Forschung - Ein Mädchen bitte ...

Mikroskopische Aufnahme von Spermien.

Künstliche Befruchtung

Forschung - Ein Mädchen bitte ...

Es gibt Eltern, die das Geschlecht ihres Kindes nicht nur vor der Geburt wissen, sondern es am liebsten selbst bestimmen möchten. Mit den Forschungsfortschritten im Bereich der Reproduktionsmedizin ist das sogar möglich – nicht nur theoretisch.

Spermiensortiermaschine

Forscher am "United States Department of Agriculture" (USDA) haben eine Maschine entwickelt, die Spermien nach X- und Y-Chromosom trennen kann. Spermien mit einem X-Chromosom enthalten bei Säugetieren drei bis vier Prozent mehr Desoxyribonukleinsäure (DNA) als die mit einem Y-Chromosom.

Die Forscher färbten die DNA, die die Erbinformation trägt, mit fluoreszierenden Farbstoffen ein und konnten mit einem Laser die Spermien nach DNA-Gehalt und damit nach Geschlecht sortieren.

Das Gerät wurde in den USA zunächst über zehn Jahre in der Viehzucht erprobt. Danach wurde auch mit menschlichen Spermien geforscht.

Bei den menschlichen Spermien können die weiblichen mit einer Zuverlässigkeit von 93 Prozent herausgelesen werden. Männliche Spermien sortiert die Maschine nur mit einer 73-prozentigen Sicherheit aus.

Das "Genetics and IVF Institute" in Fairfax (USA) war die erste Fruchtbarkeitsklinik der Welt, die mit diesem Gerät arbeitete. 1995 kam das erste Mädchen zur Welt, dessen Geschlecht durch Spermienselektion bestimmt wurde.

In Deutschland ist die Trennung menschlicher Spermien nicht erlaubt. Ausgenommen ist eine Spermienselektion bei schwerwiegenden geschlechtsgebundenen Erbkrankheiten, etwa die meist tödlich verlaufende Muskelschwäche, die nur Jungen erben.

In vielen anderen Ländern sind die Gesetze nicht so streng, mit teilweise gravierenden Folgen: In Indien und China ist das demografische Gleichgewicht zwischen Mann und Frau bereits gestört. Immer mehr Paare wählen das Geschlecht ihres Babys bei einer künstlichen Befruchtung – und entscheiden sich meist für einen Jungen. Viele weibliche Embryos werden auch abgetrieben.

Frauen sind in diesen Ländern generell weniger wert als Männer. Außerdem belastet die Mitgift für eine Hochzeit die Familien oft finanziell. Auch in islamischen Ländern wünschen sich Paare oft einen Sohn, weil dieser bei der Erbfolge bevorzugt wird.

Präimplantationsdiagnostik und Eizellspende

Nahaufnahme einer Erwachsenen-Hand, die ein rosa Bändchen an einem Säuglingsarm befestigt.

Lieber ein Mädchen oder ein Junge?

Die sogenannte Präimplantationsdiagnostik ermöglicht aber nicht nur die Geschlechterauswahl, sondern auch den ethisch umstrittenen Gencheck, durch den sich Embryonen aussortieren lassen, die genetisch belastet sind. Ein solcher Gencheck ist in Deutschland erst seit Juli 2010 erlaubt, während er in den USA, Großbritannien oder Belgien schon längst gang und gäbe ist.

Ebenfalls üblich im Ausland ist die Eizellspende, auf die Frauen angewiesen sind, deren Eierstöcke keine eigenen Keimzellen mehr produzieren. Dabei werden die Eierstöcke einer freiwilligen Spenderin hormonell stimuliert, nach der Entnahme mit dem Samen des Mannes befruchtet und der Empfängerin wenige Tage später eingesetzt.

Das in Deutschland verbotene Verfahren wird im Ausland nicht nur bei Frauen angewandt, die ihre Fruchtbarkeit zum Beispiel durch Krankheit früh verloren haben. 1995 brachte die Italienerin Rosanna Della Corte den kleinen Riccardo zur Welt: Sie war bei der Geburt 62 Jahre alt.

Embryos mit der DNA von drei Menschen

Die Forschung schreitet immer weiter voran: An der Newcastle University haben Wissenschaftler im Jahr 2010 Embryos geschaffen, die die DNA von einem Mann und zwei Frauen enthalten. Dadurch sollen Frauen mit seltenen genetischen Erkrankungen gesunde Kinder bekommen können. Defekte im Erbmaterial können zu schweren Erkrankungen wie Blindheit, Muskelschwäche und Herzversagen führen.

Das Ziel des britischen Forscherteams um Doug Turnbull war es zu verhindern, dass die geschädigte DNA der Mitochondrien von der Mutter weitergegeben wird. Mitochondrien werden als Energiekraftwerke der Zellen bezeichnet und haben eine eigene DNA. Bei ihrem Versuch entfernten die Forscher bei einer befruchteten Eizelle die Zellkerne von Mutter und Vater. Diese pflanzten sie in die Eizelle einer weiteren Frau ein, aus der der Zellkern entfernt wurde. Die funktionierenden Mitochondrien blieben aber erhalten.

Turnbull verglich das Verfahren mit dem Austauschen eines Akkus bei einem Notebook: Die Energieversorgung funktioniere dadurch richtig, aber die auf der Festplatte gespeicherten Informationen blieben unverändert. Das Kind verfüge über alle genetischen Informationen des Vaters und der Mutter. Die DNA der zweiten Frau sei nur in sehr wenigen Genen enthalten.

Die Versuche der Wissenschaftler waren auch in Großbritannien lange Zeit ethisch umstritten. Im Februar 2015 stimmten die Abgeordneten des britischen House of Commons für die Zulassung des Verfahrens. Wenn das House of Lords ebenfalls zustimmt, könnte Großbritannien das erste Land der Welt werden, wo Embryos mit der DNA von drei Personen legal gezeugt und der Mutter eingepflanzt werden dürfen.

Autorinnen: Martina Peters/Silke Rehren/Mareike Potjans

Stand: 16.02.2016, 11:58

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