Modelexikon – Das ABC der Unterwäsche

Eine Frau hilft einer Anderen beim Zuschnüren ihres Mieders.

Unterwäsche

Modelexikon – Das ABC der Unterwäsche

Von Alfried Schmitz

In der bunten Welt der Miederwaren gibt es ungezählte Begriffe, deren Bedeutung nur wenige Fachleute kennen. Viele dieser Wörter leiten sich vom Französischen ab, da Frankreich eine der führenden Nationen in Sachen Mode war und ist. Manche Ausdrücke haben sich viele Jahrhunderte in unserem Sprachschatz gehalten, ohne dass man noch um den eigentlichen Ursprung weiß. Das kleine Alphabet der Unterwäsche gibt Auskunft über Herkunft, Bedeutung und Anwendung von A wie Appetitröckl bis Z wie Zwickel.

Von Appetitröckl bis Eingriff

Appetitröckl: Im deutschen Sprachraum während der Rokoko-Zeit umgangssprachliche Bezeichnung für den Unterrock, der von Frauen des höheren Standes unter dem Reifrock getragen wurde. Der Jupon, so die offizielle französische Bezeichnung, bestand aus hochwertiger Seide und war am Saum oft aufwändig mit Bordüren oder Stickereien verziert.

Bodystocking: Der Begriff kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt "Körperstrumpf". Damit bezeichnet man eine Damenfeinstrumpfhose, die in ein eng anliegendes Oberteil übergeht. Sie wurde in den 1940er Jahren entwickelt und meist von Mannequins und Balletttänzerinnen und -tänzern getragen. Durch die Entwicklung von elastischen Kunsttextilstoffen wurde der Tragekomfort in den 1950er Jahren optimiert.

Camisia: So bezeichneten die Römer ab dem 4. Jahrhundert vor Christus ein Hemd, das unmittelbar auf der Haut getragen wurde. Die Erfinder dieses Vorläufers des Unterhemdes waren sie aber wohl nicht. Das Wort leiteten sie wahrscheinlich vom arabischen Kamis für Untergewand ab. Auch heute findet man das Wort im französischen Chemise, im italienischen Camicia und im spanischen Camisa für Hemd.

Dirndl: Kommt vom mittelhochdeutschen Wort "dierne". So bezeichnete man ein junges Mädchen beziehungsweise eine Jungfrau. Dirndl nennt man heute ein bayerisches oder österreichisches Trachtenkleid, das mehr und mehr Einzug auch in die junge Mode gehalten hat. Ursprünglich wurde das Dirndlkleid allerdings als reines Unterkleid getragen. Erst ab 1870 entwickelte es sich zur Oberbekleidung.

Frau im Dirndl auf einer Wiese

Das Dirndl war ursprünglich ein Unterkleid

Eingriff: 1934 brachte eine amerikanische Unterwäschefirma eine neuartige, besonders bequeme Unterhose für Männer auf den Markt. Durch eine weitere praktische Neuerung, den Eingriff, einen speziell auf die Anatomie des Mannes zugeschnittenen Hosenschlitz an der Vorderseite, wurde sie zum Verkaufsschlager.

Von Fascia Pectoralis bis Krinoline

Fascia Pectoralis: Auch "fascia mamilla" oder griechisch "strophium". So nannten die Römer und Griechen der Antike die Brust- oder Busenbinde für Frauen. Diese sehr lange Stoffbinde wurde um Brust und Rücken gewickelt. Sie diente als Stütze und Verhüllung des Busens. Zusammen mit einer Kurzhose wurde sie von den römischen und griechischen Frauen auch bei sportlichen Betätigungen getragen. Der Vorläufer des Büstenhalters im Altertum.

Gorge Postiche: Der Begriff kommt aus dem Französischen und heißt übersetzt so viel wie "falsche Brust". Es handelte sich hier um ein Busenpolster, das Ende des 18. Jahrhunderts in Mode kam. Es wurde unter dem Brusttuch getragen und sollte die weibliche Silhouette betonen.

Hüftpolster: Auch Steißrolle genannt. Kam im 15. Jahrhundert in Mode. Sie bestand aus einer Stoffrolle, die sich die Frauen um die Hüften banden. Sie sollte dem darüber getragenen Kleid eine besondere Form geben. Darunter ließen sich aber auch trefflich die Folgen eines Fehltritts verbergen. In jener Zeit wurde eine schwangere unverheiratete Frau sozial geächtet.

Justaucorps: Der Begriff kommt aus dem Französischen, heißt übersetzt "eng am Körper" und war im Europa des 15. Jahrhunderts die gängige Bezeichnung für ein Frauenmieder, an das sich noch ein (Unter-)Rock anschloss.

Krinoline: Weit schwingende Kleider waren Anfang des 19. Jahrhunderts bei den Frauen beliebt. Um diesen optischen Effekt zu erzielen, wurden mehrere Unterröcke übereinander angezogen. Durch eine neue Technik, das Einwirken von Rosshaar in den Rockstoff, erhielten diese mehr Festigkeit. Auf diese Weise konnte man den Rock in Glockenform gestalten. Der Ausdruck Krinoline leitet sich vom französischen Wort Crin für Rosshaar ab.

Schwarzweiß-Stich: Frauen in wallenden Krinolinen auf einem französischen Ball

Frauen in wallenden Krinolinen auf einem französischen Ball

Von Lingerie bis Reifrock

Lingerie: Kommt vom französischen Wort "lin" für Leinen. Als Lingerie bezeichnet man besonders hochwertige Damenunterwäsche. Der Ausdruck wird aber auch verschiedentlich für Spezialgeschäfte benutzt, die ausschließlich Damenunterwäsche führen.

Mieder: Leitet sich vom althochdeutschen "muoder" und vom mittelhochdeutschen "mueder" für Mutter ab. Als Mieder bezeichnet man ein Unterkleidungsstück, dass Brust und Bauchbereich bei Frauen figurbetonend bedeckt.

Nylon: Ist das Warenzeichen für eine Chemiefaser, die eine extrem hohe Elastizität und Festigkeit aufweist. Es hat vor allem in der Strumpfherstellung eine große Bedeutung erlangt. Nylons wurden sogar zum Synonym für Damenstrümpfe.

Oben-ohne-Mode: Kam im 20. Jahrhundert Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre auf. Sie war weniger ein Modetrend, als vielmehr eine emanzipatorische Bewegung, die den Frauen empfahl, sich vom einengenden Büstenhalter (BH) zu befreien. Dies sollte auch symbolisch eine Befreiung von Normen und Zwängen sein. Es kam zu öffentlichen Verbrennungen von BHs.

Petticoat: Stammt aus dem englischen Sprachgebrauch und steht für "der kleine Rock", oder Unterrock. Wurde in Deutschland als Wipprock bezeichnet. Mit Volants verziert, war er typisches Kleidungsstück der Rock'n'Roll-Ära in den 1950er Jahren. Junge Mädchen trugen ihn unter den zuerst waden-, später dann nur noch knielangen Röcken.

Schwarzweiß-Foto: Mädchen in Petticoat

Sehr beliebt in den 1950er Jahren: der Petticoat

Reifrock: Schon im 14. Jahrhundert gab es in Spanien erste Frauenröcke, bei denen nach außen sichtbare Ringe aus Gerte eingearbeitet waren, die diesen Kleidungsstücken eine besonders weit ausladende Form geben sollten. Später wurden Unterröcke mit Reifen aus Drahtgeflecht, Fischbein oder Holz versehen, um das Oberkleid zu einem glocken- ähnlichen Gebilde werden zu lassen.

Von Schamkapsel bis Zwickel

Schamkapsel: Auch französisch "Braguette" genannt, war Ende des 15. Jahrhunderts bis Ende des 16. Jahrhunderts ein fester Bestandteil der Herrenmode. Das beutelartige Gebilde bedeckte und betonte gleichzeitig das männliche Geschlechtsteil. Hervorgegangen ist es aus dem einfachen Hosenlatz der Männerstrumpfhose.

Tangounterhose: Die Begeisterung für den Modetanz der 1920er Jahre führte so weit, dass auch eine spezielle Tangobekleidung geschaffen wurde. Weite und bequeme Stoffe sollten es sein, die den Tänzern gute Bewegungsmöglichkeit verschafften. Manche Männer schworen damals sogar auf eine spezielle weit geschnittene Unterhose.

Unterhose für Männer: Sie hatte ihren Ursprung im Lendenschurz der Frühzeit. Damals wurde dieses Kleidungsstück aus Fell oder Leder zum Schutz der Geschlechtsteile getragen. In Kleinasien kannte man dann im Altertum schon beinlose Hosen, die man unter den Obergewändern trug. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kannte der europäische Mann keine Unterhose. Entweder trug man Strumpfhosen oder aber lange Hemden.

Verschluss: Ist auch im Bereich der Unterwäsche, hier besonders in der Frauenmode, ein wichtiges Utensil. Verschlüsse kannte man schon im Altertum. Gefertigt wurden sie aus Dornen, Fischgräten, Knochen oder Holz. Knöpfe, wie wir sie heute kennen, wurden erst im späten Mittelalter verwendet. In der Damenmode setzte sich die Schnürung durch, später dann auch die Haken- und Ösen-Technik. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erste Reißverschlüsse gefertigt. Erst ab 1914 setzte sich dann eine verbesserte Technik durch. Auch bei Frauenmiedern kamen nun Reißverschlüsse zum Einsatz.

Wolle: Baumwolle ist der Stoff, der am meisten Verwendung bei der Herstellung von Unterwäsche findet. Sie ist gut zu verarbeiten, ist angenehm weich auf der Haut zu tragen, ist saugfähig und ist vor allem auch hygienisch gut zu reinigen, da man sie kochen kann. Baumwolle wird in über 70 Ländern der Erde angebaut. Die qualitativ beste Baumwolle kommt aus den USA, aus Ägypten, aus dem Sudan und aus Peru.

X: Mit einem so genannten Zauberkreuz aus elastischem Stoff wurden Büstenhalter im Rückenbereich ausgestattet. Sie geben dem Busen mehr Halt und eignen sich für sportlich aktive Frauen.

Y-Form: Mit einem auf den Kopf gestellten Y revolutionierte ein amerikanischer Hersteller im Jahre 1934 den Herren-Unterhosen-Markt. Er entwickelte ein in dieser markanten Form aufgenähtes Stoffteil und schuf so den praktischen Eingriff auf dem Vorderteil der Männer-Unterhose.

Zwickel: Ein dreieckiger Einsatz, der in bestimmten Kleidungsstücken, besonders bei Damenstrumpfhosen, einen bequemen Tragekomfort im Schritt ermöglicht.

Ein zeitgenössisches Ölgemälde zeigt einen Mann mit Schamkapsel

Eher merkwürdiger Teil der Männermode: die Schamkapsel

Stand: 15.10.2019, 11:59

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