Ungarn

Stadtansicht von Budapest mit Blick auf die Donau

Osteuropa

Ungarn

Von Frank Drescher

Ein Ziel deutscher Sehnsüchte war Ungarn schon lange, bevor DDR-Bürger mangels alternativer Reisemöglichkeiten an den Balaton kamen. Trotz aller Irritationen, für die Ungarns Regierungschef Viktor Orbán sorgt, verbindet beide Länder mehr, als viele Deutsche ahnen.

Wenn Ungarn seine Grenzen öffnet oder schließt, macht sich das meist auch in Deutschland bemerkbar. So war es 1989 beim "Paneuropäischen Picknick" in Sopron an der Grenze zu Österreich, und so war es auch 2015, als die Regierung Orbán die Grenzen für Flüchtlinge schloss.

Sich nach Westen hin öffnen und nach Osten verschließen: Beides ist nicht untypisch für Ungarns Geschichte, die seit 1100 Jahren mit der der deutschsprachigen Länder Europas untrennbar verbunden ist. Denn wenn das Land von Feinden überrannt und zerstört wurde, kamen die meist aus dem Osten. Und um Ungarn wieder aufzubauen, rief es Siedler aus dem Westen zu sich, oft auch aus Deutschland.

Allein im 18. Jahrhundert wanderte fast eine Million Deutsche nach Ungarn ein. Deutsche Bauern und Handwerker ins Land zu holen, hatte in Ungarn damals schon 600 Jahre Tradition.

Beliebt bei deutschen Investoren

An diese knüpfte nach dem Ende des Kommunismus die deutsche Wirtschaft schnell an: Schon 1995 überstiegen die Investitionen deutscher Unternehmen in Ungarn erstmals die Marke von einer Milliarde Euro.

Autohersteller, Maschinenbauer, Lebensmittelproduzenten, Medienkonzerne: Alle versprechen sich gute Geschäfte von dem Land, dessen Menschen von niedrigeren Löhnen als die Deutschen leben können. 2012 erreichten die deutschen Investitionen den bisher noch nicht wieder übertroffenen Rekordwert von 2,8 Milliarden Euro.

Irritierende Politik

2018 wählten die Ungarn mit großer Mehrheit Viktor Orbán erneut wieder – einen Politiker, der sein Land immer autoritärer regiert, Medien- und Wissenschaftsfreiheit einschränkt und gegen die EU polemisiert, während er ihre Fördergelder einstreicht.

Doch er hat auch Erfolge vorzuweisen, etwa in der Wirtschaftspolitik. Die Arbeitslosigkeit sinkt in Ungarn, denn internationale Investoren schaffen, angelockt von Niedrigsteuern, Arbeitsplätze. Trotzdem gibt es genug Ungarn, die ihn nicht gewählt haben und die mit seiner Politik nicht einverstanden sind.

Budapest – Paris des Ostens

Den Titel "Paris des Ostens" teilt sich Budapest zugegebenermaßen mit einigen anderen Städten östlich von Dresden, die für deutsche Augen besonders schön sind. 1873 aus den Teilstädten Buda und Pest fusioniert, war Buda vorher schon Hauptstadt und gehörte zu den ersten Städten nördlich der Alpen, in der Gebäude im Stil der Renaissance entstanden.

Aus vielen unterschiedlichen Epochen stammen auch Budapests Bäder: aus der Zeit der türkischen Besetzung (1541–1686) ebenso wie aus der Zeit des Jugendstils.

Pécs, Fünfkirchen bei Tageslicht.

Eine Synagoge in Pécs (Fünfkirchen)

Es muss nicht immer Balaton sein

Jenseits von Budapest lädt Ungarn gerade deutschsprachige Besucher zur historischen Spurensuche ein: Pécs (Fünfkirchen) ist eine der ältesten Städte Ungarns und das Zentrum der Donauschwaben.

Die brachen im 18. Jahrhundert oft von Ulm aus mit einfachen, nur für eine einmalige Fahrt gedachten Booten auf, den sogenannten "Ulmer Schachteln". Am Ziel angekommen, bauten sie sich aus dem Holz der Boote beispielsweise Häuser oder verfeuerten es, sobald es trocken genug war.

Auch Naturliebhabern hat Ungarn einiges zu bieten: In den Sumpfwäldern im Donau-Überschwemmungsgebiet lassen sich mit etwas Glück Adler und Goldschakale beobachten, und die Steppenlandschaften der Puszta werden im Herbst Rastplatz für hunderttausende Kraniche auf dem Weg nach Süden.

Weiterführende Infos

Stand: 05.12.2018, 14:00

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