Petra Kelly

Das Schwarzweiß-Foto zeigt eine Nahaufnahme von Petra Kelly. Sie hat kurze blonde Haare und trägt einen schwarzen Rollkragenpullover. Sie ist ungeschminkt und hat leichte Augenringe.

Entstehung der Grünen

Petra Kelly

Kaum ein Gesicht hat die Anfangsjahre der grünen Partei stärker geprägt, als das der Politikerin und Friedensaktivistin Petra Kelly. Ebenso idealistisch wie kompromisslos kämpfte die "Jeanne d'Arc des Atomzeitalters" bis zu ihrem Tod 1992 für ihre Vision einer besseren Welt. Und machte dabei, wenn nötig, auch vor der eigenen Partei nicht Halt.

Unter Frauen

Petra Kelly wurde als Petra Karin Lehmann im bayerischen Günzburg geboren.

Ikone der deutschen Friedensbewegung

Am 29. November 1947 wird Petra Kelly als Petra Karin Lehmann im bayerischen Günzburg geboren. Ihr Vater verlässt die Familie früh. Das kleine Mädchen wächst in einem Frauenhaushalt auf. Besonders die Oma Kunigunde Birle, die Petra Kelly später als "grüne Omi" auf mancher Demonstration und Blockade begleiten wird, prägt in dieser Zeit die persönliche Entwicklung ihrer Enkelin.

Ihre Stärke und Unabhängigkeit, aber auch ihr Mut zum Ungehorsam gegen eine von Männern weitgehend beherrschte Gesellschaft machen sie schnell zum Vorbild für das zierliche und oft kränkelnde Kind.

Petra lernt, ihre eigenen Ziele zu verfolgen, auch wenn das für sie Konfrontation bedeuten kann. Bereits während der Schulzeit im katholischen Mädchengymnasium "Institut der Englischen Fräulein" fällt Petra Kelly durch ihren Fleiß und Lernwillen auf. Noch will sie Nonne werden, wenn sie groß ist. Eine "weltliche Nonne in der Dritten Welt" will sie sein.

Zwischen den Welten

1958 heiratet ihre Mutter Marianne den in Deutschland stationierten, amerikanischen Captain John E. Kelly. Als der neue Vater ein Jahr später nach Hampton, Virginia versetzt wird, begleitet ihn die Familie in die USA. Es wird nicht Petras letzter Umzug sein. Ihre Schwester Grace Patricia ist damals schon geboren, 1960 erblickt Bruder John Lee Kelly das Licht der Welt.

In der neuen Heimat angekommen ist zunächst alles fremd. Petra spricht kein Englisch, macht erste Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung. "Man konnte sich nur anpassen oder sich durch soziales Engagement dagegen auflehnen", sagt sie 1988 in einem Interview mit der amerikanischen Zeitschrift "One of the Issues". Petra wählt die zweite Möglichkeit. Ihr Interesse an Politik ist geweckt.

Nach ihrer Schulzeit beginnt sie in Washington Politikwissenschaft zu studieren. Ihr Fleiß und Engagement sind auch hier auffällig. Sie unterstützt den Wahlkampf der demokratischen Präsidentschaftskandidaten Hubert Humphrey und Robert Kennedy und knüpft Kontakte zu verschiedenen Frauen- und Menschenrechtsgruppen. 1967 wählt man die 20-Jährige zur "Besten ausländischen Studentin des Jahres".

Es folgt eine Karriere fast wie im Bilderbuch: Nach dem Abschluss ihres Studiums mit besonderer Auszeichnung kehrt Petra Kelly den USA den Rücken. Sie geht nach Amsterdam, absolviert dort ebenfalls ein Studium der Politischen Wissenschaft und Europäischen Integration und beginnt ein Praktikum bei der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel. Bereits 1972, mit erst 25 Jahren, wird sie dort Verwaltungsrätin der Europäischen Kommission.

Der Tod der Schwester

Petra Kelly im Gespräch mit Zukunftsforscher Robert Jungk. Sie trägt eine große Sonnenbrille und ein weißes T-Shirt mit einem 'Grünen'-Logo. Jungk trägt einen karierten Hut und ein grau-weiß-gestreiftes Hemd. Im Hintergrund sieht man Demonstranten gegen das geplante Atomkraftwerk im französischen Cattenom.

Petra Kelly und Robert Jungk 1986 bei einer Demonstration

Bereits während ihres Aufenthalts in Washington erkrankt die kleine Schwester Grace an Krebs. Ihr dreijähriger, vergeblicher Kampf gegen die Krankheit wird für Petra Kelly das wohl einschneidendste Erlebnis ihres Lebens. Die beiden Schwestern verbindet ein inniges Verhältnis. Graces Tod 1970 wird Petra nie wirklich überwinden. Er wird zum Antrieb ihres ganzen politischen Einsatzes, aus ihm zieht sie ihre Energie.

Die Vermutung, dass die Militärzeit John E. Kellys in Japan etwas mit Graces Erkrankung zu tun haben könnte, macht sie Zeit ihres Lebens zu einer kompromisslosen Gegnerin jeglicher atomarer Nutzung. Sie beginnt, sich verstärkt mit Sicherheits- und Umweltfragen zu befassen, wird zur Galionsfigur der bundesdeutschen Friedensbewegung und zu einem der einflussreichsten Wegbereiter der neuen grünen Partei. Und sie gründet die "Grace-P.-Kelly-Vereinigung" zur Unterstützung krebskranker Kinder.

Politikerin aus Betroffenheit

"Wenn sie in ihrer politischen Arbeit einen Schwerpunkt setzte, dann den, dass es keinen gab", heißt es über die zierliche blonde Frau mit den oft dunklen Augenrändern. Ob Umweltschutz, Frauenrechte oder atomare Waffen, ob Tibet, Irland oder DDR – ihr Idealismus scheint grenzenlos, immer angetrieben durch die Erfahrung des eigenen Verlusts. Sich vom Leiden anderer abzugrenzen fällt ihr schwer. Noch in Bonn beantwortet sie jegliche an sie gerichtete Bittschreiben persönlich und versucht zu helfen. "Grüne Mutter Theresa" nennt man sie. Eine, die versucht die ganze Welt zu retten.

Dabei bleibt die bekennende Pazifistin, die Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Rosa Luxemburg zu ihren Vorbildern zählt, ihren Überzeugungen stets treu. Eine wahrhaftige Politik will Petra Kelly machen, "für die Menschen und ohne doppelten Boden". Sie verfolgt dieses Ziel verbissen und unermüdlich. "Ständig unter Strom", "eine Kerze, die an zwei Seiten abbrennt", sagen Parteigenossen über Petra Kelly.

Als sie zwei Jahre nach dem Einzug der Grünen in den Bundestag 1983 aufgefordert wird, ihren Platz als Sprecherin in der Fraktion gemäß dem grünen Rotationsprinzip zu räumen, widersetzt sich Kelly dem Parteibeschluss. Sie will den Einfluss, den ihr das Amt gewährt, nicht verlieren.

Die Schwarzweiß-Aufnahme zeigt Petra Kelly in einer weißen Bluse, wie sich lachend zum sitzenden Willy Brandt herunterbeugt. Brandt lächelt leicht.

Petra Kelly scherzt 1983 mit Willy Brandt

Bis 1990 bleibt sie Mitglied des Bundestags, erst als die Grünen ihren Fraktionsstatus verlieren, muss auch sie ihren Platz im Parlament endgültig räumen. Bis dahin hat sie politisch wie persönlich viel erreicht. Sie hat den Alternativen Nobelpreis bekommen (1982), ist in den USA zur "Frau des Jahres" gewählt worden (1983), hat Menschen wie den Dalai Lama, Erich Honecker und Michael Gorbatschow getroffen und, wenn nötig, herausgefordert.

Immer mehr distanziert sie sich auch vom stärker werdenden realpolitischen Kurs der eigenen Partei, kritisiert offen die dort herrschenden Grabenkämpfe und fordert eine Rückbesinnung der Grünen zu ihren Ursprüngen als "Anti-Parteien-Partei". Das ist für manch einen ihrer Parteigenossen anscheinend zu viel. Im April 1991 scheitert sie bei der Wahl zur Sprecherin des Bundesvorstandes der Grünen, obwohl oder gerade wegen ihrer großen politischen Prominenz.

Ihr mysteriöser Tod

Das Farbfoto zeigt Petra Kelly und ihren langjährigen Lebensgefährten Gert Bastian. Petra Kelly hat graue, kurze Haare und trägt ein schwarzes Kleid mit roten und weißen Rosen. Sie hat tiefe Augenringe und sieht sehr müde aus. Ihr Lächeln wirkt resigniert. Bastian trägt ein schwarzes Sakko, ein hellblaues Hemd und eine gemusterte Krawatte. Er hat eine Halbglatze und tiefe Falten um die Augen. Er lacht für den Fotografen.

Petra Kelly und Gert Bastian 1992

Petra Kelly ist enttäuscht von der eigenen Partei, ans Aufgeben aber denkt sie trotzdem nicht. Im Januar 1992 übernimmt sie die Moderation eines Umweltmagazins beim Fernsehsender Sat.1, versucht sich auf diesem Weg weiter Gehör zu verschaffen.

Sie sagt: "Es gibt Augenblicke, wo ich mehr oder weniger zusammenbreche, und Momente, in denen mein Verstand sagt: Stopp, aber mein Herz weitermacht. Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen grundsätzlich gut sein können und sich ändern werden, wenn sie alle wichtigen Informationen erhalten und in eine Lage versetzt werden, die es ihnen erlaubt, Widerstand zu leisten. Dies muss auf persönlicher Ebene beginnen und sich auf die politische Ebene erstrecken. Ich war außerdem immer davon überzeugt, dass man sich niemals von seinem Ziel ablenken lassen kann, das man wirklich erreichen will. Man muss immer weitergehen. Man muss seinen Weg zu Ende gehen."

Petra Kellys Weg endet plötzlich am 1. Oktober 1992. Sie stirbt laut Polizeibericht durch eine Kugel aus der Waffe des Mannes, der lange Jahre ihr Wegbegleiter im Politischen wie auch im Privaten gewesen ist: Gert Bastian, der "Friedensgeneral", der die Bundeswehr aus Protest gegen den geplanten NATO-Doppelbeschluss verlassen, sich der Friedensbewegung angeschlossen und dort Petra Kelly kennengelernt hatte.

Nachdem er seine Lebensgefährtin erschossen hat, tötet sich Bastian selbst. Erst Wochen später werden die beiden Leichen gefunden. Die genauen Umstände ihres gemeinsamen Todes sind bis heute nicht abschließend geklärt.

Autorin: Rebecca Hofmann

Weiterführende Infos

Stand: 22.06.2016, 13:44

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