Käfer

Insekten und Spinnentiere

Käfer

Etwa jedes vierte Tier auf der Erde ist ein Käfer. Käfer besiedeln fast alle Lebensräume der Erde, und mit über 350.000 bisher entdeckten Arten sind sie die größte Tiergruppe überhaupt.

Einzigartige Vielfalt

Unterschiedliche Käfer auf einer weißen Unterlage.

Unterschiedliche Käfer auf einer weißen Unterlage.

Käfer gibt es eigentlich überall und das in Massen. Und dennoch schaffen es die meisten der voll gepanzerten Krabbler, ihr Leben im Verborgenen zu verbringen. Wir Menschen nehmen nur wenige Arten wahr - weil sie besonders auffällig sind, besonders nützlich oder manchmal auch ein Ärgernis. Aristoteles beschrieb ganze sechs Arten von den vielen Tausend, die allein in Europa heimisch sind. Auch heute ist nur sicher, dass längst nicht alle Arten entdeckt wurden - zur tatsächlichen Anzahl gibt es nur äußerst vage Schätzungen.

Die ältesten fossilen Käferfunde wurden auf ein Alter von 270 Millionen Jahren datiert. Im Lauf der Evolution spezialisierten sich die Käfer und brachten eine Artenvielfalt hervor, die einzigartig ist. Käfer leben im Wasser und an Land, sie besiedeln Wüsten und kalte Gegenden. Sie können fliegen, schwimmen, laufen, graben. Viele Arten haben besondere Strategien entwickelt, die ihnen das Überleben in ihrem speziellen Lebensraum sichern. Die meisten Käfer sind "Vegetarier", es gibt aber ebenso Arten, die räuberisch leben und sich von anderen Tieren, von Larven, von Aas oder Dung ernähren.

Rund und bunt

So vielfältig wie die Lebensräume ist auch die Erscheinungsform der Käfer: Der kleinste, ein Federflügler, bringt es auf gerade einmal 0,25 Millimeter Länge. Der größte, der südamerikanische Titanbock, kann eine Körperlänge von 17 Zentimetern erreichen und bis zu 100 Gramm wiegen. Es sind alle erdenklichen Formen und Farben vertreten - von Käfern, die Wespenoptik tragen über schrille Warnfarben, der Umgebung angepasste Tarnfarben, dezente Braun- und Schwarztöne bis zu schlohweißen Wüstenkäfern, die dank ihrer Farbe die Hitze besser ertragen.

Grundsätzlich folgt der Körperbau aller Käfer einem Schema: Kopf, Brust, Hinterleib. Die drei Beinpaare sitzen an der Brust. Von oben bedecken die Deckflügel den Körper, wobei nur das erste Segment der Brust sichtbar bleibt. So weit die Gemeinsamkeiten. Sowohl von ihrem Äußeren als auch von ihren Fähigkeiten unterscheiden sich die Käferarten beträchtlich. Auch wenn die meisten Käfer fliegen können, gibt es fluguntaugliche Arten. Es gibt unterirdisch lebende Arten, bei denen sich die Augen völlig zurückgebildet haben. Einige Arten haben Oberkiefer, die nicht mehr zur Nahrungsaufnahme taugen, dafür aber umso besser zum Kämpfen - beispielsweise beim Hirschkäfer.

Käfer gesucht - die Partnerwahl

Auch bei der Partnerwahl gibt es viele Strategien. Die wichtigste Rolle spielt der Geruchssinn: Die Männchen können mit ihren Fühlern Pheromone wahrnehmen, die die Weibchen aussenden. Die auffälligste Methode der Partnersuche praktizieren die Glühwürmchen, die via Leuchtsignal aus sich aufmerksam machen. Andere Käfer überlassen einfach alles dem Zufall und halten mit den Augen Ausschau nach einem flotten Käfer der eigenen Art.

Vom Ei zum Käfer

Ein roter Lilienkäfer legt seine rötlichen Eier in einer Reihe unter einem Blatt ab.

Lilienhähnchen (Lilioceris lilii) bei der Eiablage

Nach Paarung und Eiablage dauert es bei der Mehrzahl der Käferarten ein Jahr, bis eine neue Generation herangewachsen ist. Eine der Ausnahmen ist der Maikäfer - bei ihm dauert die Entwicklung vier Jahre. Aus den Eiern der Käfer schlüpfen Larven, die sich im Lauf ihrer Entwicklung mehrmals häuten. Sind sie ausgewachsen, verpuppen sie sich. Bei diesen meist "freien" Puppen (im Gegensatz zu den verdeckten) lassen sich bereits Fühler, Beine oder Flügel erkennen. Im Inneren der Puppe findet derweil eine große Veränderung statt: Die Larve verwandelt sich vollständig und wird zum Käfer "umgebaut“, der schließlich schlüpft.

Mensch und Käfer

Immer wieder gibt es Käfer, die auf Menschen eine besondere Faszination ausüben. Im alten Ägypten war dies der Pillendreher, besser bekannt als Skarabäus. Er galt als Sinnbild für die Entstehung des Lebens aus dem Nichts und war den Ägyptern heilig. Ihrem Glauben zufolge stieg jeden Morgen Chepre, der Gott der aufgehenden Sonne, am Horizont auf und schob die Sonne vor sich her. Tatsächlich entsteht in der Dungkugel, die der Pillendreher formt und vor sich her schiebt, neues Leben. Allerdings erst, nachdem das Käferweibchen darin seine Eier abgelegt hat.

Marienkäfer gelten bei uns als Glückskäfer, vermutlich, weil sie als natürliche Schädlingsvernichter in der Landwirtschaft nützlich sind. Benannt ist der rote Käfer mit den markanten schwarzen Punkten nach Maria, der Mutter Jesu. Verehrt wurde er jedoch schon viel früher: Eine rund 20.000 Jahre alte Schnitzerei aus Mammutelfenbein, die in der Dordogne gefunden wurde, lässt darauf schließen, dass der kleine Anhänger als Glücksbringer getragen wurde. Der Marienkäfer taucht bis heute in Gedichten, Kinderbüchern, auf Briefmarken oder in der Werbung auf. Eher negativ kommen die Käfer bei Franz Kafka weg, in dessen berühmter Erzählung "Die Verwandlung" sich die Hauptfigur über Nacht in einen hilflosen Käfer verwandelt.

Ein Skarabäus, auch Pillendreher genannt, der zur Gattung der Blatthornkäfer gehört, rollt seine Dungkugel mit dem Nachwuchs darin über Sand.

Der Skarabäus war den Ägyptern heilig

Immer wieder wurden und werden Käfer auch für medizinische Zwecke genutzt, beispielsweise wird der Stoff Cantharidin, der als Abwehrstoffen bei manchen Käfern eine Rolle spielt, für blasenziehende Pflaster verwendet. Am bekanntesten ist sicher die Verwendung der Spanischen Fliege als Potenzmittel. Und schließlich standen die kleinen Krabbler für eines der weltweit bekanntesten Autos Pate: den Käfer.

Der Käfer als Schädling

Zahlreiche Maiswurzelbohrer befallen eine junge Maispflanze.

Neuer Schädling: der Maiswurzelbohrer

Für Ärger sorgen Käfer dann, wenn sie sich massenhaft über menschliche Nahrungsmittel oder Häuser hermachen. Den Kampf Kartoffelkäfer gegen Mensch gewinnen nach wie vor die Kartoffelkäfer, werden sie nicht systematisch in Schach gehalten. Für Schlagzeilen sorgt seit einigen Jahren der Maiswurzelbohrer, ein nur fünf Millimeter großer Käfer, der mit dem Kartoffelkäfer verwandt ist. Seit Anfang der 1990er Jahre breitet er sich in Europa aus und vernichtet ganze Ernten. Seine Bekämpfung wiederum ist problematisch, weil einige Insektizide Bienen gefährlich werden. Oft sind die Probleme des Menschen hausgemacht, wenn beispielsweise fremde Arten eingeschleppt werden oder die Käfer aufgrund von Monokulturen allerbeste Lebensbedingungen vorfinden.

Von Käfern lernen

Manche Käferarten verfügen über Fähigkeiten, von denen die Menschen einiges lernen können. Ein weites Feld also für die Bioniker, die sich Fähigkeiten von Tieren und Pflanzen für neue Entwicklungen zum Vorbild nehmen. Erst seit wenigen Jahren beispielsweise werden in besonders trockenen Gebieten der Erde Nebelnetze aufgestellt, mit denen Kondenswasser aufgefangen und so Trinkwasser gewonnen wird. Der Nebeltrinker-Käfer in der afrikanischen Namibwüste hat eine ähnliche Methode schon längst zur Überlebensstrategie gemacht: Er stellt sich morgens auf, um den Morgentau abzufangen. Dieser fließt in Tröpfchen seinen Körper entlang und direkt in den Mund.

Die Fähigkeit des Bombardierkäfers, seine Feinde mit einer selbst produzierten Chemikalie gezielt anzusprühen und zu verätzen, ist in der Medizin von Nutzen. Der Verbreitungsmechanismus ist wichtig bei Medikamenten, die als Aerosole, also in Form von Sprays, verabreicht werden sollen. Die besondere Vorliebe des schwarzen Kiefernprachtkäfers für Waldbrände brachte Wissenschaftler der Universität Bonn auf die Idee, den Infrarotsinn des Käfers technisch nachzubauen und damit eine völlig neuartige Messmethode für Infrarot-Strahlung vorzustellen. Unübertroffen ist bisher die Fähigkeit der Leuchtkäfer, ein kaltes Licht mit einem extrem hohem Wirkungsgrad zu erzeugen. Zwar ist längst erforscht, wie die Glühwürmchen ihr Licht erzeugen. Doch auch die besten Leuchtmittel-Entwicklungen des Menschen kommen an den Wirkungsgrad der Glühwürmchen-Leuchten noch lange nicht heran.

Autor/in: Martina Frietsch

Stand: 24.08.2012, 13:00