Monarchfalter

Monarchfalter

Schmetterlinge

Monarchfalter

Von Axel Wagner

Eigentlich ist der Monarchfalter weltweit verbreitet, aber die nordamerikanischen Vertreter dieser Art haben ihn besonders berühmt gemacht.

Vier Generationen schlüpfen innerhalb eines Jahres

Mit seinen orangefarbenen Flügeln, die von einem schwarzfarbigen Netz umhüllt sind, und den weißen Farbtupfen an den Flügelspitzen ist er von anderen in den USA beheimateten Schmetterlingen gut zu unterscheiden. Dort paaren sich die Monarchen so fleißig, dass sie vier Generationen in einem Sommer hervorbringen.

Die Raupen sind auffällig gezeichnet und signalisieren somit ihren Fressfeinden: "Ich bin ungenießbar!" Das stimmt auch, da sie aus ihren Futterpflanzen, bestimmten Schwalbenwurzgewächsen, Giftstoffe aufnehmen.

Starke Flugmuskeln bringen die Falter in den Süden

Die letzte Generation, die vor Einbruch des Winters schlüpft, unterscheidet sich aber von den anderen. Durch deren Leistung wurde der Monarchfalter zu einem echten Star unter den Schmetterlingen: Die letzte Generation hat extrem stark ausgebildete Flugmuskeln. Und genau diese dienen ihr zu einer wahren Meisterleistung des Tierreichs.

Obwohl die Falter nicht einmal ein Gramm wiegen, begeben sie sich auf eine viele tausend Kilometer lange Reise. In Gruppen ziehen die Tiere zur Überwinterung in den Süden, bis nach Südkalifornien oder Mexiko. Durchschnittlich 70 Kilometer am Tag und an Spitzentagen bis zu 330 Kilometer. Nach zwei Monaten kommen die ersten ans Ziel, nach rund einem Viertel Jahr die letzten.

Hunderte Monarchfalter im Flug

Ab in den Süden!

6000 Kilometer – einmal Mexiko und zurück

Viele Jahrzehnte war es ein großes Rätsel gewesen, wo genau die Monarchfalter den Winter verbringen. Erst 1975 konnte das Winterquartier eines Großteils der Tiere ausfindig gemacht werden: Es befindet sich in den Sierra-Madre-Bergen nordwestlich von Mexiko City auf einer Höhe von 2750 Metern über dem Meeresspiegel.

Abermillionen der leichten Wesen bedecken hier auf einer Fläche von mehreren Hektaren dichtgedrängt Bäume und Boden und überwintern in einer Art Kältestarre. (nach Markus Kappeler, erschienen in der American Wildlife Stamp Collection, 1987)

Doch schon im kommenden Jahr, noch bevor der Frühling im Winterquartier richtig einzieht, treten sie den Rückflug an. Und während ihrer Heimreise halten sie Hochzeit, denn mittlerweile haben die einzelnen Individuen ihre Geschlechtsorgane entwickelt.

Bereits unterwegs werden Eier gelegt und die ersten Reisenden sterben auf dem Wege, das heißt, sie erreichen den Ausgangsort nicht mehr. Diejenigen, die bis zu der Stelle kommen, wo sie im Vorjahr zunächst als Ei, dann als Raupe und schließlich als Schmetterling gelebt haben, sind insgesamt rund 6000 Kilometer geflogen. Für einen Schmetterling ein absoluter Rekord.

Sonne, Erdmagnetfeld, polarisiertes Licht – die Frage der Orientierung

Aber wie ist es bei solch riesigen Entfernungen möglich, dass die Tiere an ihr Ziel und wieder zurück finden? Bei der Orientierung – also der Frage, wohin die Route führt – hilft dem Schmetterling die Sonne, wie Henrik Mouritsen von der Universität Oldenburg und Barrie Frost von der Königlichen Universität Kingston, Kanada, festgestellt haben.

Um herauszufinden, wie sich die Monarchen orientieren, ließen die Forscher mehrere Tiere in einer Art Flugsimulator auf einem von unten kommenden Luftstrom fliegen. Das Ergebnis: Die Falter versuchten, in südwestliche Richtung loszuziehen, also in die Richtung, wo auch ihr südliches Winterquartier liegt. Also ist die Sonne eine Art Richtungsgeber für den Schmetterling.

Allerdings scheint nicht immer die Sonne, und doch fliegen die Monarchen auch bei bedecktem Himmel zielstrebig nach Süden. Also muss es noch eine andere Navigationshilfe geben, die die Schmetterlinge Jahr für Jahr sicher ans Ziel bringt.

Als weitere Möglichkeit für die Bewältigung der Langstrecke käme, neben der Sonne, die Orientierung am Magnetfeld der Erde in Frage. Eine Art integrierter biologischer Kompass könnte den Tieren helfen, Kurs zu halten.

So weit die Theorie, aber eine Änderung des Magnetfeldes in den Experimenten der beiden Wissenschaftler hatte keinen Einfluss auf die gewählte Flugroute. Wie funktioniert dann aber der gezielte Langstreckenflug? Polarisiertes Himmelslicht könnte des Rätsels Lösung sein, denn die Ausrichtung des Lichtes am Magnetfeld ist für viele Insekten, wie etwa Bienen, eine Hilfe, ihr Ziel zu erreichen.

Monarchfalter mit Peilsender

Forscher statten die Monarchfalter mit Sendern aus

Noch ist die Frage, wie die Langstreckenflieger ihr Ziel finden, nicht ganz geklärt, aber eines ist sicher: Fliegen werden sie, zumindest solange es noch Monarchfalter gibt.

In den vergangenen Jahren berichteten Biologen immer wieder von einer Bedrohung durch die Zerstörung der Überwinterungsgebiete in Mexiko, wo seit Jahrzehnten Kahlschläge und Abholzungen das typische Biotop dieses Schmetterlings zerstören.

Und in ihrem Sommerquartier in den USA leiden die Schmetterlinge darunter, dass ihre Futterpflanzen als Unkraut gelten und daher zunehmend bekämpft werden.

Weiterführende Infos

Stand: 08.10.2019, 10:16

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