Rinderzucht

Hochleistungskühe 05:07 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Rinder

Rinderzucht

Von Malte Linde

Das Rind ist eines der ältesten Haustiere des Menschen. Wie lange Rinder schon systematisch gezüchtet werden, ist bis heute nicht genau bekannt. Doch archäologische Funde wie etwa Höhlenmalereien beweisen, dass bereits in der Steinzeit die Haltung von Rindern als Nutztiere betrieben wurde. Wobei es den Frühmenschen nicht um bestimmte Zuchtmerkmale ging, sondern lediglich um Erhalt und Mehrung des Viehbestands. Heute bevölkern mehr als eine Milliarde Rinder die Erde.

Leistung statt Vielfalt

Die meisten Rinderrassen der Frühzeit stammten aus dem asiatischen Raum. Im Laufe der Jahrtausende wurden zahlreiche unterschiedliche Rassen vom Menschen domestiziert.

Doch von der Vielfalt der frühen Rinderrassen ist heute wenig übrig geblieben: Durch die Konzentration der Züchter auf Tiere, die hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit für die Milch- und Fleischproduktion besonders ergiebig sind, ist die Vielfalt der Rinderrassen stark zurückgegangen.

Industrielle Rinderzuchtbetriebe bringen inzwischen fast ausschließlich Holstein-Friesian-Rinder hervor. Diese Rasse stammt von den Holstein-Rindern ab, die von deutschen Auswanderern im 18. Jahrhundert in die USA und nach Kanada gebracht wurden.

In außerordentlich effektiven und zielgerichteten Zuchtbetrieben wurden die Holstein-Rinder zu Milch- und Fleischproduzenten entwickelt, die kaum noch etwas mit ihren Vorfahren zu tun haben.

Auch das Leben der Kühe selbst hat sich in diesen Betrieben dramatisch gewandelt: Hochleistungsrinder sehen, wenn überhaupt, nur selten freie Weideflächen. Sie leben in der Regel in Hightech-Stallungen und werden nicht mehr mit Gras und Silage gefüttert, sondern mit speziellen Mischungen aus Kraftfutter, das aus Weizen, Mais und Soja besteht.

Auf einer Weide stehen schwarz-weiße Rinder.

Besonders ergiebig: Holstein-Friesian-Rinder

Bio-Rinder zum Kuscheln

In Deutschland versuchen vor allem ökologische Landwirtschaftsbetriebe seit einigen Jahren vermehrt, auch andere Rassen wieder anzusiedeln. Etwa Galloway-Rinder, die durch ihr langes, zotteliges Fell besonders auffallen. Die Rasse stammt aus Schottland und ist besonders widerstandsfähig.

Galloways werden in aller Regel nicht in Großzuchtbetrieben gehalten. Gerade in der Anfangszeit der Galloway-Zucht in Deutschland hatten es die Tiere besonders Freizeitbauern angetan, die die wuscheligen Rinder eher wegen ihres malerischen Aussehens denn als Wirtschaftsgut hielten.

Zu den besonders exotischen Rassen zählen die Wagyu-Rinder, die aus der Region um das japanische Kobe stammen. Das Fleisch dieser Tiere zählt zu den teuersten Fleisch-Spezialitäten der Welt. Für ein Kilogramm Wagyu-Fleisch werden mehrere Hundert Euro fällig. Die Kosten rühren aus der aufwändigen Zucht und den außerordentlich strengen Auflagen an die Wagyu-Züchter.

Exportiert werden Wagyu-Rinder nicht, weshalb in Deutschland nur das Fleisch von Nachzüchtungen erhältlich ist. Für ein Kilogramm "deutsches" Kobe-Fleisch muss man deshalb auch nicht ganz so viel ausgeben.

Galloway-Rinder auf matschigem Grund.

Galloway-Rinder sind widerstandsfähig

Aus Weizen wird Fleisch

Fleisch aus Großzuchtbetrieben ist bedeutend billiger, aber seine Erzeugung ist durchaus problematisch. Vor allem Umweltschutzverbände kritisieren die Rinderzucht vermehrt, denn für die Aufzucht von Rindern werden andere Nahrungsmittel verbraucht.

Um ein Kilogramm Fleisch zu erhalten, muss die zehnfache Menge an Weizen verfüttert werden. Rechnungen von Kritikern der Rinderzucht besagen, dass 40 Prozent der Weltgetreideernte und sogar 90 Prozent der Sojaernte an Masttiere verfüttert werden.

Anfangs belächelt wurden Studien, die der massiven Rinderpopulation eine Mitschuld am Klimawandel geben. Doch inzwischen haben diese Studien gezeigt, dass Rinder tatsächlich durch Aufstoßen und Blähungen große Mengen an Methangas freisetzen.

Methan ist als Klimakiller mindestens zehnmal gefährlicher als Kohlendioxid. Ein einziges Rind ist für das Klima nach solchen Berechnungen etwa genauso schädlich wie ein Kleinwagen.

Doch der weltweite Bedarf an Rindfleisch wächst beständig und verdoppelt sich etwa alle sieben Jahre. Die größten Fleischproduzenten der Welt sind die USA, gefolgt von Brasilien, China und Argentinien. Vor allem die argentinischen Rinder sind in aller Welt berühmt, denn die Tiere wachsen weitgehend unter natürlichen Bedingungen auf.

Die hohe Qualität des argentinischen Rindfleischs überzeugt in erster Linie die Südamerikaner selbst: Die Argentinier sind mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von fast 60 Kilogramm weltweit führend beim Verzehr von Rindfleisch. Zum Vergleich: Selbst im durchaus fleischfreundlichen Deutschland wurden im Jahr 2018 pro Jahr und Kopf nur etwa zehn Kilogramm verspeist.

Ein brasilianischer Cowboy fängt weiße Rinder in einer Herde mit dem Lasso.

Brasilien zählt zu den größten Fleischproduzenten der Erde

Tödlicher Rinderwahn

Für einen massiven Einbruch beim Absatz von Rindfleisch sorgte um die Jahrtausendwende die BSE-Krise. Die Krankheit "Bovine spongiforme Enzephalopathie" (BSE), die auch Rinderwahn genannt wurde, fiel zunächst in England auf. Hier waren Rinder mit Schlachtabfällen und Tiermehl gefüttert worden, das von kranken Schafen stammte.

BSE führt bei den Rindern zu tödlichen Schäden am Gehirn und ist verwandt mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, einer für den Menschen lebensbedrohenden Hirnkrankheit.

Wie groß die Gefährdung des Menschen durch BSE-verseuchtes Rindfleisch tatsächlich ist und durch welche Faktoren die Krankheit bei Rindern genau ausgelöst wird, ist bis heute wissenschaftlich ungeklärt.

Selbst Rinder aus ökologischer Haltung können sich mit BSE infizieren. Höchstwahrscheinlich kann jedoch eine spezielle Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit durch BSE-infiziertes Fleisch ausgelöst werden.

Heute gilt das BSE-Risiko im Vergleich zur Jahrtausendwende als bedeutend geringer. Vor allem durch strengere Auflagen soll eine Übertragung der Krankheit verhindert werden. Da der BSE-Erreger vor allem im Gehirn und im Rückenmark der Tiere konzentriert auftritt, darf Fleisch, das zum Verzehr bestimmt ist, nicht mit Hirn und Mark in Berührung kommen.

Kritiker befürchten, dass trotzdem immer wieder BSE-verseuchtes Rindfleisch in den Handel kommt, denn aussagekräftige Tests bei jungem Mastvieh sind praktisch unmöglich.

Braunweiß gescheckte Kuh mit Glocke auf einer Wildwiese in den Bergen.

Auch Kühe aus ökologischer Haltung können sich mit BSE infizieren

Stand: 30.07.2019, 10:13

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