Filzen

Ein Mädchen filzt an einem Tisch mit bunter Wolle

Wolle

Filzen

Von Christiane Gorse

Tolle Wolle? Nach dem Waschen in der Waschmaschine ist man da manchmal anderer Meinung. Der Lieblingspulli, steif und auf Puppengröße geschrumpft, taugt nur noch für den Mülleimer. Doch die alte Technik des Filzens erlebt seit einigen Jahren eine neue Blüte.

Warum Wolle verfilzt

Wohndekoration, Schmuck, Taschen und Kleidung: Filz wurde in den vergangenen Jahren von Design- und Modekünstlern wiederentdeckt. Denn beim Filzen ist Wolle verschieden formbar und in etlichen Farben zu haben.

Das Wollhaar hat Schuppen und Widerhaken. Durch Wärme und Feuchtigkeit klappen diese Schuppen auf und werden durch Bewegung miteinander verzahnt. Beschleunigt wird der Filzprozess durch Seife: In warmer Seifenlauge quellen die Fasern noch mehr auf als bei gewöhnlichem Wasser und die Wollfasern verhaken sich noch stärker ineinander.

Je nachdem wie stark die Wolle danach bearbeitet wird, kann sie um ein Drittel oder sogar um die Hälfte schrumpfen. Dadurch werden so bearbeitete Stoffe sehr dicht und halten auch bei kaltem Wetter schön warm. Umkehrbar ist dieser Prozess nicht: einmal Filz, immer Filz.

Eine uralte Technik

Das Filzen gehört vermutlich zu den ältesten Techniken der Textilverarbeitung. Leider verrottet Wolle so schnell, dass es kaum archäologische Funde gibt. Den ältesten Fund in Sibirien datieren Wissenschaftler auf 600 bis 200 vor Christus. Anthropologen gehen aber davon aus, dass Hirten schon vor mehr als 8.000 Jahren diese Technik entwickelt haben.

Hirtenmäntel und Hüte boten die guten Eigenschaften, die auch für die Schafe seit Jahrtausenden von Vorteil sind: Wolle ist wärmeausgleichend, also im Sommer kühlend und im Winter wärmend. Und sie nimmt Feuchtigkeit zwar auf, leitet sie aber nicht nach innen weiter – der Hirte bleibt also trocken.

Schäfer mit gefilztem Mantel, Stock und Hund vor seiner Herde.

Hirtenmäntel halten trocken und warm

Filz beim Hausbau

Die ältesten Überlieferungen des Filzens stammen aus Asien. Dort ist heute Filz auch noch in den traditionellen Jurten der mongolischen Nomaden zu finden. Große Filzflächen werden über ein Scherengitter und eine Dachkonstruktion aus Stangen gezurrt. Die Wolle für den Filz stammt von den Schafherden oder den Kamelen der Mongolen.

Seit dem Niedergang der Wollproduktion in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts wird Wolle zunehmend auch als Dämmmaterial in Häusern verwendet. Der Filz kann passgenau zugeschnitten werden, dämmt hervorragend und brennt nicht. Wenn Wolle vor Feuchtigkeit geschützt ist, ist sie auch lange haltbar. Ein nachwachsender Rohstoff und ökologischer Dämmstoff.

Blick auf die runde Jurte auf freiem Feld. Um das Zelt herum steht eine kleine Herde weißer Ziegen.

Auch mongolische Jurten bestehen aus Filz

Hervorragende Eigenschaften

Doch der Filz hat noch weitere gute Eigenschaften. Wie das Aachener "Wollforschungsinstitut" herausgefunden hat, bindet Wolle Schadstoffe, die mit Eiweiß reagieren, zum Beispiel Formaldehyd. Im Labor konnte nachgewiesen werden, dass Filz aus der Luft Mengen an Formaldehyd herausfiltert, die für den Menschen tödlich wären. In schadstoffarmer Umgebung gibt Wolle aber nur einen Bruchteil des Giftes wieder ab.

So konnten erfolgreich Kindergärten und andere sensible Räume wieder nutzbar gemacht werden. Auch im Auto, das im Innenbereich voll von synthetischen Stoffen ist, ist es zu empfehlen, ab und zu ein Kissen aus ungefärbter Wolle in die Sonne zu legen.

Filzrosen

Altes Handwerk neu belebt

Weiterführende Infos

Stand: 13.02.2020, 15:30

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