Deutschland geht das Holz aus

Baumkronen bei Tageslicht.

Deutscher Wald

Deutschland geht das Holz aus

Von Andrea Wieland

Weil das Baumaterial fehlt, können Handwerksbetriebe nicht weiterarbeiten oder müssen neue Aufträge ablehnen. Andere horten palettenweise Holz in Lagerhallen und Höfen. Holz ist ein begehrter Rohstoff und 2021 nur schwer zu kriegen. Wie konnte es in Deutschland zu einer Holzknappheit kommen?

Holzpreise im Keller

Ein Drittel der Fläche Deutschlands besteht aus Wald. Doch drei heiße Sommer hintereinander, in den Jahren 2018 bis 2020, führten zu einer anhaltenden Trockenheit und zu Borkenkäferbefall. "Drei Viertel des geschlagenen Holzes stammte im vergangenen Jahr von geschädigten Bäumen – ein neuer Höchstwert", meldete die Tagesschau Mitte 2021.

Schadholz überschwemmte den Markt, die Preise fielen zunächst in den Keller. Denn für den Holzmarkt ist Schadholz, das durch Bruch, Sturmschäden oder Insektenbefall zustande kommt, weniger attraktiv. Im Fall von Borkenkäfer-Schadholz sorgen die Insekten für Verfärbungen, aus denen eine verminderte Qualität resultiert.

Trotzdem kann das Holz zur Weiterverarbeitung verwendet werden und landet nicht zwangsläufig als Brennstoff im Ofen. Wie konnte es zu einer Holzknappheit kommen?

Schnittholz ist begehrt

Um das zu erklären, müsse man zunächst zwischen Rund- und Schnittholz unterscheiden, sagt Prof. Matthias Dieter, Leiter am Thünen-Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie: "Die Knappheit betrifft das Schnittholz. Das ist ein Phänomen, das ich nicht erwartet habe und das man auch kaum erklären kann – ein Preisanstieg von derzeit etwa 70 Prozent seit 2018."

Während dieser Zeitspanne sanken die Preise für Rundholz. Mit über 70 Millionen Kubikmetern war die Schadholzmenge im Jahr 2020 fast fünf Mal so groß wie im Jahr 2015, sagt er. Damals waren es 12,9 Millionen Kubikmeter.

Nach eigenen Angaben reagierte die Säge- und Holzindustrie in Deutschland auf die hohe Nachfrage im In- und Ausland mit der Ausweitung der Produktion um acht Prozent, also auf insgesamt über 25 Millionen Kubikmeter, laut Branchenbericht 2020. 

Toter Wald ohne Blätter an den Bäumen.

Trockenheit und Borkenkäfer machen dem Wald zu schaffen

Gründe für eine Knappheit

Warum es trotzdem zu einem Holzmangel kam, hat für Prof. Dieter zwei Ursachen: "Zum einen liegt es an der gestiegenen Nachfrage hierzulande. Viele Menschen haben während der Pandemie daheim viel Zeit verbracht und ihr Zuhause erneuert, indem sie beispielsweise einen Carport oder eine Terrasse gebaut haben."

Im Branchenbericht der Deutschen Säge- und Holzindustrie taucht die gestiegene Inlandsnachfrage ebenfalls auf: "Der Baubereich boomt und der Holzbau nimmt einen immer stärkeren Stellenwert als klimafreundliches Baumaterial ein. Der Anteil von Wohngebäuden in Holzbauweise hat sich auf zuletzt 20,4 Prozent erhöht", erläutert Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt. Hinzu komme die große Nachfrage aus den USA, ergänzt Prof. Dieter.

Leichte Entspannung

Doch Entspannung ist in Sicht, meint der Leiter am Thünen-Institut:" Mein Eindruck ist, dass sich die Holzkrise Mitte 2021 etwas gelegt hat. Es entspannt sich deshalb, weil in den USA vermehrt in Sägewerke investiert wird. Bisher war das Land von Einfuhren abhängig. Das wird sich jetzt ändern. Was weiterhin anhält, ist der Zollstreit mit Kanada."

Prof. Dieter spricht auf den seit über 100 Jahren andauernden Zollstreit zwischen USA und Kanada an. Im Frühling 2021 kündigte das US-Handelsministerium sogar an, die Zölle für Schnittholz aus Kanada von 8,99 auf 18,32 Prozent erhöhen zu wollen. Es wird weiterhin deutsches Holz in die USA exportiert werden.

Baumkronen eines dichten Waldes.

Ein Drittel der Fläche Deutschlands besteht aus Wald

Zum Ausgleich mehr Bäume fällen?

Hierzulande mehr Bäume zu fällen, ist jedoch nicht möglich. "Das Angebot an Rundholz können wir nicht einfach so erhöhen. Die geschädigten Waldbestände fehlen bei zukünftigen planmäßigen Nutzungen, und ein Einschlag über die nachhaltig nutzbare Menge hinaus verbieten die Waldgesetze des Bundes und der Länder und es widerspricht auch dem Ethos der Förster*innen, Wälder nur nachhaltig zu bewirtschaften", sagt der Leiter des Thünen-Instituts, Prof. Dieter.

Dieter hofft daher, dass das Schadholz – teilweise noch aus dem Jahr 2018 – nun endlich den Weg ins Sägewerk findet. Es sei ein Wettlauf gegen die Zeit, sagt er, denn Pilze und Insekten haben die toten Bäume längst besetzt.

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SWR | Stand: 13.09.2021, 10:00

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