Reha und Kur

Reha-Training in einer Klinik

Medizin

Reha und Kur

Reha – diese vier Buchstaben haben für viele Menschen, deren Leben aus dem Tritt gekommen ist, eine enorme Bedeutung. Denn die Reha, also die medizinische Rehabilitation, soll Menschen wieder in ihren Alltag integrieren, die durch ihr gesundheitliches Leiden geschwächt oder geschädigt sind. Heute ist Rehabilitation oft Hightech, beruht auf neuesten Forschungsergebnissen und hat nichts mehr mit dem Klischee von Kur und Kurschatten zu tun.

Was ist Rehabilitation genau?

In den fast 1300 deutschen Reha-Kliniken werden jährlich rund 1,5 Millionen Menschen behandelt. Viele sind chronisch krank, wie etwa Herz-Kreislauf-Patienten und Menschen mit psychosomatischen und psychischen Beschwerden; andere brauchen nach einer aufwändigen Operation weitergehende Unterstützung.

Die Rehabilitation ist damit eine der drei wesentlichen Säulen der gesundheitlichen Versorgung, neben der Primärversorgung (ambulante Behandlung) und der Akutversorgung (Krankenhaus).

Das Bundesministerium für Gesundheit unterscheidet drei Reha-Leistungen:

  • Leistungen zur medizinischen Reha. Ziel ist es, mögliche Behinderungen oder Pflegebedürftigkeit zu vermeiden, zu beseitigen oder Verschlimmerungen zu verhüten.
  • Leistungen zur beruflichen Reha. Hier sollen die Betroffenen wieder in das Arbeitsleben eingegliedert werden.
  • Leistungen zur sozialen Reha. Ziel ist die Bewältigung von alltäglichen Anforderungen sowie die Wiedereingliederung in das soziale Umfeld des Betroffenen.

Zusätzlich zur Rehabilitation gibt es die sogenannte Vorsorge, die umgangssprachlich auch heute noch Kur genannt wird. Bei der Vorsorge geht es darum, eine geschwächte Gesundheit zu stärken – im Gegensatz zur Rehabilitation, die bereits erkrankten Menschen beim Gesundwerden helfen soll.

Die Kur wird gestrichen

Seit der Gesundheitsreform im Jahr 2000 wird der Begriff "Kur" im Bereich der medizinischen Rehabilitation offiziell nicht mehr verwendet.

Trotzdem spricht man umgangssprachlich immer noch von Kur, vor allem, wenn es um Vorsorgemaßnahmen geht. Auch viele Patienten, die eine Rehabilitation in Anspruch nehmen, sagen heute noch, dass sie "in Kur gehen".

Rehabilitationsmaßnahmen sind nicht nur für den einzelnen Betroffenen wichtig, sondern auch für die Gesellschaft. Reha soll die Menschen gesund machen und stärken. Dahinter steckt der große Wunsch des Gesundheits- und Rentensystems, die Arbeitskraft des Betroffenen weiterhin zu sichern.

Der Anspruch auf Kur zur Erhaltung der Gesundheit wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Sozialgesetzbuch schriftlich garantiert. Während unsere Nachbarn, die Niederländer etwa, erst krank sein mussten, um zu kuren, duften Deutsche vorsorglich "kurlauben". Und die Nachkriegsgeneration ließ nur zu gerne die unterschiedlichsten Kurmaßnahmen über sich ergehen.

In den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Krieg boomte die deutsche Bäderbranche, bis in die 1980er Jahre hinein gab es die sogenannte "Sozialkur" problemlos auf Rezept. Das änderte sich jedoch ab den 1990er Jahren: Nach und nach wurde an der Kostenschraube gedreht, sodass von einstmals circa 800.000 Kuren jährlich heute nur noch knapp 100.000 Sozialkuren oder Vorsorgemaßnahmen von den Kassen finanziert werden.

Kurende Männer kühlen sich mit Schnee ab.

"Kurlauber" in den 50er Jahren

Die große Bandbreite der Reha-Maßnahmen

Reha ist nicht gleich Reha. So vielfältig die Krankheitsbilder sind, die man mit Rehabilitationsmaßnahmen behandelt, so unterschiedlich sind auch die medizinischen Heilverfahren. Neben physio- und ergotherapeutischen Angeboten gibt es auch in jeder Klinik physikalische Anwendungen wie etwa Massagen, Moor- oder Thermalbäder.

Mancherorts wird auch die Kraft von Heilstollen verwendet, etwa zur Behandlung von Wirbelsäulen- oder Atemwegskrankheiten. Am Toten Meer wiederum hilft der hohe Salzgehalt des Wassers bei Hautkrankheiten, genau wie der schwarze Schlamm, der dort gewonnen wird.

Ambulante und mobile Reha

Zu den größten Neuerungen im Bereich der Reha gehört die Einführung der ambulanten und mobilen Rehabilitation. Bei beiden Angeboten kann der Patient während der Zeit seiner Reha-Maßnahme weiterhin zu Hause wohnen, was nicht nur für die zahlenden Kassen oder Versicherungen Vorteile mit sich bringt.

In beide Reha-Varianten lassen sich auch Angehörige mit einbeziehen. Das gilt vor allem dann, wenn es für den Patienten wichtig ist, auch im Alltag etwas zu verändern. So können Angehörige etwa gemeinsam mit dem Patienten an Ernährungsberatungen teilnehmen.

Allerdings kann die ambulante Reha die stationäre niemals ersetzen. Denn für viele Patienten ist es wichtig, eine Zeit lang aus ihrem gewohnten Umfeld herauszukommen, damit sie sich auf sich selbst und ihre Genesung konzentrieren können.

Mann bei der Physiotherapie.

Die Physiotherapie ist häufig ambulant

Die mobile Reha richtet sich in erster Linie an ältere Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, ambulante Therapieeinrichtungen aufzusuchen oder die davon zu weit weg wohnen. In diesem Fall kommt ein Rehabilitationsteam – Ergotherapeut und Arzt – zum Patienten nach Hause.

Der Patient wird dabei nicht nur behandelt, sondern oft auch beraten: Der Ergotherapeut überlegt auch, ob der Patient mit kleinen Veränderungen in der Wohnung und Hilfsmitteln dabei unterstützt werden kann, sich weiter selbst versorgen zu können.

Eltern-Kind-Kuren

Eine weitere wesentliche Neuerung seit Beginn des neuen Jahrtausends ist eine Veränderung in der bis dato als Mutter-Kind-Kur bekannten Reha-Maßnahme. Seit 2002 haben auch Väter die Möglichkeit, gemeinsam mit ihrem Kind zu kuren.

Egal ob Vater-Kind- oder Mutter-Kind-Kur: Das Angebot richtet sich an kranke oder überlastete Eltern. Diese können gemeinsam mit ihrem Nachwuchs einen Reha-Aufenthalt in Anspruch nehmen. In den Kliniken, die oft an der Küste oder im Mittelgebirge liegen, wird gut für die Kinder gesorgt. So haben die Eltern genug Zeit für sich, um den nötigen Erholungs- oder Genesungseffekt zu erzielen.

Trotzdem müssen sie während des mehrwöchigen Aufenthalts nicht auf den Kontakt zu ihren Kindern verzichten. Studien belegen, dass derartige Kuren die Belastung der Eltern über einen langen Zeitraum verringern.

Vater mit Kindern beim Wassertreten.

Auch für Kinder gibt es Therapieangebote nach Sebastian Kneipp

Berufsorientierte Reha

Seit etwa Mitte 2000 gibt es vermehrt berufsorientierte Rehabilitation. An simulierten Arbeitsplätzen üben Patienten die Tätigkeiten aus, die zu ihrem beruflichen Alltag gehören.

Unter professioneller Anleitung lernen sie, ihre alltäglichen Handgriffe wieder gekonnt auszuführen – und zwar auch im medizinischen Sinne. Ein Ergotherapeut leitet jede Bewegung der Patienten an, beobachtet genau und korrigiert bei Bedarf.

Dieses Angebot ist natürlich besonders für die Menschen von großer Bedeutung, die einer handwerklichen, körperlichen Tätigkeit nachgehen. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Rehabilitationskliniken, die sich auf die berufsorientierte Reha spezialisiert haben.

Autorin: Melanie Kuss

Weiterführende Infos

Stand: 20.04.2018, 16:00

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