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Antisemitismus und Antijudaismus

Die Geschichte der antijüdischen Ressentiments ist mehr als 2000 Jahre alt. Griechen, Perser und andere haben Versuche unternommen, die jüdische Religion zu vernichten und deren Gläubige entweder zu bekehren oder zu töten. Den Versuch, das Judentum auszumerzen, haben auch die Römer gemacht. Das Ergebnis war ein bitterer Aufstand, der Jahre dauerte und viele Opfer forderte. Die Römer siegten und vertrieben die Juden. Das Judentum war damit zwar nicht zerstört, aber zerstreut. Der Antijudaismus gewann neue Formen.

Davidstern mit dem Wort 'Jude' in der Mitte. (Rechte: AKG)

Symbol des Antisemitismus: der Judenstern

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Christliche Hysterie braucht Sündenböcke

Die Muslime brachten den Juden, wie auch den Christen und anderen "Schriftvölkern" wenig mehr als Verachtung entgegen. Spezielle Formen der Demütigung von Juden sind kaum bekannt. Anders war die Lage in den christlichen Reichen. Die Feindschaft der Christen gegenüber den Juden und ihrer Religion nährte sich aus Furcht, Unwissen und falschen Verdächtigungen. Im Byzantinischen Reich galten sie als Feinde der Religion und wurden verfolgt, vertrieben und ermordet. Im Römischen Reich war die Situation komplizierter. Die Päpste aus Rom wollten die Juden schützen – nach der Lehre vom heiligen Augustinus. Er meinte, die Juden seien ein Beleg dafür, dass die Lehre der Kirche richtig ist. Daher müssten sie bewahrt werden, wenn auch im Zustand der Demütigung.

Farbige Grafik: An einem Tisch sitzt ein Mann, der Geldmünzen vor sich liegen hat. Vor dem Tisch steht ein weiterer Mann, der seine Hand fordernd aufhält. (Rechte: AKG)

Die jüdischen Geldverleiher wurden oft beneidet

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Während des Mittelalters verschärfte sich der Ton. Mönche und Wanderprediger hetzten offen gegen Juden, die Bevölkerung ließ sich manipulieren. Die Vorwürfe und Verdächtigungen den Juden gegenüber dienten sowohl zur Stärkung der eigenen Religion als auch, um Schuldige für scheinbar Unerklärliches - wie etwa die Pest - zu finden. Antijüdische Empfindungen wurden aber auch genutzt, um wirtschaftliche Vorteile daraus zu ziehen. Denn Juden durften ihr Einkommen oft nur mit Handel oder Geldgeschäften verdienen. Einen Juden zu ermorden, dem man Geld schuldete, brachte häufig auch einen nachhaltigen Schuldenabbau mit sich.

Das Gemälde zeigt den Reformator Martin Luther im Halbprofil. (Rechte: dpa)

Ein echter Judenhasser: Martin Luther

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Die Reinheit des Blutes: Judenverfolgung wird Christenpflicht

Einen dramatischen Wendepunkt in der Geschichte des Antijudaismus markierte das Gesetz der "Reinheit des Blutes" (limpieza de sangre) 1449 im spanischen Toledo. Das Gesetz entstand aus der Furcht heraus, die erfolgreichen, ins Christentum konvertierten Juden (Conversos), seien von Geburt an, also "im Blut" andersartig.

Die Schmähschriften des Reformators Martin Luther um 1540, in denen er die Juden als Volk der Lügner bezeichnete und "folgerichtig" deren Ausrottung forderte, hatten enormen Einfluss auf den späteren Antisemitismus. "Ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes, durchteufeltes Ding ist's um diese Juden, so diese 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück (...) sind." Darüber hinaus vertrat er die Auffassung, Juden seien ihrem Wesen nach Parasiten und Verschwörer. Er forderte, ihre Synagogen und Schulen, Häuser, Besitz und Schriften zu zerstören und fügte hinzu, "wenn ich könnte würde ich sie (...) in meinem Zorn mit dem Schwert durchbohren". Noch ein paar Jahre zuvor hatte er moniert, die Juden würden "unchristlich" behandelt.
Besonders grausam waren in den folgenden Jahrzehnten die anti-jüdischen Ausschreitungen der russisch-orthodoxen Bauern während ihres nationalen Aufstandes in der Ukraine um 1648/49.

Die "Wissenschaft" des Antisemitismus

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Antisemitismus "wissenschaftlich belegt". Erfinder des Begriffs "Antisemitismus" war William Marr in seiner Veröffentlichung "Der Weg zum Siege des Germanentums über das Judentum". Im Geist dieser Zeit der wissenschaftlichen Aufbrüche fanden auch Pseudowissenschaften ihren Weg in die öffentliche Diskussion. Auch der Antisemitismus machte sich das zu Nutze: Er erweckte den Anschein einer wissenschaftlichen Fundierung, mit der der Antisemit den Juden als Feind der Gesellschaft "entlarven" konnte.

Schwarzweiß-Foto: Ein Junge trägt eine Binde am Arm, auf der ein Davidstern ist. Er hält viele weitere dieser Binden in der Hand. (Rechte: AKG)

Trauriger Höhepunkt des Antisemitismus: der Holocaust

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Die Ideologie spielt keine Rolle: Jude bleibt Jude

Für den kommunistischen Antisemiten ist der Jude Kapitalist, für den Liberalen ein Kommunist. Für den antisemitischen Traditionalisten sind alle Juden gefährliche Elemente. Für den Anhänger der Rassentheorie sind die Juden schlicht minderwertig. Nicht nur das, sie versuchen die höheren Rassen zu "unterwandern". Für den Antisemiten gibt es keine andere Möglichkeit zur "Heilung" außer der Entfernung der jüdischen Elemente aus der Gesellschaft. Den tragischen Höhepunkt der antisemitischen Hysterie in Europa markierte die Nazizeit mit dem Holocaust.

Bis heute halten sich hartnäckig Verschwörungstheorien, nach denen die Juden böse, skrupellos und herrschaftssüchtig sind. Gerade im Zeitalter des Internets verbreiten sich absurde und paradoxe Vorwürfe auf dubiosen Seiten. So wird den Juden vorgeworfen, verkleidet als Deutsche das Land seit Jahrzehnten zu führen (darunter auch als Adolf Hitler); oder die Juden seien eine außerirdische Echsenart, die eine menschliche Form annehmen kann und die Welt beherrscht.

Allon Sander, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Jüdischer Alltag in Deutschland - Alles normal?, 08.01.2009

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