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Diabetes

Mit ungefähr sieben Millionen Patienten in Deutschland ist Diabetes mellitus zur Volkskrankheit geworden. Da sich die Zuckerkrankheit langsam anschleicht und die Symptome zunächst nicht bemerkt oder ignoriert werden, gibt es eine große Dunkelziffer. Experten schätzen, dass es in Deutschland drei Millionen nicht behandelte Diabetiker gibt. Diabetes ist vor allem eine Wohlstandskrankheit; viele Deutsche bewegen sich zu wenig und ernähren sich schlecht.

Eine Hand greift ein Gummibärchen. Im Hintergrund kann man weitere Gummibärchen erkennen. (Rechte: dpa/Norbert Försterling)

Schlechte Ernährung begünstigt Diabetes

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Was bedeutet "zuckerkrank"?

Unser Körper braucht Traubenzucker (Glukose) als wichtigen Energielieferanten. Er wird über die Nahrung aufgenommen und auch vom Körper selbst produziert. Über das Blut gelangt er in alle Organe und Muskeln. Die meisten Zellen im Körpergewebe sind jedoch undurchlässig für den Energielieferanten. Damit der Zucker in die Zellen eindringen kann, benötigt er einen ganz speziellen Schlüssel: das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Es steigert die Durchlässigkeit der Zellmembranen. Bei einem Diabetiker liegt ein absoluter oder relativer Mangel an Insulin vor. Das bedeutet, dass der Körper entweder kein Insulin produziert oder dass die Zellen nicht mehr auf das Hormon reagieren. In beiden Fällen kann kein Zucker mehr in die Zellen gelangen und der Blutzuckerspiegel steigt. Der Diabetiker hat also zwei Probleme: Seine Zellen erhalten zu wenig Nährstoffe, und die im Blut erhöhte Glukose richtet auf die Dauer große Schäden an Gefäßen und Nerven an. Wie der Diabetiker medizinisch behandelt werden muss, hängt von der Form seines Diabetes ab.

Zeichnung der Bauchspeicheldrüse. (Rechte: Mauritius)

In der Bauchspeicheldrüse wird Insulin produziert

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Typ-I-Diabetes oder "Jugendlichen-Diabetes"

Diese Form der Zuckerkrankheit kann schon im Kindes- und Jugendalter beginnen. Deshalb wurde er früher auch als "Jugendlichen-Diabetes" bezeichnet. Typ I beruht auf einem Mangel an Insulin: Die Bauchspeicheldrüse produziert entweder kein oder zu wenig Insulin. Das liegt daran, dass der Körper Abwehrstoffe gegen die Zellen bildet, die das Insulin produzieren. Sie werden angegriffen und zerstört. Infolgedessen steigt der Blutzuckerspiegel an und der Körper muss als Energiequelle sein Fettgewebe aufzehren.

Als Ursache des Typ-I-Diabetes gilt heute das Zusammenwirken von erblicher Veranlagung, äußeren Faktoren (zum Beispiel bestimmte Virusinfektionen) und einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Warum sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Zellen richtet, ist nicht abschließend geklärt. Als wahrscheinlichste Ursache vermutet man eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass körpereigene Abwehrstoffe nicht nur eingedrungene Bakterien oder Viren unschädlich machen, sondern auch die eigenen Zellen angreifen und zerstören. Bei einem Typ-I-Diabetes müssen Patienten den körpereigenen Insulinmangel immer dadurch ausgleichen, dass sie Insulin als Medikament nehmen.

Typ-II-Diabetes oder "Altersdiabetes"

90 Prozent aller Diabetiker leiden am Typ-II-Diabetes. Er kommt meist bei älteren, übergewichtigen Menschen ab Mitte 40 zum Ausbruch und wird deshalb als "Altersdiabetes" bezeichnet. Aber auch zunehmend junge Menschen und Kinder entwickeln diese Form der Zuckerkrankheit. Beim Typ II handelt es sich um eine Art Zivilisationskrankheit der industrialisierten Länder. Er tritt häufig zusammen mit Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Bluthochdruck auf. Die Anlage ist zwar erblich, aber falsche Ernährungsgewohnheiten (zum Beispiel fettreiche Kost) und Bewegungsmangel sind oft die Auslöser.

Beim Typ-II-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse ausreichend Insulin, der Blutzuckerspiegel ist aber trotzdem hoch. Das liegt daran, dass die Körperzellen auf das Hormon Insulin nicht mehr reagieren und den Zucker somit nicht aufnehmen können. Die Bauchspeicheldrüse produziert mehr und mehr Insulin, ohne dass dessen Wirkung beim Zuckertransport in die Zellen zunimmt. Der Blutzuckerspiegel steigt. Mit der Zeit hört die Bauchspeicheldrüse auf, Insulin zu produzieren. Es kommt zu einem latenten, also verdeckten Insulinmangel. Behandelt wird diese Form des Diabetes mit Diät, Tabletten oder Insulinspritzen.

Eine Diabetikerin misst an einem Tropfen Blut mit einem Blutzuckermessgerät den Blutzuckerwert. (Rechte: dpa)

Tägliche Blutzuckeruntersuchung

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Wie erkennt man Diabetes?

Schon in der Antike war das Krankheitsbild Diabetes bekannt. Der Arzt Arataeus von Kapadozien beschrieb die Krankheit 150 nach Christus folgendermaßen: "Die Kranken hören niemals auf, Flüssigkeit abzugeben. Die Flut ist nicht zu stoppen, als ob eine Wasserleitung geöffnet worden wäre." Auch heute noch sind die Hinweise ein häufiges, verstärktes Wasserlassen und übermäßiger Durst, ebenso wie Mattheit und Konzentrationsschwächen. Der Typ II äußert sich außerdem durch wiederholte Harnwegsinfekte oder Juckreiz, Pilzerkrankungen und eitrige Infektionen der Haut. Bei Typ I kommt es anfänglich häufig zu starkem Gewichtsverlust und Übelkeit.

Richtungsweisend bei der Diagnosesicherung sind der erhöhte Blutzucker und die vermehrte Glukosekonzentration im Urin. Von letzterem hat die Krankheit auch ihren Namen - denn frei übersetzt bedeutet Diabetes mellitus "honigsüßer Durchfluss". Früher haben Ärzte eine Zuckerkrankheit diagnostiziert, indem sie den Urin ihrer Patienten schmeckten. Ist eine bestimmte Konzentration des Zuckers im Blut überschritten, gelangt der Zucker in den Harn und wird ausgeschieden. Heute wird das Vorliegen der Zuckerkrankheit durch eine Blutuntersuchung ermittelt. Wenn die Konzentration des Blutzuckers bestimmte Werte übersteigt, wird die Zuckerkrankheit diagnostiziert. Die Grenze ist davon abhängig, ob die Blutentnahme auf nüchternen Magen erfolgte oder nach einer Mahlzeit. Denn nach dem Essen steigt der Blutzuckerspiegel vorübergehend an. Sind die Werte nicht eindeutig, kann ein Glukosetest im Urin weiteren Aufschluss geben.

Folgeschäden der Zuckerkrankheit

Der hohe Blutzuckerspiegel bei Diabetikern schädigt auf Dauer die arteriellen Gefäße und Nerven des Körpers. Erkrankungen aller Organe sind die Folge. Durch die Zuckerkrankheit werden die bakteriellen Ablagerungen (Plaques) an den Gefäßwänden gefördert und so eine "Arterienverkalkung" beschleunigt. Die Gefäßöffnungen werden immer weiter verengt. Es drohen Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen und Erblindung. Doch durch eine gute Kontrolle des Blutzuckerspiegels können Folgeschäden weitgehend vermieden und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessert werden.

Gönke Harms, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Volkskrankheit Diabetes - Süßes Gift im Blut, 05.12.2008

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Collage aus Bildmotiven zum Thema Krankheiten (Rechte: WDR)

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