Rinderprodukte

Vier Scheiben Rinderfilet

Rinder

Rinderprodukte

Von Malte Linde

Das Rind ist das wichtigste Haustier des Menschen. Es begleitet unsere Kulturgeschichte seit Tausenden von Jahren. In Indien gilt das Rind sogar als heiliges Tier und darf deshalb nicht geschlachtet werden – was nicht nur dem Rind nutzt: Auch für den Menschen gibt es im Gegenzug mehr Milch, Brennstoff und Arbeitsleistung. In vielen Ländern zieht das Rind noch heute den Pflug über die Felder. Die Produkte, die es dem Menschen direkt oder indirekt liefert, sind zahlreich – und keineswegs alle hängen am Fleisch.

Fleisch

Rinder sind weltweit die wichtigsten Fleischlieferanten. Mehrere hundert Millionen Tonnen Fleisch werden pro Jahr produziert – ein Viertel davon stammt von Rindern.

Rund zwölf Millionen Tonnen Rindfleisch wurden im Jahr 2017 allein in den USA produziert – doch den höchsten Rindfleischkonsum haben die Argentinier und Uruguayer. Pro Kopf und Jahr verschlingen die Südamerikaner fast 60 Kilogramm Fleisch – Steaks, praktisch ausschließlich von Tieren, die im eigenen Land gezüchtet worden sind.

Das teuerste Rindfleisch kommt aus Japan: Wagyu-Rinder aus der Region um Kobe kosten ein Vermögen – die Tiere werden täglich mehrfach massiert, mit klassischer Musik beschallt und bekommen nur bestes Gemüse zu fressen.

Das Fleisch ist besonders zart und von feinen Fettadern durchzogen, die das Aroma verstärken. Für ein einziges Steak müssen Feinschmecker mehr als hundert Euro bezahlen.

Mehr Masse machen Hackfleischklopse: Allein für Deutschland verarbeitet McDonalds etwa 40.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr.

Milch

Von den weltweit eine Milliarde Rindern sind die meisten Tiere Kühe, schließlich geben nur sie kostbare Milch. Und der Bedarf an Milch ist enorm: Mehr als 500 Millionen Tonnen liefern die Kühe pro Jahr, allein in der Europäischen Union flossen im Jahr 2017 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 155 Millionen Tonnen durch die Melkmaschinen – nur ein Bruchteil davon ist Biomilch.

Der Milchverbrauch wächst jährlich, vor allem deshalb, weil Milch beziehungsweise Milchpulver inzwischen Bestandteil von vielen Fertigprodukten ist und auch in neuen Märkten, etwa in China, stark nachgefragt wird.

Als Getränk ist Milch in Deutschland sehr beliebt, etwa 90 Kilogramm Frischmilcherzeugnisse nimmt jeder Einwohner des Landes pro Jahr zu sich. Allerdings ist der Nährwert der Milch umstritten. Kritiker warnen davor, dass vor allem industriell hergestellte Milch den menschlichen Organismus belastet, da der Körper sie schlechter verdauen kann.

Frische Milch wird in ein Glas gegossen.

Der Klassiker unter den Rinderprodukten

Haut

Heute eher ein Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie sind die Häute der Rinder, aus denen durch Gerbprozesse Leder hergestellt wird. Rindsleder ist besonders robust und wird deswegen vor allem für Möbelbezüge und Schuhe verwendet.

Feineres Leder liefern Kälber, die Qualität hängt allerdings auch stark von den Verarbeitungsformen ab. Da Rinderhäute schon seit mehreren tausend Jahren gegerbt werden, findet sich Rindsleder in fast allen Lebensbereichen wieder.

Eine Sonderform der Nutzung von Rinder- oder Kalbshäuten ist das Pergament, wobei Pergament, anders als Leder, nicht gegerbt wird. Pergament diente im Mittelalter vor allem als Schreibmaterial.

Aus dieser Nutzung resultiert die Redewendung, dass etwas "auf keine Kuhhaut gehe". Im Mittelalter stellten die Menschen sich vor, der Teufel notiere alle Sünden auf Pergament – und wer es zu böse trieb, dessen Untaten ließen sich eben nicht mal mehr auf einer ganzen Kuhhaut niederschreiben.

Nahaufnahme von Damenschuhen.

Wer Schuhe ansieht, hat nur selten das Rind vor Augen

Horn

Ähnlich wie Leder wird auch Horn heute oft durch andere Materialien ersetzt. Doch vor allem Brillen und Kämme aus Rinderhorn sind immer noch populär. Im Mittelalter war Horn als Rohstoff viel weiter verbreitet. Das Material ließ sich gut verarbeiten und vor allem Gefäße aus Horn waren gefragt.

Am häufigsten in Gebrauch war das einfache Trinkhorn, bei dem das Horn seine ursprüngliche Form behielt. Auch Pulverhörner waren im Wesentlichen ausgehöhlte Rinderhörner. Klein geschnitten kann Horn bis heute auf ganz andere Weise nützlich sein: Gartenfreunde nutzen Hornspäne gerne als Dünger.

Großaufnahme eines Hornlöffels.

Viele Gegenstände lassen sich aus Horn formen

Dung

Selbst der Mist von Rindern kann vielfältig verwendet werden. In manchen afrikanischen Ländern dient Kuhdung als Baustoff, der sich ähnlich wie Lehm verarbeiten lässt. Noch viel verbreiteter ist die Nutzung als Brennstoff.

Getrockneter Kuhdung hat hervorragende Brennwerte und ist leicht zu handhaben. Inzwischen wird auch in Deutschland getrockneter Kuhdung verkauft: als Heilmittel der indischen Medizin.

Kuhmist liefert nicht nur in ärmeren Ländern Energie: Auf vielen europäischen Bauernhöfen bewähren sich Biogasanlagen, die mit dem Dung von Rindern betrieben werden. Mit den Gasen aus dem vergärenden Mist werden Turbinen betrieben, die Energie in Form von Strom oder Wärme bereitstellen.

Dass dem Einsatz von Kuhdung keine Grenzen gesetzt sind, bewies ein Bauer aus Norddeutschland. Der hatte die Membran eines Basslautsprechers aus Kuhdung geformt – und war mit dem klanglichen Ergebnis mehr als zufrieden.

Eine Hand hält eine Energiesparlampe.

Aus Rindermist lässt sich Strom gewinnen

Stand: 30.07.2019, 09:39

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