Wälder für die Stadt

Englischer Garten München

Stadtentwicklung

Wälder für die Stadt

Von Anja Bühling

Grünanlagen, Stadtwälder und Parks erhöhen in vielen Städten die Lebensqualität – als sogenannte grüne Lungen. Die zunehmende Luftverschmutzung und die Verstädterung machen das Grün in den Städten immer wichtiger. Gleichzeitig haben es Pflanzen in den Großstädten aber immer schwerer.

Wie lebenswert wir eine Stadt empfinden, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Grün, wie viele Parks, wie viele Bäume und Alleen in der Stadt sind. Parks und Grünanlagen bieten Platz zum Erholen, zum Sport treiben und zum Abschalten. Vor allem verbessern sie das Stadtklima.

In vielen deutschen Städten wurden lange Zeit vor allem Bäume gepflanzt, die aus Mitteleuropa stammen, darunter Laubbäume wie Kastanien, Linden und Ahornarten, Platanen und Robinien.

Natürlich wählen die örtlichen Gartenbauämter ihre Bäume nach den jeweiligen Bodenverhältnissen und Standorten aus. So finden sich zum Beispiel in München viele Silberlinden, die aus Südosteuropa stammen und unempfindlich gegen Verschmutzung und Trockenheit sind.

In Nürnberg, wo der Boden nährstoffarm und trocken ist, wachsen dagegen Roteichen gut. Insgesamt stehen in Nürnberg rund 80.000 Bäume von über 160 verschiedenen Arten, die meisten davon Ahorne, Linden und Eichen.

Baumallee

Baumallee

Die Bedeutung von Bäumen und Stadtwäldern

  • Bäume sind wichtig für den CO2-Haushalt, indem sie CO2, Staub und gasförmige Verunreinigungen aus der Luft filtern und Sauerstoff produzieren.
  • Sie dienen als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
  • Sie fungieren als Wind- und Lärmschutz.
  • Bäume und Wälder sind natürliche Klimaanlagen und verbessern das Mikroklima einer Stadt. In den Städten ist es aufgrund der Versiegelung durchschnittlich vier bis fünf Grad Celsius wärmer als im Umland – Bäume wirken dem Temperaturanstieg entgegen.
  • Sie erhöhen die Luftfeuchtigkeit.
  • Sie absorbieren Strahlungen und spenden Schatten.
  • Sie erhöhen die Lebensqualität der Menschen und führen zu einer höheren Identifikation der Menschen mit ihrem Viertel.
  • Sie fungieren als gliedernde Elemente in der Stadtplanung.
  • Sie steigern den Wert einer Immobilie, wenn die in der Nähe eines Parks oder von Bäumen liegt.

Lebenswerte Zukunft durch mehr Grün

Im April 2017 hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) das "Weißbuch: Stadtgrün – Grün in der Stadt, für eine lebenswerte Zukunft" herausgegeben, in dem Handlungsfelder und Vorgehensweisen für Bundesländer, Städte und Kommunen aufgezeigt werden, um die Zukunft grüner zu gestalten. Und die Ernährung- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat im Jahr 2018 das Motto "Wälder für nachhaltigere Städte" ausgerufen.

Die FAO geht davon, dass bis zum Jahr 2050 voraussichtlich sechs Milliarden Menschen in städtischen Gebieten leben – das wären 70 Prozent der Weltbevölkerung. Damit diese Städte und Megacities nicht in Schmutz und Smog untergehen, empfiehlt die FAO dringend Wald- und Baumflächen in die Stadtentwicklungspläne einzubeziehen.

Sauerstoff-Lieferanten

Eine Buche mit 800.000 Blättern verarbeitet 2,4 Kilogramm Kohlendioxid pro Stunde. An sonnigen Tagen können 25 Quadratmeter Blattfläche den ganzen Sauerstoffbedarf eines Menschen decken.

(Quelle: NABU)

Mehr Grün ist das Ziel

Einige Großstädte haben schon mit Begrünungsprogrammen begonnen, so zum Beispiel New York, Hamburg, Paris und Frankfurt.

In Paris werden alte Bahndämme bepflanzt, in Frankfurt wird das Bahnhofsviertel zunehmend begrünt und am Main soll eine mehr als 20.000 Quadratmeter große Grünanlage von der Mainuferpromenade bis zum Hafenpark entstehen.

In Hamburg startete 2014 eine Gründachstrategie mit begrünten Dachterrassen und Dächern.

New York will zur "Green City" werden und bietet Parkpatenschaften an, schreibt Wettbewerbe für begrünte Hochhäuser aus und will mit einem "Underground Park" für Furore sorgen.

Blätter als Luftreiniger Planet Wissen 24.05.2019 02:47 Min. Verfügbar bis 24.05.2024 ARD-alpha

Neue Konzepte für mehr Natur in der Stadt

Neben ganzheitlichen grünen Stadtkonzepten sind auch neue individuelle Lösungen für Bepflanzungen gefragt. Zu denen zählen zum Beispiel zukunftsfähige Parks und die Renaturierung alter Industrieflächen oder – wie in Paris – alter Gleisanlagen.

Dazu zählt aber auch die Begrünung von Hinterhöfen oder spezielle Bäume und Pflanzen für Verkehrsinseln, sogenannte "Pocketparks".

Auch die Suche neuer Flächen für Bäume und Stadtwälder wie bei vertikalen Gärten, Fassaden- und Dachbegrünungen gehören dazu und die Beteiligung vieler Menschen wie bei Urban Gardening und Urban Farming sowie bei Gemeinschaftsgärten und -äckern.

Grüner Betondschungel Planet Wissen 24.05.2019 03:56 Min. Verfügbar bis 24.05.2024 ARD-alpha

Stand: 23.05.2019, 12:00

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