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Der Rhein

Als einer der größten Ströme Europas streift der Rhein sechs Staaten und verbindet die Alpen und die Nordsee miteinander. Schon am Oberlauf machen ihn zahlreiche Quellflüsse zu einem reißenden Fluss und gipfeln bald darauf in einem grandiosen Naturschauspiel: dem "Rheinfall von Schaffhausen". Von seiner Wildheit fühlten sich die Romantiker fast magisch angezogen. Landschaftsingenieure wie Johannn Gottfried Tulla dagegen versuchten ihn zu bändigen. Eine Rheinreise ist wie eine Fahrt durch die Jahrhunderte, vorbei an Naturschönheiten und Industriekulissen.

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Till schwimmt im Rhein (3'01'')
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Der Rhein
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Ein Strom mit vielen Gesichtern

Zwischen Basel in der Schweiz und Kleve an der niederländischen Grenze erscheint der Rhein übersichtlich als breiter Strom. Doch seine Quelle und erst recht die Mündung zerfasern sich in ein verwirrendes Netz von Flüsschen und Kanälen. Da den Überblick zu behalten, ist alles andere als einfach. Auf seinen 1233 Kilometern Länge streift der Rhein sechs Staaten: die Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Frankreich und die Niederlande. Sein Einzugsgebiet umfasst etwa 252.000 Quadratkilometer. Größere Nebenflüsse sind der Main, der Neckar und die Mosel. Durch seine geografische Lage im Herzen Europas ist der Rhein eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Auf seinem Weg von den Alpen zur Nordsee ist der Strom in sechs große Abschnitte gegliedert: den Alpenrhein, Hochrhein, Oberrhein, Mittelrhein, Niederrhein und das verzweigte Rhein-Delta. Seine Entstehung verdankt der Rhein übrigens Afrika: Als der schwarze Kontinent vor etwa 100 Millionen Jahren auf die Eurasische Platte prallte, entstand durch den Druck ein Riss quer durch Europa - der Oberrheingraben. Er bestimmte den künftigen Verlauf des Flusses.

Eine Karte zeigt die sechs großen Abschnitte des Rheins. (Rechte: WDR)

Der Rhein gliedert sich in sechs große Abschnitte

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Die Alpen-Connection

Die Wiege des Rheins liegt in den Schweizer Alpen. Aus dem winzigen Tomasee unterhalb des Sankt Gotthard fließt ein Bach, der den Namen Vorderrhein trägt. Er ist der längste Quellfluss des Rheins, doch längst nicht der einzige: Beinahe ebenso groß ist der Hinterrhein, der etwas weiter östlich entspringt. Fast jedes Tal steuert noch seinen eigenen kleinen Rhein zum späteren Strom bei: Da gibt es den Medelser Rhein, Somvixer Rhein, Averser Rhein, Madriser Rhein oder Jufer Rhein. Bei Tamins in der Schweiz vereinigen sich Vorder- und Hinterrein zum Alpenrhein, der bereits ein recht stattlicher Fluss ist. Er mündet knapp 100 Kilometer weiter mit zwei Armen in den Bodensee - und schleppt dabei eine Menge Schotter aus den Alpen mit. In 10.000 bis 20.000 Jahren, so schätzen Experten, würde er den Bodensee zugeschüttet haben. Damit dies nicht geschieht, werden heute bereits mit riesigen Baggern die Mündungsgebiete ausgeräumt.

Von einer Aussichtsplattform direkt neben dem Wasserfall beobachten mehrere Touristen wie das Wasser des Rheins mit viel Schaum in die Tiefe stürzt (Rechte: dpa)

"Rheinfall von Schaffhausen"

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Dramatischer Absturz

Beim Austritt aus dem Bodensee heißt der Fluss dann Hochrhein und ist bereits bis zu 130 Meter breit. Bei Schaffhausen gibt er sich ganz dramatisch: Mit viel Schaum und Getöse stürzt sich der Strom als "Rheinfall von Schaffhausen" über mehrere Felsstufen 23 Meter in die Tiefe - der wasserreichste Wasserfall Europas. Schon Goethe war beeindruckt von diesem Naturschauspiel, bei dem während der Schneeschmelze bis zu einer Million Liter Wasser pro Sekunde von den Felsen donnert. Im weiteren Verlauf wird der ungestüme Bursche ruhiger: In großzügigen Bögen schlängelt er sich nach Basel.

Der gezähmte Oberrhein

Ab Basel ist der Rhein ein beeindruckender Strom. In früheren Zeiten wand er sich hier in gewaltigen Flussbögen (Mäander) durch eine weite Auenlandschaft, trat gern mal über die Ufer und war ziemlich unberechenbar. Doch dann kam Johann Gottfried Tulla: Der Oberingenieur im Dienst des Markgrafen von Baden begann 1817 mit einem gewaltigen Projekt zur Rhein-Regulierung. Er kappte dem Fluss alle Schlingen und zwang ihn in ein einheitliches Bett von maximal 250 Metern Breite. Als das Projekt 1879, lange nach Tullas Tod, abgeschlossen wurde, waren von der 354 Kilometer langen Teilstrecke nur noch 273 übriggeblieben. Zwar brachte diese Begradigung wesentliche Vorteile für den Schiffsverkehr. Doch die Natürlichkeit des Rheins, seine Auenlandschaft, war weitgehend zerstört.

Schiff fährt auf Fluss, im Hintergrund ein Hügel mit Burg und eine Ortschaft. (Rechte: dpa)

Im Mittelrheintal finden sich zahlreiche Burgen

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Romantik am Mittelrhein

Zwischen Bingen und Koblenz wird es eng: Der Mittelrhein zwängt sich durch eine enge Felslandschaft und zeigt sich von seiner romantischen Seite. Auf jedem Hügel eine Burg, dazwischen Rebhänge und lauschige Örtchen - die liebliche Kulisse begeisterte schon im 19. Jahrhundert englische Touristen. Im Juni 2002 erklärte die UNESCO das Obere Mittelrheintal zum Weltkulturerbe. Da diese Strecke eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen Deutschlands ist, wird die Idylle durch Straßen und Eisenbahnlinien empfindlich gestört. Kurz vor Köln nehmen auch die Industrieanlagen am Ufer zu und werden immer mehr bis zum Duisburger Hafen, dem größten Binnenhafen der Welt.

Ein Fluss, auf dem drei Schiffe fahren, im Vordergrund ein Acker, im Hintergrund eine riesige Fabriklandschaft mit mehreren Schloten. (Rechte: dpa)

Rheinische Industriekulisse

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Niederrhein und Delta

Als breiter Niederrhein legt der Fluss den letzten Teil seiner Reise zurück. Rechts und links eingedeicht fließt er nun träge durch eine weite Tiefebene. Kurz hinter der niederländischen Grenze beginnt bereits sein Delta: Ein verwirrendes Netz von Neben-, Mündungsarmen und Verbindungskanälen erstreckt sich bis in die Nordsee. An der Grenze ändert der Rhein auch seinen Namen: Der Hauptarm, der das meiste Wasser führt, heißt Waal. Er landet bei Rotterdam im Meer.

Christiane Kopka, Stand vom 18.09.2009
Sendung: Die Mosel - Römer, Reben, Reisegruppen, 18.09.2009

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Bildcollage zum Thema Flüsse (Rechte: SWR)

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