Ist Deutschland auf einen Blackout vorbereitet?

Zwei Polizisten mit Warnwesten im Verkehrschaos.

Elektrizität

Ist Deutschland auf einen Blackout vorbereitet?

Kein Licht, kein Internet, kein Telefon – damit fängt es an. Doch schnell merken wir, wie abhängig wir in unserem Alltag vom Strom sind; so abhängig, dass sich ein flächendeckender Stromausfall in Deutschland über einen längeren Zeitraum verheerend auswirken würde – von wirtschaftlichen Verlusten bis hin zu einer Gefahr für Menschenleben.
Derzeit steigt die Anfälligkeit der bestehenden Stromnetze durch Probleme bei der Einspeisung erneuerbarer Energien, und auch terroristische Interessen an einem gezielten Blackout scheinen denkbar. Wie gut sind wir für den Ernstfall gewappnet, wenn Deutschland plötzlich ohne Strom ist?

Wie re(a)giert der Staat?

Wenige Stunden nach dem Blackout werden deutschlandweit in vielen Städten und Kommunen Krisenstäbe eingerichtet, um die Ursachen des Stromausfalls vor Ort zu beheben. Auch auf Bundesebene trifft ein solcher Kreis von Experten zusammen.

Das Bundesministerium des Innern, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die Bundesnetzagentur und das Technische Hilfswerk sind dabei Akteure von besonderer Bedeutung. Zusammen suchen sie nach Lösungen, um die Elektrizität schnellstmöglich zurück in die Haushalte zu bringen.

Gleichzeitig wird alles darangesetzt, die Sicherheit der Bevölkerung und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zu gewährleisten. Auch Krisenstäbe arbeiten mit Strom; ihre Notversorgung ermöglicht im Ernstfall eine Woche Dauerbetrieb.

Schlüsselrolle für Feuerwehr und Polizei

Feuerwehr und Polizei sind sich als wichtige Organisationen der öffentlichen Ordnung der Gefahr und Möglichkeit eines flächendeckenden Stromausfalls bewusst.

Wie bei jeder Katastrophe rechnen die Beamten auch bei einem Blackout zunächst mit der sogenannten Chaosphase, in der unzählige Notrufe in der Zentrale eingehen, die unter vollem Personalaufgebot abgearbeitet werden.

Notstromaggregate und Akkus des Netzbetreibers gewährleisten, dass in einem solchen Szenario überhaupt noch Notrufe möglich sind. So können die Auswirkungen des eigentlichen Stromausfalls kurzfristig abgepuffert werden.

Allerdings werden binnen kürzester Zeit viele Netze aufgrund der schlichten Menge an Telefonaten überlastet sein. Im zweiten Schritt nehmen Feuerwehr und Polizei die Einstufung der Gefahrenlage vor: Ein Stromausfall ist im Winter weit problematischer als im Sommer und ebenso in der Nacht als am Tag.

In Bundesländern, in denen zur internen Kommunikation bei Feuerwehr und Polizei der Analogfunk genutzt wird, können Fahrzeuge auf Patrouille zusätzlich Notrufe der Bürger vor Ort entgegennehmen und an die Zentrale weiterleiten. Die Einsatzkräfte sind auch auf einen mehrtägigen Stromausfall vorbereitet.

Bedürftige Bürger können durch direkte Versorgung unterstützt werden, aber auch mithilfe von mobilen Notstromaggregaten.

Während die Feuerwehr die Wasserentsorgung in der Kanalisation sicherstellt, bereitet sich die Polizei auf eine mögliche zunehmende Kriminalität in der Bevölkerung vor.

Viele Einrichtungen kommen schnell an ihre Grenzen

Zentrale Institutionen wie Krankenhäuser, Klärwerke oder Gefängnisse verfügen ebenfalls über Notstromaggregate, um den unmittelbaren Betrieb vorerst aufrechtzuerhalten.

Doch bevor auch diese nach circa zwei Tagen ihren Dieselvorrat aufgebraucht haben und somit keinen Strom mehr liefern, wird die Wasserversorgung zum Problem. Bereits nach wenigen Stunden müssen Patienten aufgrund von Hygieneproblemen verlegt werden – unklar bleibt allerdings, wohin.

Auch Gefängnisse mit elektrischen Schließsystemen und Klärwerke kommen bei einem mehrtägigen Blackout an ihre Grenzen.

Jeder kann sich auf den Notfall vorbereiten

Jeder von uns kann sich in gewissem Rahmen für die Folgen eines Blackouts wappnen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, Wasservorräte und Lebensmittel für 14 Tage einzulagern. Auch ein batteriebetriebenes Radio, eine Taschenlampe und Kerzen sollten in jedem Haushalt zu finden sein.

Bereits diese einfachen Vorbereitungen könnten im Falle des Falles auch die Unsicherheit in der Bevölkerung senken und die Einsatzkräfte von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei entlasten.

So genannte Prepper bereiten sich systematisch auf mögliche Katastrophenfälle wie einen Blackout vor. Die Prepper-Gemeinde erfreut sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit und gibt in Foren, auf Internetseiten und in sozialen Netzwerken ihre Tipps und Erfahrungen weiter. 

Alles eine Frage der Vorbereitung?

Auch wenn sich die meisten Institutionen der Gefahr eines mehrtägigen Blackouts in Deutschland bewusst sind – wie gut sie damit zurechtkommen, hängt von vielen Faktoren ab. Vor allem ist entscheidend, wie lange die Stromversorgung ausfällt.

Die Proben des Katastrophenmanagements für den Ernstfall beschränken sich auf einen verhältnismäßig kleinen Zeitraum mit einem vorgegebenen Szenario.

Auch wenn dies sehr genau durchdacht ist – ob und inwieweit dieses Szenario im Falle eines sehr lange andauernden Blackouts der Realität standhalten würde, zeigt erst der Ernstfall.

Autor: Jens-Steffen Scherer

Stand: 08.01.2018, 13:19

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