Coronavirus – die Gefahr des exponentiellen Wachstums

Grafik: Corona-Virus.

Viren

Coronavirus – die Gefahr des exponentiellen Wachstums

Von Susanne Decker

Kontaktsperren, Homeoffice, Geschäfte und Schulen sind geschlossen – mit diesen Maßnahmen versuchen wir das Coronavirus einzudämmen. Das große Ziel ist es, die Infektionskurve abzuflachen. Denn das exponentielle Wachstum, also die Vervielfachung der Infektionsfälle in kurzer Zeit, ist die große Herausforderung dieser Pandemie.

Was macht das neue Coronavirus SARS-CoV-2 so gefährlich?

Es gibt Coronaviren, die nur eine harmlose Erkältung auslösen. Andere sind weitaus gefährlicher. Wenn Impfstoffe und Medikamente zur Verfügung stehen, sind auch Coronaviren, die schwere Krankheitsverläufe auslösen, in den Griff zu bekommen. Die große Gefahr des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 besteht darin, dass es schwere Erkrankungen auslösen kann, gegen die wir momentan weder Impfstoffe noch Medikamente besitzen. Die Forschung läuft auf Hochtouren, jeden Tag kommen neue Erkenntnisse hinzu. Allerdings braucht es Geduld. Denn selbst wenn Wirkstoffe gegen das Virus im Reagenzglas, in der Petrischale oder im Tierversuch funktionieren, bedeutet das noch nicht, dass sie auch beim Menschen helfen und gut vertragen werden. Zahlreiche Testreihen müssen erst absolviert werden und diese können viele Monate in Anspruch nehmen.

Zeitgewinn als Gegenmittel

Abstand halten und Hygieneregeln befolgen, das ist das Wichtigste, gerade im Anfangsstadium einer Pandemie. Rechtzeitig und konsequent angewendet können diese Maßnahmen zur Eindämmung des Virus funktionieren. Auch Ausgangsbeschränkungen sind wichtig um der Ausbreitung entgegenzuwirken.

Exponentielles Wachstum und die Dynamik einer Pandemie

Um eine solche Pandemie und ihre Risiken besser einschätzen zu können, verwenden Experten mathematische Modelle. Diese berechnen, wie hoch die Zahl der Infektions-Fälle im Lauf der Zeit steigen wird. Bei Infektionskrankheiten ist mit einem exponentiellen Wachstum zu rechnen. Das bedeutet: ein dramatischer und rasant wachsender Anstieg infizierter Personen über eine immer kürzere Zeitspanne.

Bei einer SARS-CoV-2 Infektion geht man davon aus, dass eine infizierte Person im Schnitt etwa drei andere anstecken wird. Jede dieser Personen steckt dann erneut drei andere an und so setzt sich der Vorgang fort. In den ersten Tagen ist der Zuwachs an Neuinfektionen noch überschaubar. Nur wenige Tage später schnellt die Neuinfektionsrate steil nach oben. Die Kapazitäten der Krankenhäuser stoßen an ihre Grenzen, bei Überlastung fehlt es an Beatmungsgeräten, Personal, Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln. Besonders für ältere Menschen mit Vorerkrankungen oder Immunschwäche, aber auch für jüngere Menschen, bedeutet das Lebensgefahr. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Person im Schutzanzug steht an einem Bett in der Intensivstation.

Für schwer erkrankte Personen ist intensivmedizinische Versorgung überlebensnotwendig

Flatten the Curve

Damit möglichst alle schwer erkrankten Menschen optimale Versorgung erhalten, ist es wichtig, die Ausbreitung der Infektion zu bremsen. So gewinnen Kliniken Zeit sich vorzubereiten und die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten kann weiter vorangetrieben werden. Der Verlauf der Kurve, welche die Anzahl an Neuinfektionen über einen Zeitraum abbildet, muss flacher werden. Im Englischen nennt sich dieses Vorgehen "flatten the curve". Jeder kann dabei helfen, das Risiko von Neuansteckungen zu vermindern und das Gesundheitssystem am Laufen zu halten. Ausreichend Abstand zu anderen halten, Hygieneregeln beachten und wenn möglich zu Hause bleiben kann also Leben retten.

In Deutschland trägt, wie in vielen anderen Ländern, eine sogenannte Corona-Warn-App fürs Mobiltelefon dazu bei, Infektionen rechtzeitig zu erkennen und einzudämmen.

Grafik: “Flatten the curve“ – die Infektionskurve abflachen.

“Flatten the curve“ – die Infektionskurve abflachen

Herdenimmunität als natürliche Virus-Barriere

Menschen, die eine Virusinfektion auskuriert haben, sind vermutlich für einige Zeit immun. Sie bieten dann der Bevölkerungsgruppe, in der sie leben, den so genannten "Herdenschutz" durch die "Herdenimmunität". Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Schutz erreicht ist, wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun sind. Sie wirken bei der Ansteckungskette als natürliche Barriere. Allerdings bedeutet eine überstandene Erkrankung mit COVID-19 möglicherweise keine dauerhafte Immunität: Die Anzahl der Antikörper sinkt rapide innerhalb weniger Monate; auch Mehrfacherkrankungen sind inzwischen bekannt. Unklar ist jedoch, ob es sich um Neuinfektionen oder ein Wiederaufflammen der Erkrankung handelt.

Auch geimpfte Personen tragen zum Herdenschutz bei. Deshalb ist Impfen nicht nur für den Eigenschutz, sondern auch für den Schutz der ganzen Gruppe wichtig. Bis verträgliche Medikamente und Impfstoffe gefunden sind, die für eine wirkliche Entspannung der Situation sorgen, wird jedoch noch einige Zeit vergehen.

Unsere Quellen:

  • Robert Koch-Institut zum Thema Immunität (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/ Steckbrief.html#doc13776792bodyText7)
  • Science Media Center, Original-Zitate von Forschern zum Thema Immunität (https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/research-in-context/details/news/wie-reagiert-das-immunsystem-auf-sars-cov-2/)

Stand: 17.08.2020, 17:00

Darstellung: