Vidal Sassoon

Porträtfoto von Starfrisör Vidal Sassoon

Frisuren

Vidal Sassoon

Von Nathalie Muntermann

Eigentlich wollte der schmächtige Junge aus dem Londoner Armenviertel nie Friseur werden. Dann revolutionierte Vidal Sassoon die Haarmode. 1963 erfand er den Bob: einen einfachen Haarschnitt mit gerader, kinnlanger Konturlinie, flippig und einfach zu tragen.

Sassoons Look

Als die Beatles in den Swinging Sixties die Musik revolutionierten, lancierte Sassoon ähnlich bahnbrechende Neuerungen: den geometrischen Haarschnitt, den Bob, den V-Schnitt und den Five-Point-Cut mit seinen fünf geometrischen Spitzen. Es kam ihm darauf an, dass die Haare natürlich fielen.

Millionen von Frauen in Europa und den USA erlöste Sassoon damit vom Frisuren-Trauma: Lockenwickler, heiße Trockenhauben, unangenehme Toupierkämme, Haarspray und endlose Sitzungen beim Friseur waren mit seinen Haarschnitten passé.

Jahrelang hatte er mit neuen Schneidetechniken und geometrischen Schnitten experimentiert. Bereits in den 1920er Jahren hatte es mit dem Bubikopf und dem Garçonne-Schnitt praktische Kurzhaarfrisuren für Frauen gegeben.

Durch Sassoon bekamen die damals so politisch motivierten Frisuren neuen Aufschwung. Sassoon etablierte sie im Mainstream und lag damit genau im Trend.

Trend-Setter

In den 1960er Jahren schnitt er der Minirock-Designerin Mary Quant einen Pagenkopf mit eckigen Konturen, der exakt zu den streng geometrischen Formen ihrer Mode passte.

Der berühmte französische Modeschöpfer Emanuel Ungaro wurde vorstellig und bat um Asymmetrisches, passend zu seiner Avantgarde-Mode. Schließlich folgte Hollywood mit Stars wie Mia Farrow, die seine raspelkurze Kreation in Roman Polanskis Film "Rosemarys Baby" bekannt machte.

Mia Farrow im Porträt.

Mia Farrows Haarschnitt in "Rosemary's Baby" kostete 500 Pfund und war der teuerste seiner Zeit

Haarschneiden als Kunstform

Mit Sassoon wurde das Haareschneiden zur Kunstform erhoben, und der Friseur war nicht länger ein reiner Handwerker, sondern avancierte zum kreativen Stylist.

Der 1928 geborene Vidal Sassoon machte eine Bilderbuchkarriere: Er wuchs im Londoner East End auf und verließ mit 14 Jahren die Schule, um eine Ausbildung als "Shampoo boy" in einem Friseursalon in London-Mayfair zu machen.

Schon bald gewann er Wettbewerbe, und 1954 eröffnete er seinen ersten eigenen Salon in der renommierten Bond Street. 1966 nahm die erste Vidal-Sassoon-Schule für Friseure ihre Arbeit auf, Sassoon zog nach Los Angeles.

Sassoon-Imperium

Heute arbeiten mehr als 20 Sassoon-Salons von Berlin bis Beverly Hills nach dem Vidal-Prinzip, mehrere Schulen etwa in London und New York vermitteln Methoden und Techniken. 1974 kreierte Sassoon die Haarpflegeserie "Wash and go". Sein Name wurde zur Marke, er selbst zum Multimillionär.

1983, mit Mitte 50, läutete Sassoon seinen Rückzug als Alleineigentümer ein. Er verkaufte die Produktabteilung, die Salonkette übergab er zwei engen Mitarbeitern. Zwar blieb der Firmengründer seinem angesehenen Frisuren-Haus bis zu seinem Tod als Repräsentant treu, doch widmete er sich anderen Dingen: Zum Beispiel gründete er das "Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism" an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Im Mai 2012 starb Sassoon im Alter von 84 Jahren in Los Angeles, Kalifornien.

Ein Model bekommt einen Haarschnitt im Stil von Vidal Sassoon verpasst

Sassoons Stil machte das Haareschneiden zur Kunstform

WDR | Stand: 16.07.2020, 13:20

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