Barock – Eine Epoche zwischen Lust und Last

Brunnenfigur vor dem Schloss von Versailles.

Neuzeit

Barock – Eine Epoche zwischen Lust und Last

Wenn wir von "barocker Lebenslust" sprechen, meinen wir vor allem eines: abhängen, chillen, gut essen und trinken, sich amüsieren – auch mit heftigen Amouren – und vor allem nicht an morgen denken. Ein bisschen war das wirklich so im Barock.

Darum geht's:

  • Naturwissenschaften rütteln am traditionellen Weltbild.
  • König Ludwig XIV. sieht sich als Mittelpunkt des Universums.
  • Der Adel verprasst das Geld, das Volk leidet darunter.
  • Der deutsche Adel eifert dem französischen Vorbild nach.

Katholiken gegen Protestanten

Seinen Anfang hatte der Barock – manche sagen auch noch das Barock – zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) wütete damals in ganz Europa und fraß sich durch riesige Landstriche. 

Katholiken gegen Protestanten – Protestanten gegen Katholiken. Ein Ende war nicht in Sicht. Die Fürsten waren gegen den König und für den Papst, oder wahlweise umgekehrt – gerade so, wie es ihrem Glauben entsprach oder sie sich persönlich mehr Vorteile davon versprachen.

Im Mittelpunkt steht die Sonne

War das wirklich alles so von Gott geschaffen und gewollt? Auch die Ständeordnung mit Kaiser, Papst und Bauern? Die sich entwickelnden Naturwissenschaften rüttelten jetzt am traditionellen Weltbild – besonders an der Annahme, dass die Erde der Mittelpunkt des Weltalls sei.

Astronomen wie Kopernikus, später Kepler und Isaak Newton, spielten anfänglich nur mit diesem Gedanken, im Laufe der Zeit aber wurde er belegt: Die Sonne ist der Mittelpunkt und die Erde nur eine kleine Nummer in ihrer Umlaufbahn.

"Wenn die Sonne so wichtig ist, dann bin ich das auch…" muss sich Ludwig XIV. gedacht haben und machte sich kurzerhand zum "Sonnenkönig" von Frankreich.

Ein cleverer Schachzug, denn parallel dazu verlegte er seine Residenz von Paris ins wenig entfernte Versailles und schuf dort einen Prachtbau, der mit den bisher üblichen Burgen gar nichts mehr gemeinsam hatte. Keine Schießscharten, keine Wehrmauern oder Zugbrücken gegen angreifende Feinde, sondern einladende weite Architektur mit vielen Fenstern.

Hier war nicht nur genügend Platz für Tausende von Höflingen und Gästen, hier hatte der König auch seine einflussreichen Untergebenen unter seiner direkten persönlichen Kontrolle. Verschwörungen waren ausgeschlossen, Langeweile oder Intrigen allerdings nicht.

Der Adel musste beschäftigt werden – also erfand der König die Vergabe von eher symbolischen Tätigkeiten wie Schnupftuch reichen, in den Morgenmantel helfen et cetera.

Diese Ämter konnten sich die Adeligen für jeweils drei Monate kaufen. In dieser Zeit mieteten sie meist kleine Apartments oder Zimmer an. Damals galt, was auch heute die Immobilienpreise in den Metropolen hochschnellen lässt: Lage, Lage, Lage – und dem König dabei so nah sein wie möglich.

Spiegelsaal im Schloss von Versailles.

Der Spiegelsaal im Schloss von Versailles

Leben wie Gott in Frankreich

Zumindest für den Adel galt das. Man aß edles Wild von Tieren, die bei uns längst nicht mehr auf der Speisekarte stehen – etwa Singvögel oder Eichhörnchen – meist frisch gejagt in den eigenen Wäldern.

Es gab Obst aus fernen Ländern, beispielsweise Ananas und Kiwi. Dazu nippte man aus feinstem Porzellan der königlichen Manufakturen an dem neumodischen Kaffee oder Kakao. Tee aus China war so beliebt, dass er gleich eine ganze China-Modewelle mit asiatischen Möbeln und Pagoden in den Gärten auslöste.

Dem Volk hingegen ging es schlecht. Die Menschen lebten in einfachsten Häusern und Hütten, konnten kaum lesen oder schreiben und hatten eine niedrige Lebenserwartung. Auf dem Speiseplan standen meist Eintopf, Brot und Gemüse.

Die Steuern waren erdrückend, denn der König brauchte Geld für seine Kriege. Manche Landesherren schickten richtige "Drückerkolonnen" über die Dörfer, um in Gasthäusern junge Männer zuerst betrunken zu machen und anschließend mitzunehmen. Wachten sie aus ihrem Rausch auf, waren viele bereits als verkaufte Söldner auf dem Schiff nach Amerika.

Spione des Preußenkönigs erschnupperten auch in den Städten den Duft illegaler Kaffeeröstereien. Luxuswaren waren hoch besteuert und dem Adel vorbehalten. Vom Glanz des Barock bekamen über 90 Prozent der Bevölkerung nichts mit, außer harter Arbeit, Steuern und Elend.

Ohne Aussicht auf Bildung und Unabhängigkeit flüchteten die meisten in tiefe Frömmigkeit und Glauben, aber auch Aberglauben. Das 17. und frühe 18. Jahrhundert war auch die Zeit der Hexenverfolgungen.

Gemälde: Barockes Stilleben mit Luxus-Lebensmitteln

Wer es sich leisten konnte, tafelte fürstlich

Feiern bis die Schwarte kracht

Feiern konnten sie, die Franzosen. Was der "Sonnenkönig" kann, können wir auch, muss sich August der Starke in Dresden gedacht haben.

Er feierte die Hochzeit seines Sohnes 1719 nicht etwa nur mit einem großen Fest. Nein – es war gleich eine ganze Serie: 7 Planeten – 7 Feste. Jedes Fest dieser Mottoparty war einem Himmelskörper zugeordnet. Gefeiert wurde gerne in den Gärten. Alles hier, wie auch im Gebäude, war symmetrisch angelegt – ein Erkennungsmerkmal für den Barock.

Auch wenn es nationale und vor allem regionale Unterschiede in barocker Architektur und Gärten gibt –viele europäische Landesherren orientierten sich an Versailles und entwickelten das Konzept weiter.

Schlösser und Residenzen wie Hannover-Herrenhausen, Karlsruhe, Mannheim, Nymphenburg bei München oder auch Würzburg sind Beispiele großer barocker Kunst.

Kolorierter Kupferstich der Karlsruher Residenzstadt.

Karlsruher Residenz

Autorin: Gaby Böhne

Stand: 24.05.2017, 13:51

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