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Geschichte der Erziehung

Bereits die alten Ägypter beschäftigten sich mit Erziehungsfragen, was historische Tontafeln beweisen. Und auch der griechische Philosoph Sokrates dachte über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen nach. So musste er feststellen: Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer!

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Antike

Aufgabe von Erziehung ist es, gesellschaftliche Werte, Traditionen und Einstellungen an die nächste Generation weiterzugeben. Kinder und Jugendliche sollen körperlich, seelisch, geistig und charakterlich geformt werden. Das war schon in der Antike so. Damals begann das für das Abendland bedeutsame Denken über Erziehung. Als Grundlage für Erziehung galten Bildung und der Zugang zu Wissen. Denn lange Zeit blieben Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen den herrschenden Schichten von Adel und Klerus vorbehalten. Griechische Philosophen wie Sokrates, Platon und Aristoteles forderten darum eine umfassende Bildung für alle „freie Bürger“ und legten so den Grundstein für eine öffentliche Erziehung. Die Ideale der Griechen beeinflussten auch die Erziehung im antiken Rom entscheidend.

Mit der Ausbreitung des Christentums wurde Erziehung zu einer Sache der Kirche. Ihr ging es dabei vor allem um die Erziehung zum christlichen Glauben, der in Dom- und Klosterschulen vermittelt wurde.

Klosterschule: Lehrer und Schüler beim Unterricht, Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert. (Rechte: AKG)

Klöster waren Zentren der Bildung

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Mittelalter und Renaissance

Erziehung wurde seit der Ausbreitung des Christentums zu einer Sache der Kirche. Dom- und Klosterschulen lehrten neben den “freien Künsten“ den christlichen Glauben. In den Genuss dieser Bildung kamen hauptsächlich die Mitglieder des Klerus. Im Mittelalter verstärkte die Kirche ihre Bildungsaktivitäten und schuf ab dem 12. Jahrhundert wissenschaftliche Studienplätze an Universitäten. Bis heute bekannte Universitäten in Bologna, Paris und Oxford wurden gegründet.

Auch Klöster waren in dieser Zeit Zentren der Bildung und des Wissens. Allerdings blieb Bildung dem Adel und dem Klerus vorbehalten, die Ausbildung des Volkes war eine Sache der Zünfte. Das änderte sich erst in der Renaissance, als neben den kirchlichen Schulen so genannte "Bürgerschulen" entstanden, in denen für den Handel notwendige Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen vermittelt wurden. Für die breite Masse blieben nur die "Winkelschulen", die wenig Ansehen genossen, weil dort oft schlecht ausgebildete Lehrer und Kleriker unterrichteten.

Gemälde: Johannes Comenius (Rechte: Deutsche Comenius-Gesellschaft)

Johannes Comenius

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Aufklärung

Mitte des 17. Jahrhunderts änderten sich im Zuge der Aufklärung die Vorzeichen der Erziehung: Erfindungen und Entdeckungen in Naturwissenschaft und Technik führten dazu, dass der Mensch immer mehr auf seine eigenen Fähigkeiten setzte. So äußerte John Locke (1632-1704) den Gedanken, dass der Mensch bei seiner Geburt ein leeres Blatt sei, das erst durch seine Erziehung beschrieben werde.

Im Laufe des folgenden Jahrhunderts wurde erstmals Kindheit als ein eigener Lebensabschnitt betrachtet. Davor waren Kinder wie "kleine Erwachsene" behandelt worden. Ein besonderes Augenmerk auf die Erziehung von Kindern richtete Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827). Dem Schweizer Pädagogen kam es darauf an, die Fähigkeiten von Kindern ganzheitlich und harmonisch zu fördern.

Wilhelminisches Zeitalter

"Wer sein Kind liebt, der züchtigt es!" Nach diesem Motto erzog die patriarchalische Gesellschaft ihre Kinder: Zucht und Ordnung, Befehl und Gehorsam waren die Schlagworte, der Rohrstock ein gängiges Erziehungsinstrument. Gewünscht waren gottes- und obrigkeitsfürchtige Menschen, gut beschrieben in Heinrich Manns Roman "Der Untertan".

Rechtlich gesehen waren Frauen und Kinder – schon seit Jahrtausenden - Eigentum des Vaters. In der Praxis war Kindererziehung allerdings Frauensache: Sie zogen die Kinder "auf", denn wichtig war in erster Linie, dass sie überhaupt heranwuchsen. Erziehung selbst geschah oft mehr oder weniger unbewusst, durch Beobachten und Nachahmen. So übernahmen Kinder die Traditionen und Verhaltensweisen ihrer Eltern.

Reformpädagogik

Sie wollten den Geist der "alten Schule" und der reinen "Lernschule" überwinden. Die Pädagogen, die sich Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts gegen das autoritäre Denken der Schulen wehrten, riefen ein neue Form der Erziehung ins Leben: die Reformpädagogik. Berühmte Vertreter dieser Erziehungsrichtung waren der Schweizer Johann Heinrich Pestalozzi, die Italienerin Maria Montessori oder der Brite Alexander Sutherland Neill. Letzterer machte sich besonders durch die Gründung der Internatsschule "Summerhill" einen Namen, die im Porträt ausführlich beschrieben wird. Ziel aller Reformpädagogen war es, das Kind als Individuum zu achten und seine kreativen Kräfte zu wecken und zu fördern. Wichtige Punkte dieses Erziehungsstils waren die Selbsttätigkeit der Kinder, das freie Gespräch und Lernen durch Handeln.

Fahnenappell in einer Volksschule. Farbdruck nach Zeichnung von Ernst Kutzer aus der NS-Schulfibel (Rechte: AKG)

Bedingungsloser Gehorsam in der NS-Zeit

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Nationalsozialismus

Einen gewaltigen Rückschritt in Sachen Erziehung erfuhren die Deutschen während der NS-Zeit. Geprägt vom totalitären Anspruch auf alle Menschen herrschten auch an der Erziehungsfront diejenigen, die bedingungslosen Gehorsam forderten. Andersdenkende Lehrer und Erzieher wurden vom Schuldienst ausgeschlossen, Unterrichtsinhalte vorgegeben und dabei die nationalistisch-rassistische Propaganda verbreitet.

Erziehung in Ost und Westdeutschland

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg stellte sich den Alliierten die Frage, wie sie die überkommenen NS-Erziehungsideale rückgängig machen konnten. In den westlichen Zonen bemühten sich die Besatzer um eine demokratische Neugestaltung des Unterrichts. In der sowjetischen Zone sollte eine marxistisch-leninistische Erziehung die Deutschen zu besseren Bürgern machen. Bald jedoch herrschten in der DDR Indoktrination und autoritäres Denken vor.

In der BRD sorgte der "Sputnik-Schock" von 1957 - eine Reaktion auf den gelungenen Start des sowjetischen Satelliten Sputnik - für eine Reformierung des Bildungssystems. Die Ursachen des westlichen "Rückstands" gegenüber der Sowjetunion suchte man vor allem im Bildungssystem. Wenige Jahre später erlangte der Pädagoge Georg Picht Berühmtheit durch seine Artikelserie "Die deutsche Bildungskatastrophe": Das deutsche Erziehungssystem wurde danach ähnlich in Frage gestellt wie durch die PISA-Studie.

Antiautoritäre Kunsterziehung 1974 im Kunstmuseum Düsseldorf (Rechte: AKG)

Erziehung als Zeichen der Unsicherheit

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Antiautoritäre Erziehung

Besondere Aufmerksamkeit erlangte die antiautoritäre Erziehung der 60er Jahre in der BRD. Nach Jahren von Drill und Disziplin sorgte die Studentenbewegung der 60er damit für ein Kontrastprogramm: In freien Schulen und sogenannten "Kinderläden" sollten die Kinder bewusst zu Ungehorsam und Kritikfähigkeit erzogen werden. Auf die antiautoritäre Erziehung folgte die Antipädagogik der 70er Jahre. Sie forderte dazu auf, Kinder in ihrer Entwicklung sich selbst zu überlassen. Die Antipädagogik sah in der Erziehung ein Zeichen von Unsicherheit, eine Art Notwehr von Erwachsenen gegenüber Kindern und betrachtete Erziehung sogar als "Gehirnwäsche".

In einer Kindertagesstätte im brandenburgischen Cottbus kümmert sich ein Erzieher um Kinder die gerade Mittag essen (Rechte: dpa)

Eine gute Erziehung braucht Grenzen und Regeln

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Erziehung heute

Heute, im wiedervereinigten Deutschland, sprechen sich Pädagogen in der Mehrzahl für eine demokratische Erziehung aus. Dadurch sollen Kinder lernen frei zu denken, Entscheidungen selbst zu treffen und sich auf ein gleichberechtigtes Zusammenleben einzustellen. Lehrer und Erzieher sind sich heute allerdings weitgehend darüber einig, dass eine gute Erziehung Kindern auch Grenzen und Regeln mitgeben muss.

Zitate zum Thema "Erziehung"

Schon immer haben die Menschen über das Thema Kinder und Erziehung nachgedacht. Hier ein paar überlieferte Gedanken von prominenten Denkern und Pädagogen:

Ich vergleiche nie ein Kind mit einem anderen, sondern immer nur jedes Kind mit ihm selbst.
Johann Heinrich Pestalozzi, Schweizer Pädagoge (1746-1827)

Die Aufgabe der Umgebung ist nicht, das Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.
Maria Montessori, italienische Ärztin und Pädagogin, (1870-1952)

Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer!
Sokrates, griechischer Philosoph (469/470 v. Chr. -399 v. Chr.)

Es gibt kein problematisches Kind, es gibt nur problematische Eltern.
Alexander Sutherland Neill, britischer Pädagoge (1883-1973)

Die Aufgabe eines Kindes ist es, sein eigenes Leben zu leben.
Alexander Sutherland Neill, britischer Pädagoge (1883-1973)

Die Natur will, dass Kinder Kinder sind, bevor sie zum Erwachsenen werden.
Jean-Jacques Rousseau, französischer Dichter, Pädagoge und Komponist (1712-1778)

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.
Johann Wolfgang von Goethe, deutscher Dichter (1749-1832)

Die erste Hälfte unseres Lebens wird von den Eltern ruiniert, die zweite von den Kindern.
Clarence Seward Darrow, amerikanischer Jurist (1849-1936)

Claudia Heidenfelder, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Die Schule von morgen - Lernen in der Zukunft, 25.06.2008

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