Singvögel – Pfeifen, zwitschern, tirilieren

Grauammer sitzt auf einem Zweig und singt

Vögel

Singvögel – Pfeifen, zwitschern, tirilieren

Von Claudia Füßler

Sie versüßen uns den Morgen und geben uns abends ein Konzert: Singvögel gestalten die Geräuschkulisse der Natur maßgeblich mit. Doch der Gesang wird weniger, weil wir die Lebensräume der Vögel zerstören. 

Mancher Gesang ist Geschmackssache

Sie tschilpen und zwitschern, krächzen und pfeifen, tirilieren und flöten – Singvögel beherrschen das Einmaleins des Gesangs bis zur Perfektion. Rund 4000 Vogelarten weltweit können singen – wobei das, was dabei rauskommt, mitunter auch Geschmackssache ist. Der Kolkrabe zum Beispiel zählt ebenfalls zu den Singvögeln, er ist der größte, den wir in Deutschland zu Gesicht bekommen. Doch sein "Gesang" ist allenfalls ein scharfes Krächzen. 

Krächzender Kolkrabe sitzt auf einer Wiese

Krächzt gern, aber nicht schön: der Kolkrabe

Effektive Flugmuskulatur

Es sind zwei Eigenschaften, die Singvögel auszeichnen: Zum einen können sie eben singen, zum anderen besonders schnell und wendig fliegen. Beide Fähigkeiten haben sie ihrem einzigartigen Körperbau zu verdanken. Das Skelett eines Singvogels ist besonders leicht und gleichzeitig stabil. Er verfügt über sogenannte "pneumatische Knochen".

In ihnen befinden sich sogenannte Luftsäcke, quasi Verlängerungen der Lunge. Sie kühlen die Muskeln, machen die Knochen leichter und helfen beim Druckausgleich während des Fluges. Kein anderes Wirbeltier verfügt über eine derart effizient arbeitende Flugmuskulatur. Doch die Technik hat auch ihren Preis: Der Energiebedarf eines Singvogels ist im Flug etwa 15 Mal höher, als wenn der Vogel entspannt auf einem Ast hockt.

Im unteren Kehlkopf teilt sich die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien. Hier entsteht der Gesang, indem Membranen ins Schwingen versetzt werden.

Entwicklungsgeschichtlich haben alle Singvögel eine Heimat: Wissenschaftler gehen davon aus, dass die ersten Arten sich vor rund 33 Millionen Jahren in Australien entwickelt haben. Von dort aus breiteten sie sich über die Kontinente aus, immer neue Arten entstanden.      

Star sitzt auf einem Dach und breitet die Flügel aus

Perfekt ausgestattet für den schnellen Flug: ein junger Star

Waldarten sind kaum gefährdet

Von den 280 in Deutschland bekannten Brutvogelarten werden 114 Arten den Singvögeln zugeordnet.  Fünf von ihnen sind vom Aussterben bedroht, vier gelten als stark gefährdet und 13 als gefährdet. Das ist eine deutlich bessere Bilanz als für Brutvögel allgemein: Von ihnen sind 188 Arten vom Aussterben bedroht. "Es ist schwierig, eine allgemeine Aussage zur Lage von Singvögeln zu treffen, weil jede Art anders sensibel auf Umweltvariablen reagiert", sagt Marius Adrion, Referent für Umweltinformationen und Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

So sind Singvögel, die im Wald leben, derzeit noch kaum gefährdet, weil ihr Lebensraum nicht so stark bedroht wird. Von ihnen steht keine Art auf der Roten Liste. "Arten hingegen, die in Brachen mit schütterem Bewuchs leben, also auf Wiesen und Weiden, haben starke Probleme, seit diese Landschaftsräume immer exzessiver bewirtschaftet werden", sagt Adrion. Zu ihnen gehören zum Beispiel Braunkehlchen und Wiesenpieper.

 Braunkehlchen sitzt auf einer Wiesenpflanze

Findet kaum noch Platz zum Nisten: das Braunkehlchen

Feldlerche und Rauchschwalbe werden weniger

Es sind gar nicht unbedingt die Arten, die ganz oben auf der Roten Liste stehen, um die sich Tierschützer besonders Gedanken machen. „Einige wie die Zippammer sind immer gefährdet, da ist einfach der Bestand schon sehr lange sehr gering“, sagt Adrion. "Viel mehr Sorgen machen uns Arten, die noch nicht als vom Aussterben bedroht, aber schon als gefährdet eingestuft sind, und die vor Jahrzehnten noch als Allerweltsarten galten."

Bluthänfling, Feldlerche, Star, Rauchschwalbe und Mehlschwalbe kamen vor 100 Jahren noch überall in Deutschland vor. Vor allem in den vergangenen 40, 50 Jahren haben die Wissenschaftler hier einen massiven Schwund dokumentiert. Und sie kennen auch die Ursache: der Fußabdruck, den menschliche Zivilisation hinterlässt.

"Die Veränderungen in der Landwirtschaft und die Art und Weise, wie wir mit der Natur umgehen, hat massive Auswirkungen auf die Lebensräume der Singvögel", sagt Adrion. Welchen Anteil landwirtschaftliche Nutzungsänderungen daran tragen, kann man sehr stark bei den Arten sehen, die Brachlandschaften und offene Felder wegen ihren Sämereien schätzen.

Traktoren versprühen Pflanzenschutzmittel auf einem Rapsfeld

Gar nicht vogelfreundlich: die moderne Landwirtschaft mit Monokulturen

Regional einkaufen – den Vögeln zuliebe

Die Grauammer zum Beispiel könnte problemlos flächendeckend überall dort in Deutschland leben, wo Landwirtschaft betrieben wird. Mehr als 90 Prozent des Bestandes finden sich allerdings in den neuen Bundesländern. "Das liegt daran, dass der Vogel sich dort sehr lange während der landwirtschaftlichen Nutzung zu DDR-Zeiten halten konnte", sagt Adrion. Die Intensivierung der Landwirtschaft in den alten Bundesländern hat hingegen die Grauammer in die Flucht getrieben.

Um Vögeln – nicht nur Singvögeln – einen Lebensraum zu bieten und so Arten erhalten zu können, sollten Flächen möglichst ökologisch bewirtschaftet werden. "Viele Menschen denken, sie hätten darauf keinen Einfluss, doch das täuscht", sagt Adrion, "wer weiter Vögel sehen möchte, sollte seine Meinung äußern und auch sein Verhalten im Lebensmittelkonsum anpassen."

Dazu gehört, regional und möglichst biologisch angebaute Produkte einzukaufen und eher auf Wochenmärkten die Bauern der Umgebung zu unterstützen statt von Großbetrieben zu kaufen.  

Feldlerche sitzt auf dem Ackerboden

Nahrungssuche auf dem Acker: eine Feldlerche

Stand: 17.09.2019, 14:31

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