Handelsschifffahrt in Deutschland

Ein Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd im Hamburger Hafen

Handelsschifffahrt

Handelsschifffahrt in Deutschland

Von Jürgen Kleinschnitger

Die Deutschen sind eine Seefahrernation. Der Außenhandel wird hier zum Großteil über die See abgewickelt. Die Wirtschaft des Landes hängt unmittelbar von der Handelsschifffahrt ab. Ein Drittel der Containerschiffe weltweit gehört deutschen Reedern.

Die Drehscheiben des Welthandels

Die Häfen sind für den deutschen Handel die Dreh- und Angelpunkte. Die Schiffe haben einen entscheidenden Vorteil: Im Vergleich zu Flugzeugen, Zügen oder Lastwagen garantieren sie geringe Transportkosten. 2018 war ein gutes Jahr für den größten deutschen Seehafen.

Im Hamburger Hafen wurden in diesem Jahr mehr als 135 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen – davon wurden knapp die Hälfte exportiert. Die meisten Produkte haben Hersteller in Deutschland entwickelt und produziert, darunter Autos, Baumaschinen, hochwertige Armaturen und Chemikalien.

Das Bundesverkehrsministerium geht davon aus, dass der maritime Sektor weiter wächst. Der Güterumschlag an deutschen Seehäfen soll laut Seeverkehrsprognose bis 2025 auf 759 Millionen Tonnen im Jahr klettern. Im Vergleich zu 2007 wäre das mehr als eine Verdoppelung.

Die maritime Wirtschaft in Deutschland

Rund 400.000 Jobs in Deutschland hängen an der maritimen Wirtschaft, die meisten von der Seeschifffahrt und der maritimen Zulieferindustrie.

Der Bund rechnet damit, dass diese Bereiche künftig weiter wachsen. Anders als der Schiffbau: In diesem Bereich arbeiten zwar etwa 18.000 Menschen, doch in den vergangenen Jahren haben vor allem Werften aus Japan, Korea und China den hiesigen Schiffsbauern Konkurrenz gemacht.

Viele sprechen von einer Krise der deutschen Werften. 2008 ging etwa die Lindenau-Werft trotz voller Auftragsbücher in die Insolvenz. Die Banken trauten dem Kieler Unternehmen nicht zu, mit der internationalen Konkurrenz aus Fernost mithalten zu können. Die Kredite für den Bau neuer Schiffe wurden nicht bewilligt. Greenpeace bescheinigte Lindenau lange, neue Entwicklungen im Tankerbau umzusetzen und damit zu zeigen, dass sichere Tanker technisch möglich sind.

So war Lindenau eine der ersten Werften, die eine Doppelhülle in Tankern einbaute. Diese Doppelhüllen sollen verhindern, dass Chemikalien und Öl nach einer Havarie ungehindert ins Meer fließen. Doch der Kostendruck im Schiffsbau ist hoch: Die Werften aus Fernost bauen die Tanker zum Teil für die Hälfte des Preises, der in Deutschland üblich ist.

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Der maritime Sektor zählt 380.000 Arbeitsplätze in Deutschland

Deutsche Handelsschifffahrt in der Krise?

Eigentlich zählen alle nichtstaatlichen Schiffe zu den Handelsschiffen. Dazu gehören neben Containerschiffen und Tankern auch Fähren sowie Passagierschiffe. Doch diese spielen für den Handel nur eine Nebenrolle – für die Wirtschaft sind vor allem die großen Frachter- und Tankerflotten von Bedeutung.

Die deutschen Anleger haben Milliarden in Schiffsfonds investiert, vor allem in Containerschiffe. Dies verhalf der deutschen Handelsflotte an die Weltspitze. Die Anleger erhielten hohe Steuergeschenke und Zuschüsse vom deutschen Staat auf ihre Fonds. Doch damit ist schon länger Schluss. Die Banken drehen inzwischen mehr und mehr den Geldhahn ab. Die Schifffahrt fürchtet daher um ihre weltweite Topposition.

Viele Anleger sind unzufrieden mit den erzielten Renditen. Die Gewinne in der Schifffahrt sinken, da auch die Fracht- und Charterraten für die Reeder deutlich gesunken sind. Viele von ihnen fahren Verluste ein.

Zudem hatten einige Fondsanbieter ihre Anleger offenbar getäuscht, um an das Geld zu kommen. Nach einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sehen 80 Prozent der Firmen in der maritimen Wirtschaft die Attraktivität des Schifffahrtstandorts Deutschland in Gefahr.

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Stand: 30.09.2019, 15:03

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