Kultur in Venedig

Blick auf Venedig mit Vollmond

Venedig

Kultur in Venedig

Von Josefine Fehr

Barocke Kirchen, gotische Palazzi, byzantinische Kuppeln: Venedig hat auf nur wenigen Quadratkilometern so viele Kunstschätze zu bieten wie kaum eine andere Stadt auf der Welt. Aber nicht nur Kunst und Architektur, sondern auch der Karneval, die Filmfestspiele und die Biennale locken jedes Jahr mehrere Millionen Touristen in die "Serenissima", die unvergleichliche Lagunenstadt Venedig.

Der Karneval

Der venezianische Karneval unterscheidet sich erheblich vom deutschen: In Venedig gibt es keine Umzüge, bei denen die Narren lärmend und singend durch die Straßen ziehen und auch keine "Kamelle". Der venezianische Karneval ist eher ein vornehmes, würdevolles Fest oder, wie manche sagen, eine betörende Orgie der Fantasie.

Die meisten Venezianer schneidern und basteln ihre aufwendigen, an historischen Vorbildern orientierten Kostüme auch heute noch selbst. Diese besonderen Kostüme, die traditionellen Masken und die einzigartige Kulisse der historischen Palazzi verwandeln Venedig zur Zeit des Karnevals in eine irreale Märchenwelt. Wenn da nicht die Touristen wären. Diese strömen zu Karneval zu Hunderttausenden in die Stadt und zerstören dadurch den ursprünglichen Charakter des Festes.

Die Ursprünge des venezianischen Karnevals reichen weit in die Geschichte der Stadt zurück. Zum ersten Mal erwähnt wird er in einem Schriftstück aus dem Jahr 1094. Zu dieser Zeit begannen die Feierlichkeiten am 26. Dezember und endeten wie heute mit dem Aschermittwoch. Im 18. Jahrhundert begann der Karneval bereits im Oktober und wurde nur durch die Weihnachtszeit für einige Tage unterbrochen.

Im 19. Jahrhundert geriet er schließlich in Vergessenheit, bis ihn im Jahr 1980 Künstler und Theatermacher wieder zum Leben erweckten. Heute dauert der venezianische Karneval zehn Tage. Zum Abschluss der Feierlichkeiten gibt es in jedem Jahr ein gewaltiges Feuerwerk am Abend des Faschingsdienstags.

Zwei Venezianer mit traditionellen Masken und Kostümen

Die Kostüme orientieren sich an historischen Vorbildern

Biennale und Filmfestspiele

Die "Biennale di Venezia" gilt als eine der wichtigsten internationalen Kunstausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie entstand im Jahr 1895 und findet seitdem, unterbrochen durch die Kriegsjahre, alle zwei Jahre zwischen Juni und November in den "Giardini di Castello", einem Gartengelände am Rande der Altstadt, statt.

Das Besondere an der Biennale: Die verschiedensten Länder stellen sich selbst und "ihre" zeitgenössische Kunst mit einer offiziellen Ausstellung vor. 28 Länder in ihren eigenen Pavillons, die Ausstellungsräume der anderen teilnehmenden Länder sind über das ganze Stadtgebiet verstreut. Seit 1999 werden auch die "Arsenale", die alten Schiffswerften, als Ausstellungsfläche genutzt.

Auch die Filmfestspiele von Venedig haben eine lange Tradition. Sie wurden das erste Mal im Jahr 1932 veranstaltet und sind Teil der Biennale. Die "Mostra Internationale Cinematografica" gehören neben den Festivals in Cannes und Berlin zu den drei bedeutendsten internationalen Filmfestspielen. Sie finden jedes Jahr Ende August, Anfang September auf dem Lido statt. Hauptpreis des Festivals ist der "Goldene Löwe".

Statue eines goldenen Löwen mit Flügeln

Der "Goldene Löwe" – eine begehrte Auszeichnung

San Marco – Piazza und Basilika

Für die Venezianer gibt es nur eine Piazza: die "Piazza San Marco". Dieser Platz ist das Herzstück Venedigs, alle anderen verblassen neben ihm und werden deshalb auch nur "campo" genannt. An keiner anderen Stelle der Stadt gibt es eine derart weiträumige Platzanlage, "San Marco" repräsentiert die Macht der einstigen Republik Venedig. Der Platz, über den Napoleon sagte, er sei "der schönste Salon Europas", gilt als Meisterwerk städtebaulicher Konstruktion.

Die Ostseite beherrscht die majestätische Fassade der Basilika San Marco (Markuskirche), zur Rechten und Linken liegen die alten und neuen "Prokuratien", die Gebäude der seit dem Mittelalter bestehenden venezianischen Baubehörde. Der Platz erstreckt sich bis vor den Dogenpalast und öffnet sich an seinem Südrand zum Wasser.

Nur wenige Schritte vom Wasser entfernt stehen zwei monolithische Säulen, auf denen der "alte" und der "neue" Patron von Venedig, der heilige Theodor und der Markuslöwe, über die Stadt wachen.

Markusplatz bei Hochwasser

Laut Napoleon "der schönste Salon Europas"

Die Markuskirche, ein byzantinischer Zentralbau mit fünf Kuppeln, gilt als das bedeutendste und am reichsten ausgestattete mittelalterliche Bauwerk Venedigs. Im 9. Jahrhundert wurde die Basilika als Schrein für die Reliquien des heiligen Markus errichtet. Nach einem Brand im 11. Jahrhundert musste sie völlig neu wiederaufgebaut werden.

Die Architektur setzt sich aus byzantinischen und romantischen Stilelementen zusammen, der Grundriss bildet die Form eines griechischen Kreuzes. Zahlreiche wertvolle Mosaike, Säulen und Skulpturen schmücken das Äußere und Innere der Basilika, unter anderem die vier bronzenen Pferde, welche die Venezianer im Jahr 1204 in Konstantinopel erbeutet hatten.

Die Basilika San Marco mit ihren Kuppeln und Verzierungen

Prächtiger Sakralbau: die Basilika San Marco

Dogenpalast und Rialtobrücke

Der Dogenpalast war zur Zeit der Republik Venedig das Regierungs- und Verwaltungszentrum der Stadt. Schon im 9. Jahrhundert gab es einen Dogenpalast, damals war er aber aus Holz gebaut. Im Laufe der Jahrhunderte wurde er neu gebaut, umgestaltet und erweitert.

1340 begonnen, erhielt der heutige Bau seine wesentliche Gestaltung im 17. Jahrhundert. Alle wichtigen Organe und Gerichte hatten in dem Palast ihren Sitz, hier kam die Vollversammlung zur Wahl des Dogen zusammen.

Zugleich war das prächtige Gebäude ein Symbol des Reichtums und der Macht der Republik. Der Dogenpalast gilt als einer der bedeutendsten Profanbauten der Gotik überhaupt. Die Innenräume sind mit Stuck, vergoldeten Schnitzereien und Gemälden der großen Maler Venedigs verziert. Der etwa 5000 Quadratmeter große Palast grenzt an die Markuskirche und ist durch die "Seufzerbrücke" mit dem Gefängnis auf der anderen Seite des Kanals verbunden.

Photocrom des Dogenpalasts von 1890

Die Dogen residierten in einem prachtvollen Palast

Neben der "Seufzerbrücke" ist vor allem die Rialtobrücke eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Venedigs. Benannt nach dem Inselteil, der einstmals das Herzstück des historischen Venedigs darstellte, war sie zunächst aus Holz gebaut.

Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie dann durch eine steinerne Brücke ersetzt. Bis 1854 war die Rialtobrücke die einzige Stelle, an der man den Canal Grande zu Fuß überqueren konnte. Sie wird von einem einzigen Marmorbogen getragen und ist zu beiden Seiten mit Kaufläden gesäumt.

Die Rialtobrücke und der Canal Grande

Die älteste Brücke über den Canal Grande: die Rialtobrücke

Stand: 18.06.2019, 15:51

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