Kapitäne – Alleinherrscher auf See

Ein Kapitän an Deck seines Schiffes

Handelsschifffahrt

Kapitäne – Alleinherrscher auf See

Von Sabine Kaufmann

William Bligh von der "HMS Bounty", Wolf Larson als Seewolf auf der "Ghost" im gleichnamigen Roman von Jack London oder Kapitän Ahab in Hermann Melvilles "Moby Dick" haben unsere Vorstellungen vom Kapitän als erbarmungslosem Menschenschinder geprägt. In dem Begriff "Master next God" "der Schiffer direkt nach Gott", – Kapitäne werden in der englischen Handelsmarine Master, die Offiziere Mate genannt – sollte sich die unumschränkte Machtposition des Kapitäns an Bord eines Schiffes ausdrücken.

Der Chef an Bord

Doch wie klischeehaft ist dieses Bild vom Kapitän, der seine Mannschaft drangsaliert und mit drakonischen Strafen überzieht?

Neuere Forschungen, besonders des Kieler Historikers Jann Markus Witt, haben gezeigt, dass die Stellung des Kapitäns bei weitem nicht so allumfassend und willkürlich war, wie es in Filmen und Romanen gezeigt wird. Auf See braucht es letztendlich eine Person, die für die Mannschaft und die Ladung verantwortlich ist.

An Bord müssen klare Regeln gelten, denn gerade in schwierigen Situationen geht es darum, dass alle Männer an einem Strang ziehen, um so Leib und Leben der Besatzung zu sichern und das Schiff heil aus stürmischer See zu manövrieren.

Ohne moderne Kommunikationsmittel und bei unklaren Vorgaben des Reeders entschied der Kapitän auch, was mit der Ladung am anderen Ende der Welt passierte. Wenn es zu Auseinandersetzungen zwischen Kapitän und Mannschaft kam, dann war dies meist auf verheerende Verhältnisse an Bord zurückzuführen.

Widerstand und Meuterei waren die Möglichkeiten, sich gegen schlechte Behandlung oder Missstände zur Wehr zu setzen. Auf See hatte der Kapitän dann das Recht, den regulären Arbeitsbetrieb an Bord und die Disziplin der Mannschaft wiederherzustellen, letztendlich auch mit Gewalt.

Die absolute Befehlsgewalt des Kapitäns hatte Grenzen

Jedoch konnte eine zu harte Bestrafung den Konflikt an Bord eskalieren lassen, was wiederum nicht im Interesse des Kapitäns gewesen sein kann. Das Versprechen der Mannschaft, sich in Zukunft moderat zu verhalten, müsste entsprechend die Nachsicht des Kapitäns zur Folge gehabt haben.

Auch hatte die Besatzung nach der Reise die Möglichkeit, die Streitsache vor einem Gericht an Land auszutragen. Die absolute Befehlsgewalt des Kapitäns stieß somit auf eindeutige Grenzen.

In seinen Lebensbeschreibungen zeichnet der Föhrer Kapitän Jens Jacob Eschels, der 1778 bereits mit 24 Jahren zum Kapitän aufgestiegen war, ein eindrucksvolles Bild vom Leben auf See. Was den Alltag der Matrosen gerade in tropischem und subtropischem Klima erschwerte, war Wassermangel, so dass ein Mann oftmals mit einer Flasche Wasser den ganzen Tag auskommen musste.

Als Jens Jacob Eschels selbst ein Schiff befehligte, war er stets darauf bedacht, genügend Wasservorräte an Bord mitzuführen. Dieses Beispiel zeigt, wie sehr das vorausschauende Verhalten des Kapitäns die Situation an Bord erleichtern konnte.

Stand: 30.09.2019, 14:20

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