Zucht in der Praxis

Zuchtbulle

Tierzucht

Zucht in der Praxis

Von Sabine Kaufmann

Züchten bedeutet, dass man unter Nutztieren eine Auswahl trifft, um gewünschte Eigenschaften bei den Nachkommen zu verstärken. Nur die Tiere werden zur Weiterzucht herangezogen, deren Nachkommen eine Annäherung an das Zuchtziel versprechen.

Unterschiedliche Züchter

Je nach Tierart treten entweder Unternehmen oder der Bauer selbst als Züchter in Erscheinung. Beim Huhn sind es überwiegend große Unternehmen, die die Zucht des Geflügels koordinieren.

Beim Schwein oder Rind bestimmen die Bauern zum großen Teil noch selbst, mit welchen Tieren sie züchten wollen. In der Regel ist der Bauer dabei für den Kauf der Mutterkuh oder der Sau zuständig. Einen Eber oder Bullen benötigt er für die Züchtung nicht. Deren Part kauft er in Form von Kreuzungssamen dazu.

Noch bis in die 1980er Jahre hinein durfte nur mit gekürten Bullen weitergezüchtet werden. Eine staatliche Kommission und Veterinärmediziner legten damals fest, welche Tiere sich für die Zucht eigneten. Heute hat die Gesetzgebung der Europäischen Union (EU) das Verfahren liberalisiert.

Der Bauer wählt aus einem Katalog

Für die Rinder- und Schweinezucht wendet sich der Landwirt an eine Besamungsstation. Er kann das Sperma aus einem Besamungskatalog auswählen und entsprechend einfach online bestellen.

Auf den Internetseiten der Besamungsstation findet er auch die Angaben zu den Eigenschaften des Bullen beziehungsweise Ebers, mit dem er weiterzüchten will.

Der Landwirt kann in der Regel aus Hunderten von Samenprodukten auswählen. Zwar wird die natürliche Befruchtung, der sogenannte Natursprung, noch praktiziert, doch in den meisten deutschen Ställen hat sich die künstliche Befruchtung durchgesetzt.

Die künstliche Befruchtung

Die Geschichte der künstlichen Befruchtung beginnt bei den Rindern. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts führten die Bauern die Kühe eines Ortes zur Deckung noch zum sogenannten Gemeindebullen.

Um die vielen seuchenartigen Infektionen, die dabei auftraten, einzudämmen, setzte sich immer mehr die künstliche Befruchtung durch. Es war technisch schon machbar, die Samen eines Bullen zu verdünnen und einzufrieren. Eine Kuh kann dann entsprechend ihrem Zyklus mit diesen Samen befruchtet werden.

In zwei Dritteln der Fälle klappt die Besamung beim ersten Mal. So kann ein leistungsstarker Bulle der Vater von Hunderttausenden Nachkommen sein.

Bei Schweinen ist die künstliche Befruchtung komplizierter. Sauen sind empfänglicher, wenn bei der künstlichen Befruchtung ein Eber im Stall ist. Denn Säue reagieren stark auf den Geruch und das Äußere des Ebers.

Moderne Methoden

Im Schnitt bekommt eine Kuh drei bis vier Kälber, manche auch acht oder neun. Um von einer besonders leistungsstarken Kuh noch mehr Nachwuchs zu erhalten, setzen einige Züchter bereits den sogenannten Embryotransfer ein.

Bei dieser Zuchtmethode werden die Kuhembryonen im Alter von wenigen Tagen aus der Gebärmutter der Spenderkuh herausgespült und anschließend gleich in eine Empfängerkuh eingesetzt. Oder die Embryonen werden eingefroren und erst später eingepflanzt.

Bei der noch recht jungen Zeugungsmethode "gesextes Sperma" lässt sich das Geschlecht der Nachzucht schon im Vorfeld bestimmen. Dabei sind die Spermien so sortiert, dass überwiegend weibliche Kälber oder Ferkel, die für den Züchter von höherem Wert sind, gezüchtet werden.

SWR | Stand: 06.07.2020, 08:41

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