Jean-François Champollion

Ölgemälde von Jean-François Champollion

Hieroglyphen

Jean-François Champollion

1790 kommt Jean-François Champollion in der kleinen Ortschaft Figeac in Frankreich zur Welt. Schon als Kind entwickelt er sich zu einem wahren Sprachgenie. Champollion lernt Latein, Griechisch und Hebräisch. Später studiert er weitere Sprachen wie Arabisch, Syrisch und Koptisch. Doch Berühmtheit erlangt er durch durch die Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen. Mit Ehrgeiz und Ausdauer treibt er seine Lebensaufgabe unermüdlich voran.


Endlich die Geheimnisse aufdecken

Zu Zeiten Jean-François Champollions hat die Ägyptomanie ganz Europa ergriffen. Die ersten Reiseberichte vom Land am Nil und die ersten hieroglyphischen Inschriften verhelfen Champollion zu seiner Lebensaufgabe: die Entzifferung der hieroglyphischen Schrift. Er will Ägypten nicht nur beschreiben, sondern entschlüsseln und die Geheimnisse der vergangenen Kultur am Nil aufdecken.

Champollion ist gut auf die Entzifferung vorbereitet. Viele Jahre lang schreibt er alle hieroglyphischen Texte ab und vergleicht die Entwicklung der einzelnen Schriftzeichen. Er erkennt die Zusammenhänge zwischen hieroglyphischer und hieratischer Schreibweise, die ab dem 3. Jahrtausend vor Christus in Ägypten gebraucht wird. So kann er die Vereinfachungen der Bilder zu Strichen und Strichgruppen nachvollziehen.

Kartuschen enthalten Königsnamen

Nach Meinung Champollions ist das bis heute existierende Koptisch die späteste Form der altägyptischen Sprache und somit wesentlicher Anhaltspunkt zur Entschlüsselung der hieroglyphischen Schrift. Sein Verständnis der koptischen Sprache ist Teil seines späteren Erfolges.

Außerdem kennt Champollion die Arbeiten der anderen Gelehrten mit ihren Fehlern, aber auch richtigen Erkenntnissen. So hatte der englische Physiker Thomas Young kurz zuvor nachgewiesen, dass die oval umrundeten Hieroglyphen, sogenannte Kartuschen, Königsnamen enthalten.

Young gelang bereits die Entzifferung des griechischen Herrschernamens Ptolemäus. Doch er ging wie viele andere Gelehrte davon aus, dass die Hieroglyphen eine symbolische Bilderschrift sein müssten und scheiterte daher an der vollkommenen Entzifferung.

Von einem Oval umrundete Schriftzeichen in Stein

Die ovalen Schriftzeichen sind Namen von Königen

Auf der richtigen Spur

Erst Champollion bricht mit der allgemeinen Annahme, Hieroglyphen seien eine rein symbolische Bilderschrift. Eine recht einfache Überlegung bringt ihn in eine andere Richtung.

Der hieroglyphische Teil auf dem Stein von Rosette enthält mehr hieroglyphische Zeichen, als Worte im griechischen Teil zu finden sind. Wie soll da jedes Zeichen einer ganzen Idee, einem ganzen Wort entsprechen? Außerdem werden innerhalb des hieroglyphischen Textes auf dem Stein von Rosette die hieroglyphischen Zeichen mehrmals wiederholt.

Auch Champollion untersucht, wie andere Gelehrte vor ihm, zunächst die Königsnamen in den ovalen Kartuschen. Im griechischen Text des Steins von Rosette wird der Name Ptolemäus erwähnt. Ein fremder griechischer Name könne nicht einfach in das hieroglyphische Schriftsystem übertragen worden sein.

Dieser griechische Personenname müsse, das hatte bereits Thomas Young herausgefunden, auch in der hieroglyphischen Schrift lautschriftlich verfasst worden sein. So ergeben sich die Hieroglyphen der Buchstaben p, t, o, l, m, ai und s.

Nahaufnahme des Steines von Rosette – deutlich sind die eingemeißelten Hieroglyphen zu erkennen.

Welche Hieroglyphen bebilderten die griechischen Wörter?

Vergleich zweier Herrschernamen

Doch nicht nur der griechische Name Ptolemäus kann mit lautschriftlichen Zeichen übersetzt werden. Auf dem Sockel eines Obelisken findet sich ein weiterer zweisprachiger Schriftfund. Eine Kopie dieser Inschrift wird Champollion für seine Untersuchungen zur Verfügung gestellt.

Im griechischen Teil der Inschrift werden die Namen des Ptolemäus und der ägyptischen Pharaonin Kleopatra genannt. Im hieroglyphischen Text finden sich zwei Kartuschen. Der Vergleich zwischen den beiden Herrschernamen zeigt, dass viele hieroglyphische Bilder feste Lautwerte haben. Denn auch der Name der ägyptischen Herrscherin Kleopatra wird durch Laute gekennzeichnet.

Tatsächlich gelingt es Champollion, über die vielen Herrschernamen langsam immer mehr Lautzeichen zu entziffern. Champollion ist der erste Gelehrte, der versteht, dass die Hieroglyphen eine Mischung aus Laut- und Bilderschrift sind. Sein neu entdecktes System lässt sich fortan auf alle altägyptischen Inschriften anwenden und bedarf nur weniger Nachbesserungen.

Zeichnung von Kleopatra, Ägyptische Königin

Kleopatra brachte Champollion auf die richtige Spur

Autorin: Lene Kemling

Stand: 07.12.2017, 12:00

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