Coronavirus SARS-CoV-2

Grafik: Aufbau des SARS-CoV-2.

Viren

Coronavirus SARS-CoV-2

Von Susanne Decker

Winzig klein – etwa einen einhunderttausendstel Zentimeter – ist der außerirdisch anmutende Lipidmembran-Ball mit seinen markanten "Spikes". Seine globale Auswirkung dagegen ist immens und kann für Infizierte tödlich sein. Das Coronavirus SARS-CoV-2 löst die schwere Lungenkrankheit COVID-19 aus und hält seit Anfang 2020 die ganze Welt in Schach.

Lipidhülle mit Spike-Proteinen

Das Coronavirus SARS-CoV-2 ist ein so genanntes RNA-Virus. RNA ist die Abkürzung für "ribonucleicacid", zu deutsch: Ribonucleinsäure, abgekürzt RNS. Die RNA ist ein Biomolekül, das Erbinformationen speichert – also den genetischen Code.Dieser Code kann von Enzymen abgelesen und in Proteine "übersetzt" werden, aus denen dann neue Viren zusammengebaut werden können.

Grafik: Ein Spike-Protein des  SARS-CoV-2 dockt an einen Rezeptor der Wirtszelle an.

Ein Spike-Protein des SARS-CoV-2 dockt an einen Rezeptor der Wirtszelle an

Das SARS-CoV-2 Virus besitzt zwar den Code für Proteine, aus denen viele neue Viren zusammengebaut werden können, zur Produktion dieser Proteine ist es alleine aber nicht fähig. Es besteht ja nur aus Virus-RNA, Nucleocapsid-Strukturproteinen und einer Lipidhülle mit Membranproteinen. Zu diesen gehören die markanten Spike-Proteine, die an spezielle Rezeptoren der menschlichen Wirtszelle andocken können.

Um sich vervielfältigen zu können, braucht SARS-CoV-2 die Hilfe einer lebendigen Zelle, die im Gegensatz zum Virus über Zellorganellen verfügt und Stoffwechsel betreiben kann.

Lizenz zum Einschleusen

Nach dem Andocken eines Spike-Proteins an den passenden Zellrezeptor (ACE-2 Rezeptor) der Wirtszelle bekommt das Virus von der Zelle die "Erlaubnis" einzudringen. So kann es seine RNA und damit die Bauanleitung für neue virale Proteine in das Innere der Wirtszelle entlassen.

Grafik: Virus-RNA wird in die Wirtszelle eingeschleust

Virus-RNA wird in die Wirtszelle eingeschleust

Die Wirtszelle beginnt jetzt, statt mit der Produktion eigener Zellproteine, mit der Massenproduktion neuer Virusproteine. Darunter auch das Protein "Polymerase", welches das Virus als "Kopiermaschine" für seine eigene RNA nutzt. Die frisch zusammengebauten Viren werden schließlich freigesetzt und befallen weitere Zellen. Die Krankheit COVID-19 nimmt ihren Lauf. Nach einigen Tagen sind Millionen von Zellen infiziert. Nicht nur die Lunge, sondern auch andere Organe besitzen ACE-2 Rezeptoren. So können auch Nieren, Herz oder Darm vom SARS-CoV-2 Virus befallen werden.

Grafik: Massenproduktion neuer Viren in einer befallenen menschlichen Wirtszelle.

Massenproduktion neuer Viren in einer befallenen menschlichen Wirtszelle

Achtung – ansteckend!

SARS-CoV-2 wird vor allem über Tröpfcheninfektion verbreitet und über winzig kleine Partikel, die sich als Schwebteilchen in der Raumluft halten, die so genannten Aerosole. Als Transportmittel dienen den Viren also feinste Speicheltröpfchen, die beim Husten, Niesen oder auch – im Falle einer Übertragung durch Aerosole - bereits schon beim Sprechen in großer Menge die Luft gelangen. So können sie leicht in die Atemwege anderer Menschen gelangen. Wer einem Infizierten zu nahe kommt oder Luft einatmet, in der sich eine hohe Konzentration von Aerosolen mit Viren befindet, kann also angesteckt werden. Das tückische an SARS-CoV-2: Manche Infizierte zeigen erst nach einigen Tagen COVID-19 Symptome, sind aber schon vorher hochansteckend. Zusätzlich macht es die hohe Dichte an ACE-2 Rezeptoren im Nasenepithel sehr leicht für das Virus den "Wirt" über Aerosole zu "entern" bzw. bereits beim Sprechen eine hohe Zahl Viren auszuscheiden. Mund und Nase mit einer Maske zu bedecken ist deshalb eine sehr effektive und wichtige Maßnahme, das Infektionsrisiko zu senken. Ganz vermeiden lässt sich eine Ansteckung aber auch mit einer Maske nicht – deshalb sind zusätzlich Abstand halten und regelmäßiges Lüften wichtig.

Viren können auch auf Gegenständen eine Zeitlang überleben. So kann man sich eventuell auch über Berührung kontaminierter Oberflächen anstecken, wenn man sich danach an Mund, Nase oder Augen fasst. Deshalb ist regelmäßiges und gründliches Händewaschen wichtig, am besten mindestens 20 bis 30 Sekunden lang.

So lange nicht genügend Menschen geimpft und die Neuinfektionen hoch sind, heißt es also weiter Kontakte zu beschränken und die AHA + L + A - Regeln zu berücksichtigen: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, im Alltag Maske tragen, lüften plus die Corona-Warn-App nutzen. All das sind effektive Maßnahmen, die auch die Übertragung von noch unerkannten Infektionen zu verhindern helfen.

Person wäscht sich die Hände an einem Waschbecken.

Regelmäßiges und gründliches Händewaschen kann vor einer Infektion schützen

Weiterführende Infos

SWR | Stand: 03.04.2020, 11:00

Darstellung: