Hühner

Italiener-Haushahn von der Seite

Haustiere

Hühner

"Mancher gibt sich viele Müh’, mit dem lieben Federvieh…" heißt es in dem Gedicht "Max und Moritz" von Wilhelm Busch. Das Huhn ist schon seit Jahrtausenden ein Nutztier des Menschen. Seine Geschichte reicht von der wilden Existenz im Dschungel über die Anbetung durch den Menschen bis zur Zucht zum industriellen Hochleistungstier. Doch was der Mensch mit dem Tier auch anstellte: Sein Verhalten blieb bis heute ursprünglich.

Verwandtschaft aus dem Dschungel

Die Beziehung zwischen Mensch und Huhn begann etwa 3000 vor Christus irgendwo im südostasiatischen Dschungel. Hier existierte schon damals das wilde Bankivahuhn (Gallus gallus), das auch heute noch dort lebt. Neben drei anderen Wildhühnerarten gilt es als Urahn unserer heutigen 150 Hühnerrassen.

Nach der zoologischen Systematik zählt das Bankivahuhn zur Ordnung der Hühnervögel, zur Unterfamilie der Fasane und zur Gattung der Kammhühner. Es ähnelt der heutigen Italiener-Rasse, die wir oft als "Bilderbuch-Huhn" vor Augen haben.

Wie die wilden Hühner leben

Natürlicher Lebensraum des Wildhuhns ist der Waldrand, wo es tagsüber Deckung findet und nachts "aufbaumen" kann, also auf einem Baum Platz zum Übernachten findet. Bei Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang begibt es sich auf Futtersuche.

Wilde Bankivahühner legen zwei- bis dreimal im Jahr ein bis zwölf Eier.

Im Frühjahr kämpfen die Hähne um ihr Revier, indem sie drei bis fünf Hennen um sich scharen. Wenn die Brutzeit vorbei ist, leben Bankivahennen und -hähne in großen Gemeinschaften von bis zu 50 Tieren zusammen.

Im Gegensatz zu unseren Haushühnern wechseln die Hähne ihr buntes Prachtgefieder im Sommer gegen ein unscheinbareres Ruhekleid aus.

Ein Huhn sitzt auf einem Baum.

"Aufgebaumtes" Huhn

Das Huhn in Menschenhand

Die ersten Schritte zur Mensch-Huhn-Beziehung lassen sich in etwa so beschreiben: Zunächst waren die Eier aus dem Nest eines Wildhuhns eine willkommene Bereicherung des antiken Speisezettels. Das Fleisch wurde ebenfalls gekostet und für wohlschmeckend befunden.

Man fand Gefallen an dem schillernden Prachtgefieder der Hähne und wurde man Zeuge eines Revierkampfes, bewunderte man den Mut und die Kraft der Hähne. So zähmten die Menschen einige der zutraulicheren Wildhühner und kreuzten wilde Artgenossen mit gewünschten Eigenschaften ein.

Es begann eine lange Zuchttradition, die bis heute anhält und die die unterschiedlichsten Rassemerkmale hervorbringt. Damals wie heute waren begehrte Merkmale: Schönheit, Kampfeslust, guter Fleischansatz und hohe Legeleistung.

Drei braune Hühnereier.

Eine willkommene Bereicherung auf dem Speiseplan

Die Globalisierung des Huhns

Die domestizierten Hühner verbreiteten sich weiter von China über Ägypten bis nach Europa. Die Römer bescherten der Hühnerhaltung eine erste Blütezeit. Stand zunächst die Nutzung für Kult- und Bestattungsrituale im Vordergrund, schätzten die Römer bald mehr und mehr Fleisch und Eier der Tiere.

Aber auch sie verehrten weiterhin den Stolz und die Kampfeslust der Hähne und weihten sie ihrem Kriegsgott Mars. Auch im Mittelalter war die Hühnerhaltung weit verbreitet. In den Zeiten prächtiger Parks und Gärten des Barocks dienten Hühner als ungewöhnliche und möglichst exotische Zierde.

Von Lege-, Fleisch- und Zwiehühnern

Bis heute halten Menschen auf der ganzen Welt Hühner als Haus- und Nutztiere. Mehr als 150 Hühnerrassen gibt es, die sich nach ihrer Nutzung einteilen lassen: in Legerassen, Fleischrassen und Rassen, die sich für eine Doppelnutzung eignen, die sogenannten "Zwiehühner".

Zu den Fleischrassen gehören zum Beispiel die schweren Brahma oder die meist gesprenkelten Mechelner.

Als Vertreter der Legerassen gelten die mittelgroßen Italiener oder die silber- bis goldfarbenen Brakelhühner.

Der Bergische Schlotterkamm dagegen zählt zu den typischen Zwiehühnern – diese eignen sich gleichermaßen zum Eierlegen und als Fleischlieferanten. Beliebt sind außerdem Zwerghühner, die sich selbst in einem kleinen Garten halten lassen.

Legehennen schauen aus ihrem Käfig.

Rationalisierte Hühnerhaltung

Power-Mischlinge für die Industrie

Neben den 150 alten Hühnerrassen existieren die leistungsstarken Hybridtiere, die hauptsächlich in der industriellen Haltung eingesetzt werden. Extrem hohe Legeleistung und schneller Fleischansatz sind die Kriterien für die Industrie. Ihre Effektivität verdanken sie dem gezielten Selektieren und Kreuzen von Tieren. Es entstehen die sogenannten Hybridhühner.

Deren genetische Eigenschaften lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres vererben, ihre Nachkommen wären völlig unterschiedlich. Damit die geforderte Einheitlichkeit garantiert ist, müssen wirtschaftlich orientierte Betriebe immer neue Tiere bei den weltweit nur noch sehr wenigen Zuchtbetrieben zukaufen.

Ein knusprig gebratenes Huhn liegt auf einem Teller.

Hybridhühner bestechen durch hohen Fleischansatz

Autorin: Susanne Decker

Stand: 19.09.2018, 09:25

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