Erdbebengebiet Kalifornien

Historische Schwarzweiß-Aufnahme des zerstörten San Franciscos, nach dem Erdbeben vom 18. April 1906.

Kalifornien

Erdbebengebiet Kalifornien

Der kalifornische Lebensstil ist von Sonne, Meer und einem Surfbrett unter dem Arm geprägt. Und doch trägt jeder Kalifornier im Hinterkopf eine große Angst mit sich herum: die Angst vor dem nächsten großen Erdbeben. Denn das kommt bestimmt, vielleicht schon bald. Schuld daran ist die San-Andreas-Verwerfung, die fast ständig irgendwo in Kalifornien die Erde wackeln lässt.

Das Beben von 1906

Als am 18. April 1906 in San Francisco die Erde bebte und die Stadt weitgehend zerstörte, war dies eine der größten Naturkatastrophen aller Zeiten in den USA. Damals war man sich über die Gründe dieses heftigen Ausbruchs der Natur nicht so ganz im Klaren.

Als die staatliche Untersuchungskommission allerdings 1908 über die Ursachen berichtete, wurde die San-Andreas-Verwerfung genannt. Besonderheit des Grabens ist, dass er im Vergleich zu anderen Erdbebengebieten, in denen die Gefahren für das bloße Auge nicht sichtbar sind (vor allem unter dem Meeresspiegel), hier offen die Landschaft prägt.

Über 1300 Kilometer hinweg wird die Prärielandschaft von Zentralkalifornien, werden Dämme und Staubecken und Ortschaften durchtrennt. Im Bereich des Grabens leben mehr als 18 Millionen Menschen.

Luftaufnahme der San-Andreas-Verwerfung

Die Bedrohung durch die San-Andreas-Verwerfung ist überall sichtbar

Verheerende Auswirkungen des großen Bebens

Die San-Andreas-Verwerfung besteht aus zwei tektonischen Platten, die aneinander vorbeigleiten. San Francisco liegt dabei übrigens auf der Amerikanischen, Los Angeles auf der Pazifischen Platte. Die abnehmende Distanz beträgt pro Jahr etwa sechs Zentimeter.

An einigen Stellen bewegt sich die Verwerfung konstant und langsam, an anderen verhakt sie sich und kann dann durch ruckartige Verschiebungen zu heftigen Beben führen. Wie eben 1906 in San Francisco. Die Stärke des damaligen Bebens wurde auf Stärke 7,8 auf der Richterskala eingeschätzt.

Die Folgen: 3000 Menschen starben – Hunderttausende wurden obdachlos, die Stadt lag vollkommen in Trümmern. Der wirtschaftliche Schaden wurde auf rund 400 Millionen Dollar geschätzt – in heutiger Kaufkraft entspricht das zehn Milliarden Dollar und damit ungefähr den Schäden durch Hurrikan Katrina.

Zerstörter Straßenzug in San Francisco

Große Teile San Franciscos wurden zerstört

Das nächste Beben kommt bestimmt

Bei einem ähnlich starken Beben wären die Auswirkungen heute wesentlich heftiger: Im betroffenen Gebiet leben inzwischen deutlich mehr Menschen, Schätzungen zufolge könnten bis zu 30.000 Menschen sterben.

Leider ist so ein Beben, "The Big One" genannt, in den nächsten 30 Jahren sehr wahrscheinlich. Die Experten des südkalifornischen Erdbebenzentrums rechnen zu 99,7 Prozent damit, dass es bis 2038 ein Erdbeben mit der Stärke 6,7 geben wird. Eines mit der Stärke 7,5 oder mehr wird mit 46-prozentiger Wahrscheinlichkeit angegeben.

Im Bereich von Riverside, östlich von Los Angeles, scheint die Gefahr besonders hoch zu sein. Dort hat es seit 300 Jahren kein großes Beben mehr gegeben, obwohl statistisch gesehen alle 150 Jahre ein größeres anstünde. Mit anderen Worten: Es ist längst überfällig.

Die Wolkenkratzer sind erdbebensicher

Kleinere Beben gibt es in Kalifornien ständig, etwa 10.000 pro Jahr. Die meisten aber sind so schwach, dass sie nicht spürbar sind. Größere Beben gab es zuletzt 2014 und 2009 in Los Angeles mit der Stärke 4,7, und 5,1.

Die meisten Schäden entstehen an alten Gebäuden, neuere Bauten mit Stahlbeton hingegen bleiben relativ unversehrt stehen. Auf kommende schwere Beben kann man sich mit baulichen Maßnahmen vorbereiten: Praktisch alle Wolkenkratzer in Kalifornien etwa sind erdbebensicher.

Die Mehrzahl der Bauten in Kalifornien entspricht aber keineswegs diesen Standards; das könnte bei einem großen Beben viele Menschenleben gefährden.

Alte Häuser an der Steiner Street in San Francisco - im Hintergrund sieht man die Skyline der Wolkenkratzer.

Besonders gefährdet sind die älteren Gebäude

Autor: Marcel Schuler

Stand: 05.09.2017, 13:30

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