Die Glucke

Hühner

Hühner

Die Glucke

Von Susanne Decker/Claudia Heidenfelder

Alltag in deutschen Familien: "Mama, du Glucke" heißt es da schon mal, wenn sich die Mutter in den Augen der Kinder zu sehr um ihr Wohlergehen sorgt. Doch das abfällige Image, das hier mitschwingt, ist nicht gerechtfertigt. Denn ohne die Fürsorge der Glucke sähe es zumindest für die Hühnerbrut ganz schön düster aus.

Alles dreht sich um die Brut

Ein bis zweimal im Jahr wird eine Henne "brütig". Sie hat es sich in einer Nestmulde, vom Hahn für sie ausgesucht, gemütlich gemacht und sechs bis acht Eier gelegt. Ihre rollenden Glucklaute verraten: Wer jetzt versucht, sich dem Nest zu nähern, kann mit einer Pick-Attacke rechnen.

Während die Kolleginnen munter scharren, fressen, staub- und sonnenbaden, erlaubt sich die werdende Glucke nur zur Mittagszeit einen kurzen Spaziergang, ein wenig Körnerpicken und ein kurzes Bad im Sand.

Danach geht es wieder schnell zurück zu den Eiern, denn die müssen warm gehalten und von Zeit zu Zeit gewendet werden.

Dabei nimmt die Henne niemals den direkten Weg zurück zu ihrem Gelege. Mal ein paar Schritte am Nest vorbei, dann einen kurzen Umweg und wieder zurück. Kleine Verwirrungsstrategie für Feinde. Die müssen ja nicht gerade auf die Nase gebunden bekommen, wo es was zu holen gibt.

Ein Huhn mit Küken im Heu.

Nach der Brutzeit besteht ein enges Verhältnis

Endlich tut sich was

Nach zwei Wochen können die Küken im Ei die Glucklaute der Henne hören. Henne und Küken fangen schon jetzt an, sich kennenzulernen. Noch im Ei antworten die Küken mit Piepen.

Nach drei Wochen ist es soweit: Die Küken schlüpfen. Dabei sind sich die Küken einig, sie schlüpfen nur gemeinsam. Manche warten sogar auf einen Nachzügler und verschieben den eigenen Schlupf um bis zu zwei Stunden.

Dann ist es endlich soweit. Mit dem sogenannten Eizahn sägen und hämmern sich die Kleinen aus der engen Kalkbehausung.

Erschöpft und nass müssen sie sich erst einmal ein paar Stunden erholen, bis aus ihnen schließlich kleine flauschige Federbällchen geworden sind. Die wollen keine Zeit verlieren, ihre neue Umgebung zu erkunden und nach allem zu picken, was ihnen vor den Schnabel kommt.

Ein gerade geschlüpftes Küken wartet auf seine Geschwister.

Kleines flauschiges Federbällchen

Auch ein Fußball könnte Mama werden

Jetzt ist die Glucke in ihrem Element. Ihre Kleinen sind für eineinhalb Tage in der Prägungsphase. Wen sie jetzt sehen, der ist eindeutig "Mama".

Das kann sogar ein Fußball sein, wenn die Henne gerade nicht zugegen ist. Von der Mutter lernen sie jetzt alles, was in einem Hühnerleben von Bedeutung ist.

Aufopfernd "führt" die Glucke ihre Küken. Sie zeigt, welche Körner lecker sind und lockt mit typischen Glucklauten. Auch Scharren, Futter hacken und Schnabel wetzen stehen auf dem Stundenplan.

Wenn während einer Erkundungstour etwas nicht geheuer ist, flüchten sich die Küken unter die Federn der Henne.

Nach etwa acht Wochen beginnt der Ernst des Lebens für die Küken. Die Junghühner müssen sich ab jetzt ohne die Fürsorge der Glucke im Hühnerleben behaupten. Das heißt: selbstständig Futter suchen, sich gegen Feinde schützen und sich einen Rang in der Hühnerschar sichern.

Eine Henne mit ihren Küken bei einem Spaziergang durchs Gras.

Auf Erkundungstour

Stand: 03.05.2020, 16:00

Darstellung: