Raumstationen

Raumstation MIR

Weltraumforschung

Raumstationen

Von Michael Hänel

In den 1970er Jahren entstanden erfolgreiche und teure Raumstationen, deren Namen heute fast vergessen sind, wie "Skylab" oder "Saljut". Nur die "Mir" wurde zur Legende. Doch eines verband sie alle: Am Ende ihrer Betriebszeit stürzten sie zur Erde zurück. Zuletzt die russische "Mir" im März 2001. Inzwischen betreiben mehrere Nationen gemeinsam die Internationale Raumstation (ISS).

Die Vision

Zuerst gab es sie nur in den Zeichnungen von Visionären wie Jules Verne, Edward Hale und Wernher von Braun. 1952 entwarf von Braun für das US-Magazin "Collier's" das Bild einer ständig besetzten Raumstation in der Form eines großen Rades, 1500 Kilometer über der Erde. Durch eine Drehbewegung der Station sollte die Arbeit an Bord in einer Art künstlicher Schwerkraft möglich sein.

Von dort aus sollten Raumschiffe zum Mars und zum Mond fliegen. Doch es kam anders. Erst flogen die Amerikaner 1969 bis 1972 mit Apollo-Raumschiffen zum Mond, und erst danach bekam die Idee einer Raumstation in einer Umlaufbahn um die Erde wieder eine Chance.

Forschung und Kampfstation

Um Raumstationen besetzen zu können, mussten bemannte Raumkapseln ("Sojuz" und "Apollo") daran sicher an- und abkoppeln können. Sowohl die ersten Flüge zur sowjetischen Raumstation Saljut-1 (1971) als auch zur US-Station Skylab (1973-1979) hatten mit solchen technischen Herausforderungen zu kämpfen. Der Flug von Sojuz-11 endete für die drei Kosmonauten am 30. Juni 1971 tödlich.

Während die Amerikaner den Plan einer militärischen Kampfstation ("Manned Orbiting Laboratory") bereits 1969 aufgegeben hatten, flogen russische Kosmonauten zwischen 1972 und 1977 fünfmal in militärischer Mission zu den Saljut-Stationen 2 bis 5.

Diese Stationen hatten keinen eigenen Antrieb. Durch die Reibung an der im Orbit noch vorhandenen dünnen Erdatmosphäre wurden sie angebremst, sanken immer tiefer und stürzten schließlich ab.

Die Weltraumstation Saljut in der Montagehalle

Die erste Raumstation Saljut 1 wurde 1971 ins All geschossen

Raumstation Mir

Besonders mit den Saljut-Stationen 6 (1977-1982) und 7 (1982-1991) sammelte die sowjetische Raumfahrt entscheidende Erfahrungen für den Bau von wieder auftankbaren Raumstationen in Modulbauweise. Am 20. Februar 1986 brachte eine Proton-Rakete den ersten Block der Raumstation "Mir" ins All.

Mit ihren Bordcomputern, Lageregelungseinrichtungen sowie mehreren Kopplungsstutzen und Forschungslaboren stellte die Mir eine neue Generation in der Entwicklung von Raumstationen dar. Bis 1990 bestand die Station aus vier, ab Mitte der 1990er Jahre aus sechs Modulen von jeweils der Größe eines Busses. Damit war sie das größte Raumschiff ihrer Zeit.

1995 bis 1998 dockten amerikanische Space Shuttles neunmal an die Station an. Am 16. Juni 2000 kehrten die Kosmonauten Saljotin und Kaerij als Letzte von der Mir zur Erde zurück. Danach wurde der Betrieb der Station aufgegeben und die Mir in einer spektakulären Absturzmission am 21. März 2001 kontrolliert zerstört.

Die russische Raumstation Mir verglüht beim Eintreten in die Erdatmosphäre

Die "Mir" verglüht beim Eintritt in die Erdatmosphäre

Die Internationale Raumstation (ISS)

Es ist eines der großen Projekte der Menschheit – der wissenschaftliche Außenposten im All. 16 Länder sind am Bau der Internationalen Raumstation ISS beteiligt und mit einem Gewicht von 400 Tonnen ist sie sogar gewaltiger als das einst von Wernher von Braun erdachte Himmelsrad.

Am 20. November 1998 brachte eine russische Sojuz-Rakete das Zentralmodul "Zarja" in die vorgesehene Umlaufbahn in 400 Kilometer Höhe. Am 30. Oktober 2000 startete mit der "Crew One" (Shepherd, Gidzenko, Krikalev) die ständige Besatzung der ISS.

Der Zeitplan war zunächst recht straff: Bis 2004 sollten die meisten Teile in die Station integriert sein, einschließlich der europäischen und japanischen Forschungsmodule. Doch der Absturz des amerikanischen Space Shuttles "Columbia" am 1. Februar 2003 stoppte den Ausbau für lange Zeit.

Im Sommer 2006 wurde der Transport von Bauteilen zur ISS wieder aufgenommen. USA, Russland, die Europäische Weltraumagentur und Japan verfügen über eigene Labore auf der ISS. 2009 wurde die Stammbesatzung von drei auf sechs Personen aufgestockt.

Das ISS-Projekt könnte ein Zwischenschritt sein auf dem Weg zur Verwirklichung weiterer Visionen, wie etwa dem bemannten Flug zum Mars oder dem Bau einer Forschungsstation auf dem Mond.

Eine Aufnahme der ISS auf ihrer Umlaufbahn um die Erde

Die ISS mit dem angedockten Wissenschaftslabor Columbus

Stand: 16.09.2019, 10:52

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