Wie Anwohner unter dem Verkehrslärm leiden

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Wie Anwohner unter dem Verkehrslärm leiden

Von Andrea Wengel

Im Zuge des Multimediaprojektes "Hier ist es zu laut!" gehen 2019 über 400 Lärmmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern beim SWR ein. Die Lärmgeplagten schicken Videos, die Daten eigener Messungen, und sie berichten von ihren täglichen lautstarken Erfahrungen. Die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft wertet diese Hilferufe aus.

Im Rahmen seiner Abschlussarbeit hat Jonas Fehrenbach aus dem Masterstudiengang Verkehrssystemmanagement die eingegangenen Daten systematisch ausgewertet und analysiert. Hier zeigt sich, was die Lärm-Betroffenen am meisten belastet. So beschreiben 45 Prozent der Hilferufe den Straßenverkehrslärm an ihrem Wohnort als unangenehm oder störend und geben an, deswegen ihre Terrasse oder den Balkon nicht mehr zu nutzen. 33 Prozent der Betroffenen finden den Lärm unzumutbar und schlafen nicht mehr bei offenem Fenster, und 22 Prozent äußern sogar gesundheitliche Beschwerden, die sie auf die massive Lärmbelastung zurückführen. Vielfach handele es sich bei diesen Meldungen um längere Leidensgeschichten. 20 Prozent der Betroffenen seien daher bereits aktiv tätig geworden, indem sie sich in Bürgerinitiativen eingebracht oder an ihre Kommune gewandt haben, um eine Reduktion der Lärmbelastung zu erreichen, ordnet Jonas Fehrenbach die Daten ein.

Die Meldungen im Rahmen der SWR-Lärmmessaktion "Hier ist es zu laut!" stammen zu neun Prozent aus Ballungszentren, zu 21 Prozent aus Mittelstädten und zu 70 Prozent aus kleinen Städten und Kommunen. Jonas Fehrenbach von der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft hat die Lärmmeldungen statistisch ausgewertet.

Grafik: Folgen der Lärmbelastung

Folgen der Lärmbelastung

Zu den am häufigsten genannten Folgen der dauerhaften Lärmbelastung gehören gestörter Schlaf, vor allem bei offenem Fenster. Die Nutzung von Garten, Balkon oder auch den der Straße zugewandten Räumen ist stark beeinträchtigt. Zudem kommt es in vielen Dörfern zu sogenannten Lärmleerständen in Häusern entlang der Ortsdurchfahrt.

Grafik: Problem / Ursache der Hilferufenden

Problem / Ursache

Als Hauptursachen für den Lärm werden LKW, Motorräder, Ausweichverkehr der Autobahnen, Poser, Baustellen, Abkürzungen etc. genannt. Die genannten Ursachen zeigen Schwächen der Lärmberechnung, da Lärmspitzen des Motorradlärms, der Geschwindigkeitsüberschreitungen oder der Poser nicht erfasst werden.

Grafik: Bereits ergriffene Maßnahmen und Engagement der Bürger

Bereits ergriffene Maßnahmen und Engagement der Bürger

Es handelt sich bei den Meldungen vielfach um längere Leidensgeschichten, circa 30 Prozent der Betroffenen haben bereits Maßnahmen ergriffen, um das Lärmproblem zu lösen. Meistens dient die Gemeinde als der erste Ansprechpartner.

Grafik: Vorschläge der Betroffenen zur Lärmminderung.

Vorschläge der Betroffenen zur Lärmminderung

Als Vorschlag zur Lärmminderung werden am häufigsten konkrete und schnell umsetzbare Maßnahmen genannt, wie Tempo 30 Zonen auf Ortsdurchgangsstraßen, aber auch bauliche Schallschutzmaßnahmen wie Lärmschutzwälle oder -wände.

"Von den Bürgerinnen und Bürgern werden zumeist ortsangepasste, konkrete und schnell umsetzbare Maßnahmen für einen verträglichen Verkehr wie Geschwindigkeitsüberwachungen, Tempo 30 oder lärmarme Fahrbahnbeläge vorgeschlagen", ordnet Jonas Fehrenbach die Ergebnisse ein.  "Für eine erfolgreiche Lärmminderung in Problemschwerpunkten reichen einzelne Maßnahmen meist nicht aus. Erforderlich sind vielmehr umfassende Lärmminderungskonzepte, die im Rahmen von Lärmaktionsplänen erarbeitet werden können. Die Kommunen sollten daher, wo noch nicht geschehen, Lärmaktionspläne aufstellen und umsetzen. Die Bürgerinnen und Bürger sind bei der Aufstellung der Lärmaktionspläne zu beteiligen."
Zur Lärmminderung nennt der Verkehrsexperte drei Strategien:

  • Verkehr vermeiden (Förderung der Stadt beziehungsweise Region der kurzen Wege, um Kfz-Fahrten zu vermeiden)
  • Verkehr verlagern (den Personenverkehr vom Kfz auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes Fußverkehr, Radverkehr und ÖPNV verlagern)
  • Verkehr verträglich abwickeln (den verbleibenden Kfz-Verkehr durch Maßnahmen wie Tempo 30 oder baulichen Schallschutz verträglicher machen)

Eines der größten Probleme der lärmgeplagten Anwohner dürfte aber sein, dass viele Kommunen nicht handeln wollen oder können, vermutet Fehrenbach. Lärm ist für Politiker kein attraktives Thema. Zeit, dass sich etwas ändert!

SWR-Messaktion "Hier ist es zu laut"

SWR | Stand: 25.02.2020, 14:00

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