparasiten

Foto einer lichten Baumkrone mit mehreren Misteln.

Parasiten

Pflanzenparasiten

Von Franziska Badenschier

Das grüne Gestrüpp in der ansonsten kargen Krone des Apfelbaums wirft Fragen auf: Wie kommt die Pflanze dort hoch? Müssen ihre Wurzeln denn nicht in die Erde? Auch die Kastanie daneben irritiert Passanten: Die vielen kommaförmigen Verfärbungen auf den Blättern sehen nicht gesund aus. Schnell wird klar: Nicht nur Menschen und Tiere werden von Parasiten befallen, sondern auch Pflanzen. Manchmal ist sogar eine Pflanze selbst ein Parasit, wie das Beispiel der Mistel zeigt. Fachleute sprechen von Phyto-Parasitismus.

Kleeseide kann ohne Wirt nicht überleben

Pflanzliche Parasiten unterteilen sich in Halb- und Vollschmarotzer. Halbschmarotzer haben voll ausgebildete grüne Blätter und können selbst Fotosynthese betreiben, also mithilfe von Licht energiearme Stoffe in energiereiche umwandeln. Die Mistel auf dem Laubbaum ist solch ein Halbschmarotzer.

Die Kleeseide hingegen, die sich mit ihren rosafarbenen Blütenknäueln um den Stängel einer anderen Pflanze wickelt, ist ein Vollschmarotzer: Weil ihr der Blattfarbstoff Chlorophyll fehlt, ist sie nicht zur Fotosynthese fähig – darum ist die Seidenpflanze ständig auf einen Wirt angewiesen.

Vor allem Wasser und Nährstoffe müssen die parasitären Pflanzen von ihren Wirten abzweigen. Dafür haben die Schmarotzer spezielle Saugorgane, sogenannte Haustorien. Bei Misteln bestehen diese aus umgebildeten Wurzeln. Deswegen müssen Misteln nicht in der Erde Wurzeln schlagen.

Büsche, die vom Himmel fallen?

Misteln seien Büsche, die vom Himmel in die Bäume fallen: Das dachte man einst. Heute weiß man genau, wie die Schmarotzer auf die Äste kommen. Drosseln fressen im Winter die erbsengroßen, weißen Beeren der Mistel. Diese Frucht enthält den Samen, der von zähem Schleim umhüllt ist.

Der Vogel fliegt weiter, knabbert dann und wann an einem anderen Baum und klebt dabei den Samen an einen Ast. Dort sprießt bald eine Mistel. Wer den Schmarotzer wieder loswerden möchte, muss den befallenen Ast großzügig abschneiden.

Rosskastanien contra Miniermotte

Für Aufsehen sorgt regelmäßig ein anderer Parasit: die Miniermotte. Die Larven dieser fünf Millimeter kleinen Schmetterlinge fressen sich durch die Blätter der Rosskastanie.

Die Fraßgänge, die sogenannten Minen, sorgen für die typischen hellbraunen, kommaförmigen Flecken, die alsbald größer werden. Blätter, die besonders stark befallen sind, werden bereits im Frühsommer vollständig braun und vorzeitig abgeworfen.

Oft wird die Miniermotte auch mit dem Blattbräunepilz "Guignardia aesculi" verwechselt. Dieser Pilz ist ein weiterer Parasit, der Kastanienblätter befällt. Seine Flecken lassen sich bei genauem Hinsehen aber gut von denen der Miniermotte unterscheiden: Der Pilz sorgt für rotbraune Flecken mit gelbem Saum.

Nahaufnahme eines Rosskastanienblatts mit Fraßgängen von Miniermotten-Larven.

Larven der Miniermotten befallen Rosskastanien

Briten sorgen sich um die Zukunft

Die Rosskastanien-Miniermotte wurde 1984 erstmals am Ohrid-See in Mazedonien nachgewiesen. Deswegen bekam sie auch den Artnamen "Cameraria ohridella". Innerhalb weniger Jahre kam der Parasit bis nach Deutschland.

"Die Rosskastanien-Miniermotte werden wir nicht mehr loswerden, es sei denn, man fällt alle Rosskastanien", schrieb 2005 der deutsche Miniermotten-Experte Werner Heitland von der Technischen Universität München. So oder so: Prachtvolle, gesunde Rosskastanien-Bäume wird man hierzulande nicht mehr ewig sehen.

Selbst in Großbritannien hat sich die Miniermotte mittlerweile breitgemacht. Der britische Forscher Glynn C. Percival vom "Bartlett Tree Research Laboratory" sorgt sich schon um die Zukunft der Rosskastanien auf der Insel.

2010 berichtete er mit Kollegen in einer Fachzeitschrift: Die Miniermotte sorge bei Rosskastanien dafür, dass die Samen des Baumes weniger wiegen und seltener keimen; somit könnten sich die Bäume auch nicht mehr so gut vermehren.

Eine Rosskastanien-Miniermotte sitzt auf einem Blatt.

Die Rosskastanien-Miniermotte: Cameraria ohridella

Feuerbrand zerstört Obstplantagen

Andere Parasiten richten größeren und sogar wirtschaftlichen Schaden an. Der Feuerbrand-Erreger zum Beispiel: Das parasitäre Bakterium "Erwinia amylovora" lässt die Blätter und Blüten von Obstbäumen welken, absterben und eintrocknen. Die betroffenen Stellen sehen dann wie verbrannt aus.

In Deutschland wird auf insgesamt 40.000 Hektar Kernobst angebaut. Besonders Feuerbrand-gefährdet sind Apfel- und Birnenanlagen in Baden-Württemberg.

1993 war der Feuerbrand so schlimm, dass in dem Bundesland auf 200 Hektar Apfelbäume gerodet werden mussten. Das ist eine Fläche, die rund 280 Fußballfeldern entspricht. 3,7 Millionen Euro kostete die Aktion inklusive der Neupflanzungen. Hinzu kamen Umsatzeinbußen für die Obstbauern.

Jahr für Jahr bangen deswegen die Plantagenbesitzer: Wie schlimm wird es diesmal? Ist der Frühling feucht und warm, tritt aus den betroffenen Stellen des Vorjahres tröpfchenförmiger Bakterienschleim aus.

Insekten, Regen und Wind übertragen die Feuerbrand-Erreger dann auf die Blüten an anderen Bäumen. Ein weiterer Infektionsweg ist Hagel: Die Hagelkörner verletzen die Bäume, und in diese Wunde dringen die Bakterien besonders leicht ein.

Am Zweig eines Apfelbaums sind einige Blätter Opfer des Feuerbrands und sehen deswegen rötlich-vertrocknet aus.

Feuerbrand wird von Bakterien verursacht

Antibiotika für Apfelbäume

Ein spezielles Antibiotikum namens Streptomycin könnte helfen, die Feuerbrand-Bakterien auf den Bäumen wieder loszuwerden – so wie der Mensch Antibiotika nimmt, wenn er eine Bakterien-Erkrankung hat.

Allerdings darf man in Deutschland gegen bakterielle Pflanzenkrankheiten nicht mit Antibiotika vorgehen. So soll unter anderem verhindert werden, dass das Antibiotikum in Nahrungsmittel wie Honig gelangt und von dort in den Menschen.

Indes war es in den vergangenen Jahren erlaubt, das nicht mehr beim Menschen verwendete Antibiotikum Streptomycin einzusetzen, um Feuerbrand zu bekämpfen. Das darf aber nur "bei Gefahr in Verzug" und unter strengen Auflagen geschehen, heißt es in einem 2008 erstellten Strategiepapier des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

"Zudem wird der Einsatz Streptomycin-haltiger Pflanzenschutzmittel immer weiter eingeschränkt", sagt Wilhelm Jelkmann, Experte für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau am Julius-Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen.

"2009 wurde entschieden, dass pro Saison nur noch eine Anwendung während der Obstblüte erlaubt ist. Außerdem darf man, wenn es nach der Blüte im Sommer hagelt und damit die Infektionsgefahr für die Obstbäume besonders hoch ist, nicht mehr prophylaktisch ein Antibiotika-haltiges Pflanzenschutzmittel geben."

Foto eines Apfelbaums kurz vor der Ernte.

Apfelbäume sind besonders gefährdet

Autorin: Franziska Badenschier

Stand: 11.09.2018, 10:41

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