Eine Stadt, fünf Bezirke

New York-Skyline mit Empire State Building.

New York

Eine Stadt, fünf Bezirke

Wolkenkratzer, Central Park, Vereinte Nationen, Times Square – das Bild, das die meisten Menschen von New York haben, bezieht sich lediglich auf Manhattan. Doch New York hat noch vier weitere Bezirke zu bieten, in denen es viel zu entdecken gibt. Von den Salzfeldern Staten Islands bis zum Yankees-Stadion in der Bronx, von der Vorstadt-Idylle in Queens bis zu Brooklyns klassischen Sandsteinhäusern.


Manhattan – das Aushängeschild

Wer New York sagt, meint oft Manhattan. Kein Wunder, denn der älteste Stadtteil der Millionenmetropole ist auch zweifelsfrei der bedeutendste. Nahezu alle New Yorker Sehenswürdigkeiten befinden sich hier.

In Manhattan haben Stadt- und Bezirksverwaltung ihren Sitz, die Vereinten Nationen, unzählige nationale und internationale Firmen. Nicht zu vergessen die Wall Street, wo die wichtigste Börse der Welt zu Hause ist. Kein Wunder also, dass Manhattan die Heimat der Reichen ist: Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2013 liegt über 122.000 Dollar – Landesrekord.

In Manhattan ist es schon immer eng. Bereits Ende des 19. Jahrhundert leben eine knappe Million Menschen dort. Die Lösung? Manhattan wird zur Heimat der Wolkenkratzer. Von 1890 bis 1973 steht das jeweils höchste Gebäude der Welt hier, ab den 1920er Jahren sind Manhattans Hochhäuser das Symbol für Reichtum und Wirtschaftskraft der Insel.

Bis in die 1980er Jahre ist das Stadtbild Manhattans sehr gemischt: Den Nobelvierteln rund um den Central Park stehen Gegenden wie Harlem oder die Lower East Side gegenüber, wo sich viele Mietskasernen und Sozialbauten befinden. Doch diese Einwandererviertel lösen sich immer mehr auf, für Gering- oder auch Normalverdiener ist der Wohnraum dort kaum mehr zu bezahlen.

Die Mieten in Manhattan erreichen regelmäßig weltweite Höchstwerte: Für einen Quadratmeter Wohnfläche zahlte man 2013 durchschnittlich 50 Dollar, für Bürofläche sogar mehr als das Zehnfache. Kein Wunder, dass Manhattan für immer mehr New Yorker lediglich Arbeitsplatz, aber nicht Wohnort ist. 1,5 Millionen Menschen pendeln Tag für Tag aus den Vororten und dem Umland dorthin.

Taxis und Autos vor dem Gebäude der New York Times

Manhattan – Kein Stadtteil für Gering- und Normalverdiener

Bronx – Nachbar im Norden

Bereits im 19. Jahrhundert wird die nördlich des Harlem-Flusses gelegene Bronx (benannt nach dem niederländischen Siedler Jonas Bronck) ein Teil des unter Platzmangel leidenden New York. Aus einer ländlichen Gegend wird schnell eine städtische, aus dem Bauerndorf ein Arbeiterviertel.

Die Nähe zu Manhattan bei vergleichsweise günstigen Mieten und Lebenshaltungskosten macht die Bronx für Einwanderer attraktiv, zudem ziehen viele Einwohner Harlems nach Norden.

In den 1970er Jahren gilt die Bronx in Sachen Stadtplanung als Negativbeispiel. Anonyme Wohnblocks und Sozialbauten beherrschen das Bild, riesige Autobahnen haben historisch gewachsene Nachbarschaften zerstört, die Etats für städtische Dienste wie Müllabfuhr oder Feuerwehr werden gekürzt.

Die Kriminalitätsrate steigt kontinuierlich, bis die Verwaltung in den 1990er Jahren gegensteuert. So werden neuer Wohnraum geschaffen und die Möglichkeiten zu Erholung und Zerstreuung verbessert. Die Bronx zeigt ihre grüne Seite – immerhin ein Viertel des Bezirks ist unbebaut.

Neben der typischen Großstadt-Geografie prägen inzwischen viele weitläufige Parkanlagen, botanische Gärten und auch Golfplätze das Bild der Bronx. Nicht zu vergessen: der weltberühmte Bronx Zoo sowie das neue Stadion der Baseballmannschaft New York Yankees, das 2009 eröffnet wurde und als eine der modernsten Sportstätten der Welt gilt.

Afroamerikaner in einem der sozialen Brennpunkte New Yorks.

Bronx: sozialer Brennpunkt

Brooklyn – der charmante Hinterhof

Einmal über den East River – und schon ist man in einer anderen Welt. Während Manhattan sein Heil in der Höhe sucht, wächst Brooklyn in die Breite. Statt Unmengen an Wolkenkratzern sieht man hier adrette Stadthäuser in Reih und Glied, statt hektischer Betriebsamkeit herrschen Ruhe und Beschaulichkeit.

Brooklyn (hier stand die holländische Stadt Breukelen Pate für den Namen) glänzt schon im 19. Jahrhundert mit dem, was Manhattan nicht hat: Platz. Aus einem Dorf mit 5000 Einwohnern wird innerhalb eines knappen Jahrhunderts eine Millionenstadt.

Anders als in New York gibt es in Brooklyn genug Bauland für Fabriken, Werften, Reedereien; durch die Industrialisierung wird Brooklyn zu einer der größten Städte der USA. Entsprechend groß sind die Vorbehalte, als die Stadt 1898 Teil von "Greater New York" wird.

In Brooklyn ist man stolz auf seine Eigenständigkeit, will weder mit der High Society noch mit den Elendsvierteln Manhattans etwas zu tun haben. Doch spätestens mit dem Bau der Brooklyn Bridge 1883 wachsen die Städte immer mehr zusammen. Brooklyn wird zur Schlafstadt vieler Pendler, zur Heimat der Arbeiterklasse, die zwar aus aller Herren Länder stammt, aber dennoch eine gemeinsame Identität findet.

Mit 2,5 Millionen Einwohnern ist Brooklyn zwar der bevölkerungsreichste der fünf New Yorker Bezirke, doch Struktur und Lebensgefühl bleiben in den meisten Stadtteilen kleinstädtisch-überschaubar.

Im ausgehenden 20. Jahrhundert wird das Dienstleistungssegment immer bedeutender, zudem ziehen viele Intellektuelle, Literaten und (Lebens-)Künstler nach Brooklyn. Dem Bild des Bezirks schadet das nicht. Brooklyn ist und bleibt der gemütlich-charmante Hinterhof New Yorks.

Blick über die Brooklyn Bridge auf Manhattan.

Brooklyn Bridge: Grenze zwischen Groß- und Kleinstadt

Queens – Königin der Gegensätze

Der mit 283 Quadratkilometern flächenmäßig größte New Yorker Bezirk vereint in sich viele der Merkmale der anderen Bezirke. In manchen Gegenden ist es beschaulich-heimelig wie in großen Teilen Brooklyns. Auf der anderen Seite gibt es auch viele urbane Elemente im Stadtbild: Mehrere Handelszentren, riesige Einkaufszentren und Industrieanlagen. Und nicht zu vergessen: das Citicorp Building, den größten Wolkenkratzer New Yorks außerhalb Manhattans.

Queens grenzt im Westen an Manhattan und Brooklyn, im Osten an das mehr und mehr kleinstädtisch geprägte Nassau County und passt sich jeweils seinen Nachbarbezirken an: Je weiter man nach Osten gelangt, umso mehr wird die Großstadt zur Vorstadt.

Neben vielen Museen und Universitäten hat Queens vor allem in Sachen Sport eine Menge zu bieten. Das Baseball-Team der Mets trägt hier seine Heimspiele aus, es gibt zwei große Pferderennbahnen sowie den Flushing Meadows Park, wo jeden Sommer das bedeutende Tennisturnier US Open ausgetragen wird.

Queens ist der Teil von New York, den die meisten Reisenden zuerst wahrnehmen, liegen hier doch JFK (John F. Kennedy International Airport) und LaGuardia, zwei der drei großen Flughäfen New Yorks.

Flushing Meadows Park mit Tennisanlagen.

Flushing Meadows: Heimat der US Open

Staten Island – der vergessene Bezirk

"Das Beste an Staten Island ist die Freiheitsstatue auf dem Weg dorthin", spotten die New Yorker über den bevölkerungsärmsten der fünf Bezirke.

Tatsächlich hat Staten Island (benannt nach dem holländischen Parlament Staten-Generaal) kaum Sehenswürdigkeiten zu bieten. Die meisten Touristen nehmen die kostenlose Fähre von der Südspitze Manhattans nach Staten, um die imposante Aussicht auf die Wolkenkratzer und die Freiheitsstatue zu genießen, und kehren mit dem nächsten Schiff wieder zurück.

Und auch die Einwohner der südwestlich von Manhattan gelegenen Insel fühlten sich lange Zeit von der Stadtverwaltung vergessen und im Stich gelassen. Bis Mitte der 1960er Jahre war lediglich die Gegend um die Werften und Häfen entwickelt, der Rest der Insel lag mehr oder minder brach.

Erst der Bau der Verrazano-Narrows-Brücke 1966, der Staten Island mit Brooklyn verband, führte zu einer spürbaren Entwicklung. Billiges Bauland und teils unberührte Natur sorgten für einen beachtlichen Zustrom, bis 2008 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 440.000. Derzeit leben etwa 500.000 Menschen in diesem Teil von New York (Stand: 2015).

Staten Island ist der am wenigsten urbane Bezirk New Yorks. Die Insel ist nicht ans U-Bahn-Netz angeschlossen, selbst ins nahe New Jersey gibt es erst seit 2007 eine regelmäßige Busverbindung.

Trotz aller Bemühungen wirkt der Bezirk eher wie ein typischer Vorort, wie es in den USA Tausende gibt. Beschaulich, politisch konservativ, gläubig und größtenteils weiß – auch demografisch unterscheidet sich Staten Island merklich vom Rest New Yorks.

Blick auf die Freiheitsstatue im Hafen New Yorks.

Attraktion auf dem Weg nach Staten Island

Autor: Ingo Neumayer

Stand: 10.10.2018, 10:12

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