Wasser in der Sahara
Spuren in Sand und Fels
Und trotzdem stößt man auch in dieser unwirtlichen Gegend immer wieder auf Spuren einer ehemals üppigen Flora und Fauna. Forscher schließen aus der Lage unterschiedlicher Gesteinsschichten, dass sich in dieser Wüste im Laufe von mehreren Jahrmillionen mehrfach trockene und feuchte Phasen abwechselten. Prinzipiell verläuft die Klimageschichte der Sahara je nach Region sehr unterschiedlich. Doch Fakt ist: In den letzten Jahrtausenden hat es mehrere Feuchtphasen gegeben. Zum Beispiel in der Ténéré, einer extremen Teilwüste der Sahara. Heute findet man hier keinen Baum, keinen Strauch mehr, doch eben hier befand sich vor 30.000 Jahren ein riesiges Seengebiet. An vielen Stellen in der Sahara haben Forscher aus der ganzen Welt Knochenreste von großen Säugetieren wie Elefanten und Giraffen gefunden - ein wichtiger Hinweis darauf, dass es hier einmal ganz anders ausgesehen haben muss. Auch Felsmalereien, die zum Beispiel aus der sogenannten jungsteinzeitlichen Feuchtphase stammen, geben Zeugnis, dass hier einst fruchtbares Land war. Die Zeichnungen zeigen Krokodile oder Säugetiere wie zum Beispiel Nashörner, Elefanten oder Rinder - ein Beweis, dass hier früher einmal eine Feuchtsavanne war, fruchtbares Weideland, das es den Menschen erlaubte, von der Jagd zu leben.
Wasserreservoirs
Fakt ist: Es gibt auch heute durchaus Wasser in der Wüste. Die von den Gebirgen ausgehenden, oft über 1000 Kilometer langen Trockenflussbetten, sogenannte Wadis, füllen sich immer wieder durch periodische Regenfälle, außerdem liegt in der Nähe von Wadis der Grundwasserspiegel relativ dicht unter der Oberfläche - hier können dann einfache Brunnen ganze Oasenkulturen bewässern. Die Brunnen in der Sahara sind mitunter 300, 400 Jahre alt und für die hier lebenden Menschen von großer Bedeutung. Neue Brunnen werden nur selten gegraben, denn das zieht unter Umständen einige Probleme, wie zum Beispiel ein Absinken des Grundwasserspiegels, nach sich. Und es gibt eine weitere Wasserquelle: fossiles Grundwasser, das noch aus der Feuchtperiode stammt und in unterirdischen Schichten zurückblieb. Es kann bis zu 40.000 Jahre alt sein und ist über Brunnen oder sogenannte Foggaras für die Menschen und Tiere in der Sahara erreichbar.
Wasserwirtschaft in der Oase
Es gibt unterschiedliche Oasenformen in der Sahara: Das können zum Beispiel Brunnen-Oasen, Fluss-Oasen, Quell-Oasen oder sogenannte Foggara-Oasen sein. Die Foggara ist nichts anderes als eine unterirdische Wasserleitung, durch die Grundwasser angezapft und für die Oasenbewässerung nutzbar gemacht wird. Foggaras sind meist am Fuße von Gebirgen und am Rande von Kalkplateaus angelegt. Hier wird das Wasser durch unterirdische Stollen über viele Kilometer zur Oase geleitet. Wichtig sind bei diesem Foggara-System ein geringes Gefälle sowie Belüftungs- und Reinigungsschächte in regelmäßigen Abständen. Wasser ist das wichtigste und wertvollste Gut in der Wüste - und nirgendwo wird das so sichtbar wie in der Oase. Jeder Tropfen ist wertvoll und das Wasser ist so kostbar, dass es nur zu festgelegten Zeiten auf die einzelnen Parzellen verteilt wird. In den Oasen gibt es sogar so etwas wie einen "Wasserwächter", der genau darauf achtet, dass jeder so viel Wasser bekommt, wie ihm zusteht und niemand übers Ohr gehauen wird. Benötigt wird das Wasser in der Oase nicht nur für den persönlichen Gebrauch, sondern vor allem für den Obst- und Gemüseanbau. Damit auch hier möglichst effizient gewirtschaftet wird, erfolgt dieser in drei Stockwerken: Ganz unten wachsen auf kleinen Beeten Weizen, Gerste, Hirse, verschiedene Gemüsearten und Futterpflanzen. Zur mittleren Schicht gehören kleinere Bäume wie zum Beispiel Granatäpfel oder Feigen. Die obere Schicht besteht aus Dattelpalmen - sie spenden den anderen, kleineren Pflanzen Schatten und schützen sie so vor dem Austrocknen. Die Dattelfrucht ist die Nahrungsgrundlage der Oasenbewohner und ein wertvolles Exportgut.
Kerstin Zeter, Stand vom 26.10.2011
Sendung: Lebenskünstler in der Wüste - Von Nebelfängern und Wassersparern, 27.10.2011







