Schlangenmystik – Schlangen haben viele Gesichter

Schnorr von Carolsfeld, Der Sündenfall (1860, Holzschnitt, spaetere Kolorierung)

Schlangen

Schlangenmystik – Schlangen haben viele Gesichter

Bei vielen Menschen lösen Schlangen vor allem Unbehagen, Furcht und Ekel aus. Und das, obwohl kaum jemand über persönliche Erfahrungen mit den von Natur aus menschenscheuen Reptilien verfügt. Es sind die Horrorgeschichten von Seeungeheuern, Menschen fressenden Untieren und vielleicht auch die undankbare Rolle der Schlange in der christlichen Mythologie, die Schlangen den schlechten Ruf eingebracht haben.
Das ist aber nicht in allen Kulturen so. Andernorts gelten Schlangen als heilig, sie werden als Götter, Wahrsager und Heiler verehrt. Auch im vorchristlichen Europa genossen Schlangen hohes Ansehen.

Schutzpatronin der Wolken

In Indien werden Schlangen als so genannte "Nagas" verehrt. Das sind Wesen, die als gewöhnliche Schlangen, als Schlangen mit mehreren Köpfen oder als Mischwesen aus Schlange und Mensch gelebt und mit den Göttern zusammengearbeitet haben sollen.

Sie gelten als Schutzpatrone des Wassers und der Wolken, können es aber auch zu Überschwemmungen oder Dürreperioden kommen lassen. In der buddhistischen Lehre werden sie als Helfer Buddhas erwähnt, die ihn beschenken und sich zu seiner Lehre bekennen.

Eine uralte Heilerin

Im alten Griechenland galt die Schlange als Beschützerin der Unterwelt, sie symbolisierte die religiöse Verbindung mit der Erdtiefe. Ihre Häutung stand für Wiedergeburt, ewige Jugend und Unsterblichkeit.

Schlangen wurden aber auch wahrsagende Fähigkeiten zugesprochen. Es heißt, eine Schlange habe Asklepios, den griechischen Gott der Heilkunst, auf die Wirksamkeit der unterschiedlichen Heilpflanzen aufmerksam gemacht. Manche glauben sogar, er selbst sei ein Erdgott in Schlangengestalt gewesen. Der Äskulapstab, um dessen Schaft sich eine Schlange windet, ist seither das Wahrzeichen der Apotheker und Ärzte.

Von einer Schlange umwundener Stab des Äskulap

Das Wahrzeichen der Heilkunst: der Äskulapstab

Schlangenkult im alten Rom

Nach Rom kam der Äskulap-Kult, als der Gott Asklepios wegen einer Pest im Jahre 293 vor Christus angeblich als Retter in der Gestalt einer Schlange erschien. In der römischen Kaiserzeit war Asklepios einer der meistverehrten Götter. Ihm wurden zahlreiche Tempel gewidmet, in denen man Äskulapnattern hielt, und die von vielen Kranken als Wallfahrtsorte aufgesucht wurden.

Die symbolträchtige Schlange ist wahrscheinlich von den Römern in die besetzten Gebiete Germaniens eingeschleppt worden. Noch heute wird in den Sanitätertruppen der Bundeswehr der Äskulapstab als Abzeichen auf Ärmeln und Schulterklappen getragen.

Kopf des griechischen Gotts Asklepios als schwarz-weiß-Zeichnung

Wurde auch im alten Rom verehrt: der griechische Gott Asklepios

Teuflische Verführerin

Die Rolle der listigen Verführerin im biblischen Sündenfall machte die Schlange zum Symbol der Falschheit und des Bösen schlechthin. Nachdem es dem tückischen Wesen gelang, Eva zu überreden, von der verbotenen Frucht zu essen, verfluchte Gott Adam, Eva und die Schlange. Fortan sollte die Schlange auf dem Bauch kriechen und Staub fressen.

Ohne sie hätte die Menschheit allerdings nie die Fähigkeit zur Erkenntnis erlangt. Ein Symbol der Heilung wurde die Schlange im Christentum durch eine biblische Begebenheit im Alten Testament. Als das Volk unter einer Schlangenplage litt, richtete Moses auf Geheiß Gottes das eherne Bild einer Schlange auf und rettete damit das Volk vor dem Tod. Ein symbolischer Heilvorgang, der noch bis weit ins Mittelalter in der abendländischen Kunst aufgegriffen wurde.

Ölgemälde: 'Der Sündenfall'

Listige Verführerin im biblischen Sündenfall

Autorin: Pia Prasch

Stand: 13.09.2017, 15:33

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