Flüchtlingsströme

Flüchtlinge vor Eisenbahnwaggons

Flucht und Vertreibung

Flüchtlingsströme

Schon während des Zweiten Weltkriegs begann eine Zwangsmigration, die als die größte in der Geschichte der Neuzeit gilt. Millionen von Menschen verloren ihre Heimat, gewaltige Flüchtlingsströme waren die Folge. Der Großteil der Flüchtlinge zog nach Westdeutschland und musste sich in die auch dort durch den Krieg gebeutelte Gesellschaft integrieren.

Flucht und Vertreibung als Kriegsfolge

Zwischen 1939 und 1950 fand eine Völkerwanderung statt, die etwa 25 bis 30 Millionen Menschen erfasste und nicht nur aus Flüchtlingen und Vertriebenen bestand. Zehntausende Kinder kehrten aus der Kinderlandverschickung zurück, Hunderttausende ehemals Evakuierter kamen nach Hause.

Millionen ehemaliger Soldaten, befreiter KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter waren unterwegs, um in ihre Heimatländer zurückzukehren. Die größte von Migration betroffene Gruppe waren etwa 14 Millionen Deutsche, die zwischen 1944 und 1950 der Flucht und Vertreibung zum Opfer fielen.

Mehr als 17 Millionen Deutsche lebten vor Kriegsende auf dem heutigen Gebiet von Polen, den baltischen Staaten, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Jugoslawien und Rumänien.

Gut zwei Millionen Deutsche verließen ihre von der Roten Armee eroberte Heimat nicht und waren in der Folge erheblichen Repressalien ausgesetzt. Mehrere Hunderttausende von ihnen mussten nun ihrerseits Zwangsarbeit leisten, viele wurden in KZ-ähnlichen Lagern inhaftiert.

Fluchtbewegungen

Die Verluste unter den fliehenden Deutschen waren enorm. Rund zwei Millionen Menschen starben auf der Flucht durch Gewalt, Erfrierungen, Hunger, Erschöpfung und Krankheit. Die Überlebenden kamen entkräftet und mittellos in den verbliebenen Gebieten Deutschlands an.

Die gewaltigen Flüchtlingsmassen mussten innerhalb der vier Besatzungszonen verteilt und integriert werden. Mit gut 3,3 Millionen Menschen kam der größte Anteil deutscher Flüchtlinge und Vertriebener aus Schlesien, gefolgt von 2,9 Millionen Sudetendeutschen aus der Tchechoslowakei, zwei Millionen Ostpreußen und über zwei Millionen Deutschen aus der Kurmark, Brandenburg und Pommern.

Polnische Frauen flüchten im Jahr 1945 mit ihre Kindern. Das schwarz-weiß Foto zeigt sie auf einem Bahnhof.

Frauen und Kinder auf der Flucht

Integration

Hitler hatte seinerzeit seine rassistisch motivierte These des deutschen "Volks ohne Raum" als theoretisches Gebäude für die Germanisierungspolitik im Osten Europas verkündet. Wie eine bittere Ironie der Geschichte zwangen Flucht und Vertreibung das geteilte Nachkriegsdeutschland zur Widerlegung dieser wahnwitzigen These.

Infolge von Flucht und Vertreibung lebten im geteilten Deutschland bald doppelt so viele Menschen pro Quadratkilometer wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Dabei nahm die spätere Bundesrepublik (die amerikanische, britische und später französische Besatzungszone) etwa acht Millionen Vertriebene und Flüchtige auf. Das entsprach einem Bevölkerungsanteil von etwa 16 Prozent.

Dagegen integrierte die künftige DDR (die sowjetische Besatzungszone) mit vier Millionen Vertriebenen sogar einen Gesamtbevölkerungsanteil von 25 Prozent.

Die Integration hatte also im großen Maßstab Bevölkerungsverschiebungen zur Folge. Regionen wie Mecklenburg verdoppelten ihre Einwohnerzahl auf einen Schlag. In der Bundesrepublik waren es in erster Linie Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, die überproportional viele Menschen integrieren mussten.

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 16.07.2018, 09:13

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