Impfungen: Schutz gegen Krankheiten

Kind wird in den Oberarm geimpft

Krankheiten

Impfungen: Schutz gegen Krankheiten

Von Claudia Füßler

Sie gehören zu den wichtigsten Waffen der modernen Medizin: Impfungen. Der kleine Stich in den Oberarm bewahrt uns vor ansteckenden, oft gefährlichen und mitunter tödlichen Krankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder der Grippe.

Wir werden immun gegen den Erreger

Impfungen schützen nicht nur den einzelnen, sie verhindern auch, dass Infektionskrankheiten sich regional oder sogar global ausbreiten können.

"Impfungen sollten so selbstverständlich sein wie die Wunddesinfektion oder steriles Operationsbesteck", sagt deshalb Philipp Henneke, Kinder-Infektiologe am Universitätsklinikum Freiburg. "Impfstoffe gehören zu den am besten untersuchten und kontrollierten medizinischen Substanzen."

Wie genau funktioniert so eine Impfung? In unserem Blut befinden sich Millionen von Antikörpern. Sie sind quasi die Wächter im Kampf gegen Krankheiten. Infizieren wir uns mit einem Erreger, erkennen die Antikörper ihn und heften sich dran. So markieren sie den Erreger für unsere Abwehrzellen. Diese sehen: Aha, ein Eindringling, und fressen die Erreger.

Spritze mit Impfstoff in Nahaufnahme

Ein Impfstoff kann Leben retten

Es passen nur spezielle Antikörper auf bestimmte Erreger. Sind wir krank, produziert unser Körper so lange genau diese passenden Antikörper, bis alle Erreger markiert und gefressen worden sind. Dann werden diese Antikörper erst einmal nicht mehr gebraucht und daher stillgelegt.

Sollten wir uns noch ein weiteres Mal mit dem gleichen Erreger infizieren, werden diese schlummernden Zellen aktiviert. Der Körper bekämpft die Krankheit beim zweiten Mal also viel schneller als nach der ersten Infektion.

Da sich das Immunsystem auf diese Weise erinnern kann, müssen wir viele Kinderkrankheiten nur einmal erleiden – dann hat der Körper gelernt, welche Antikörper hilfreich sind, und wir sind immun gegen den Erreger.

Tote oder lebende Krankheitserreger

Eine Impfung ist – vereinfacht gesagt – ein Training für unser Immunsystem. Es kann sich so auf künftige Gegner vorbereiten. Dafür werden abgeschwächte Erreger genutzt. Der Körper kann also sein Antikörper-Gedächtnis aufbauen, ohne dass die Krankheit ausbricht.

Dass das Immunsystem nach einer Impfung auf Hochtouren arbeitet, merken manche Menschen trotzdem an den ersten Tagen nach dem Piks: Sie bekommen leichtes Fieber und fühlen sich erschöpft.

Dennoch: Impfungen gehören zu den am besten verträglichen Medikamenten. "Unerwünschte Nebenwirkungen sind extrem selten und müssen sofort gemeldet werden", sagt Professor Philipp Henneke.

Spritze in den Oberarm in Nahaufnahme

Gut verträglich: der Pieks in den Oberarm

Die Ärzte impfen entweder mit Lebend- oder Totimpfstoff. Von Lebendimpfstoff sprechen die Mediziner, wenn sie lebende, vermehrungsfähige Erreger verwenden, die allerdings durch Zucht oder Bestrahlung geschwächt worden sind. Das ist zum Beispiel bei den Impfungen gegen Mumps, Windpocken, Masern, Röteln oder Rotaviren der Fall.

Abgetötete Erreger werden als Totimpfstoff bezeichnet. Damit wird beispielsweise gegen Tetanus, Keuchhusten oder Hepatitis B geimpft.

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht. Ob eine Impfung gewünscht ist, entscheidet jeder Erwachsene für sich selbst und seine Kinder. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, sich dazu vom Haus- oder Kinderarzt beraten zu lassen.

Orientierung bietet die sogenannte Ständige Impfkommission (Stiko). Sie entwickelt Impfempfehlungen für Deutschland und berücksichtigt nicht bloß deren Nutzen für den Einzelnen, sondern auch für die gesamte Bevölkerung. Dafür wertet sie kontinuierlich Daten zu Impfstoffen und Erkrankungen aus, die mit einer Impfung verhindert werden können.

Seitenansicht eines Kindergesichtes, Löffel mit Zuckerwürfel

Schluckimpfung gegen Kinderlähmung

Masern weltweit ausrotten

Die Stiko empfiehlt folgende Impfungen für einen Grundschutz:

  • Diphtherie, Pertussis/Keuchhusten
  • Tetanus/Wundstarrkrampf
  • Haemophilus influenzae Typ b
  • Hepatitis B, humane Papillomaviren (nur für Mädchen)
  • Poliomyelitis/Kinderlähmung
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln
  • Pneumokokken
  • Meningokokken
  • Rotaviren
  • Varizellen/Windpocken
  • Influenza

Durch konsequentes Impfen ist es beispielsweise gelungen, die hoch ansteckenden und gefährlichen Masern einzudämmen. In den 1980er Jahren gab es europaweit mehr als 850.000 gemeldete Masernfälle pro Jahr, derzeit sind es weniger als 30.000.

Zu welchem Zeitpunkt welche Impfung sinnvoll ist, steht im Impfkalender der Stiko.

Das erklärte und durchaus realistische Ziel der Gesundheitspolitiker weltweit ist es, die Masern ebenso wie den Erreger der Kinderlähmung auszurotten. Um das zu schaffen, muss die Impfquote hoch sein, das heißt, so viele Menschen wie möglich müssen sich impfen lassen. Nur so kann der Erreger zunächst regional und dann weltweit eliminiert werden.

Kleiner Junge mit nacktem Oberkörper, der von Masernausschlag übersät ist

Lässt sich durch eine Impfung vermeiden: Masern

Sich selbst und dadurch andere schützen

Während die Kinderlähmung europaweit bereits ausgerottet ist, kämpfen die Mediziner nach wie vor gegen das Masernvirus an. Trotz einer hervorragenden medizinischen Infrastruktur gelingt es bisher nicht, die Masern auszurotten.

Der Grund: Zu viele Eltern verweigern eine Masernimpfung. "Diese Eltern setzen ihr Kind einem nicht kalkulierbaren Risiko aus. Im schlimmsten Fall erleiden Kinder durch eine Maserninfektion schwere Hirnschäden", sagt Philipp Henneke.

Experten gehen davon aus, dass sich die Masern nicht ausbreiten können, wenn mehr als 95 Prozent der Bürger dagegen geimpft sind. Da das in Deutschland nicht der Fall ist, kommt es immer wieder zu Masernausbrüchen.

Gerade bei einer so leicht übertragbaren Erkrankung wie den Masern hat eine der Grundideen des Impfschutzes daher höchste Berechtigung: Ich schütze andere, indem ich mich schütze.

Gefährliche Masern Planet Wissen 10.05.2019 06:22 Min. Verfügbar bis 10.05.2024 WDR Von Eva Schultes

Für Reisende oder Menschen, die in einer bestimmten Region leben, können Impfungen über den empfohlenen Grundschutz hinaus sinnvoll sein. So sollten sich Bewohner waldreicher Gegenden in Deutschland etwa gegen die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) impfen lassen. Das ist eine Erkrankung, die Zecken übertragen.

Abhängig vom Reiseziel brauchen Urlauber unter anderem Schutz vor Typhus, Gelbfieber, Cholera, Hepatitis A, Tollwut oder der japanischen Enzephalitis, eine Form der Hirnentzündung. Mehr über Reiseimpfungen erfahren Sie hier.

Stand: 02.10.2017, 14:06

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