Tatort Kunst

Verbrechen

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Mit Kunst lässt sich Kasse machen. Das wissen nicht nur Auktionshäuser, sondern auch Diebe, Fälscher und Nachmacher. Und da es weltweit immer mehr Reiche gibt, wächst auch der globale Hunger nach Kunst. Gefälschte Kunstwerke, geklaute Kunstwerke, sogar gefälschte Fälschungen gehören für Kriminelle zum Alltagsgeschäft. Für den richtigen Preis lässt sich so gut wie jeder Sammlerwunsch erfüllen – und selbst die Experten sind oft genug nicht bereit oder in der Lage, die Fälle aufzuklären.

Kunst kopieren ist legal

Drei Kunstfälschungen aus der angeblichen Sammlung Werner Jägers.

Die angebliche Sammlung Werner Jägers bestand aus Fälschungen

Das Nachmachen oder Nachahmen von Kunstwerken ist erst einmal legal. Wenn ein Gemälde älter ist als 70 Jahre, darf es jeder zu eigenen Zwecken kopieren oder auch die Kopien an andere verkaufen. Zur Straftat wird das Abmalen erst, wenn die Kopien als Originale ausgegeben werden - wenn also eine betrügerische Absicht dazukommt.

Und das geschieht oft: Jedes zweite bis dritte Kunstwerk auf dem Markt soll gefälscht sein, schätzen Polizeiermittler. Ob Alte Meister oder Pop Art, antike griechische Bronzestatuen oder Porzellanvasen: Gefälscht wird alles, was am Markt hohe Preise erzielt. Wenn die Kopien selbst schon einige Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte auf dem Buckel haben, sind sie für Laien umso schwerer zu erkennen. Und selbst Fälschungen werden inzwischen ihrerseits nachgemacht: Der begabte Maler Konrad Kujau etwa, der dem Magazin "Stern" 1983 angebliche Hitler-Tagebücher unterjubelte, verdiente in späteren Jahren sein Geld mit dem Verkauf von "original Kujau-Fälschungen". Doch schon kurze Zeit später tauchten auf dem Markt minderwertige Versionen auf, die nicht von ihm selbst stammten und als gefälschte Fälschungen entlarvt wurden.

Etwa die Hälfte der Kunstwerke ist gefälscht

Marilyn Monroe ¿ Gemälde von Andy Warhol.

Andy Warhol - beliebt bei Fälschern

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa die Hälfte aller Radierungen, Drucke und Lithografien auf dem Kunstmarkt gefälscht sind. Bei Ölgemälden sind es circa zehn Prozent weniger. Mit Vorliebe werden die Künstler der klassischen Moderne nachgemacht: Die Liste der Fälschungen führen Werke von Pablo Picasso, Joan Miró und Marc Chagall an. In Deutschland sind es vor allem die Werke der expressionistischen Maler Erich Heckel, Otto Müller oder Ernst Ludwig Kirchner, die Fälscher auf den Plan rufen. Sehr beliebt sind auch Werke von Pop-Art-Künstlern wie Roy Lichtenstein und Andy Warhol. Die Fälschungen müssen nicht perfekt sein, sondern allein dem Auge des Betrachters genügen. Wenn das Bild keinen Verdacht erregt, gibt es auch keine Überprüfung, und die Fälschung bleibt unbemerkt im Museum hängen oder wird auf dem Kunstmarkt weiter gehandelt.

Fälschung ist nicht gleich Fälschung

Dabei unterscheiden die Ermittler bei Fälschungen verschiedene Kategorien. Am einfachsten und schnellsten ist es, unter ein schon vorhandenes Bild von einem anderen Künstler eine weltbekannte Signatur zu setzen und so den vermeintlichen Wert um ein Vielfaches zu steigern. Dazu gehört oft nur ein gutes Auge und eine Portion Glück, aber kaum künstlerisches Geschick. Solche Fälschungen können auch jahrhundertealt sein: Dann stammt das Bild zum Beispiel aus dem 17. Jahrhundert, ist aber kein echter Rubens oder Rembrandt, sondern die Arbeit eines Schülers.

Aufwendiger ist das möglichst genaue Abmalen von Originalen. Und davor schreckten auch die berühmten Maler selbst nicht zurück: Von Michelangelo etwa ist die Geschichte überliefert, wie er als 15-Jähriger als kleine Fingerübung ein Porträt nachzeichnen sollte und das so formvollendet erledigte, dass er seinem Lehrer später die Kopie zurückgeben konnte und das Original kurzerhand für sich behielt. Für Aufsehen sorgte 2012 auch der Fall der angeblichen "Sammlung Werner Jägers", die in Wirklichkeit aus Fälschungen bestand. Sie erzielten bei Kunstauktionen insgesamt geschätzte 50 Millionen Euro, bevor die Fälscherbande rund um das Ehepaar Beltracchi aufflog.

Wolfgang Beltracchi malt an einem Gemälde.

Berühmter Kunstfälscher: Wolfgang Beltracchi

Die höchste Stufe der Kunstfälschungen sind Neukreationen, die den Stil eines bestimmten Künstlers täuschend echt nachahmen. Dafür brauchen die Fälscher selbst viel Talent, Kunstverstand und Wissen: über die gewünschte Epoche, über Techniken, Materialien und vieles mehr. Die perfekte Stilfälschung eines Meisterwerks kann sich dann über Jahre hinziehen und auch viel Geld in Anspruch nehmen - und wird deshalb immer seltener. Doch auch das Risiko, entdeckt zu werden, ist gering: Wenn die Fälschung gut gemacht ist und auch alte Materialien verwendet wurden, können oft selbst die Experten nicht mit Sicherheit sagen, ob es sich um ein bislang verschollenes und unbekanntes Werk eines berühmten Künstlers handelt oder um eine kriminelle Meisterleistung. Viele Fälscher bleiben lebenslang unbehelligt: Seit Jahrzehnten schon soll der unbekannte "Spanische Meister" seine Imitate unerkannt an Museen und Sammler verkaufen, ohne aufzufliegen.

Diebstahl auf Bestellung

In Deutschland werden von alten Meistern bis Pop-Art täglich sieben Kunstobjekte gestohlen. Geraubt wird quasi nach Katalog. Die meisten Kunstdiebe arbeiten auf Bestellung für einen Auftraggeber, der für die Diebesbeute gut bezahlt. Die heiße Ware lässt sich meist nur auf dem Schwarzmarkt verkaufen, auf dem legalen Kunstmarkt gibt es kaum Absatzmöglichkeiten. Bekannt wurde der Fall eines griechischen Industriellen, der 1984 Raffaels "Madonna Esterhazy" aus dem Jahre 1508 aus einem Budapester Museum stehlen ließ und das Bild in seiner Villa aufhängte.

Die Schadenssummen sind enorm und übertreffen jeden gewöhnlichen Bankraub. Laut Interpol rangiert der Kunstraub nach Drogen- und Waffenhandel ganz oben auf der Liste der lukrativen Verbrechen. Ähnlich wie in Kriminalfilmen dringen die Räuber in ein Museum ein, holen in Sekundenschnelle die Bilder von der Wand und fahren mit ihrem Fluchtauto davon. Als 2003 die kostbare Goldschmiedearbeit "Saliera" aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien gestohlen wurde, hatte der Täter nicht mehr als 46 Sekunden zur Verfügung - und entkam dennoch unerkannt.

"Der Schrei" von Edvard Munch

Spektakulärer Kunstraub: Vier Jahre lang war Munchs "Schrei" Verschollen

Immer häufiger kommt es auch zum "artnapping". Die Kunsträuber vereinbaren mit den Museen oder den Versicherungen eine Lösegeldsumme, für die diese das entwendete Bild zurückkaufen können. Schließlich sind Gemälde besonders pflegeleichte und transportable Geiseln. Meist beträgt die Lösegeldforderung rund zehn Prozent des Marktwertes. Und die Versicherungen zahlen gerne, schließlich wären die Schadensersatzforderungen der Eigentümer noch weitaus höher.

Beutekunst

Der Kopf einer zerstörten Statue nach der Plünderung im irakischen Nationalmuseum.

Der Kopf einer zerstörten Statue im irakischen Nationalmuseum

Weltweit verschwinden Kunstschätze aus Museen, Kirchen und Klöstern. Meist begünstigen politisch instabile Verhältnisse oder Kriegswirren die Kunstdiebstähle. Ein trauriger Höhepunkt in Sachen Beutekunst der vergangenen Jahre war die Plünderung des irakischen Nationalmuseums in Bagdad. Professionelle Banden raubten insgesamt 170.000 Kunstwerke in Milliardenhöhe und schafften die Kunstschätze auf dubiosen Wegen aus dem Land. In Europa tauchen dann diese Kunstwerke immer wieder bei Händlern auf.

Viele Kunstschätze schlummern unter der Erde

Besonders schwer zu beschützen sind antike Gräberfelder. Aufgrund ihrer eindrucksvollen Geschichte und kulturellen Vergangenheit verfügen vor allem Ägypten und Italien über viele "Bodenschätze" dieser Art, entsprechend groß ist dort auch das Problem mit Grabräubern. Während der Diebstahl eines Bildes oder einer Skulptur meist schnell bemerkt wird, ist nur schwer zu erahnen, was sich einst unter der Erde befand. Experten schätzen, dass die meisten antiken Kunstschätze in chinesischer Erde schlummern.

Die Terrakotta-Armee in der Provinz Shaanxi.

Die berühmte Terrakotta-Armee

Die Provinz Shaanxi, in der die legendären Tonsoldaten gefunden wurden, ist reich an unterirdischen Kulturgütern. Meist sind es Bauern, die beim Pflügen ihrer Felder auf die Kulturschätze stoßen. Oft befürchten die Bauern, dass der Staat ihren Fund enteignet und dafür keinen Finderlohn auszahlt. So gelangen die Kunstgegenstände über Zwischenhändler auf den illegalen Kunstmarkt. Die Nachfrage nach chinesischen Kulturgütern ist nach wie vor ungebrochen.

Autor/in: Anette Kiefer

Stand: 02.02.2015, 12:00

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