Die Ständegesellschaft

Bauern bei der Ablieferung ihrer Abgaben (Holzschnitt von 1479)

Leben im Mittelalter

Die Ständegesellschaft

Von Johannes Eberhorn

Die Grundlage des Lebens im Mittelalter war die Ständegesellschaft, die jedem Menschen seinen Platz in der Gesellschaft zuwies. Sie wird auch Drei-Stände-System genannt, weil sie aus drei Gruppen bestand: dem Adel, den Geistlichen ("Klerus") und den Bauern.

Unumstritten an der Spitze des Ständesystems stand der König, dem sich der Adel und die geistliche Oberschicht des Reiches unterzuordnen hatten.

Die nächste Sprosse auf der Ständeleiter bildeten Mönche und Ritter. Der Beruf des Ritters entstand ab dem 9. Jahrhundert, als die Kriegsführung zu Pferd bedeutender wurde. Die Soldaten mit Schlachtross und Rüstung waren für ihre Kriegsherren äußerst wichtig, weshalb sie weitreichende Privilegien genossen.

Auf der untersten Stufe befand sich die Schicht der Bauern. Sie machten nicht nur den mit Abstand größten Teil der Bevölkerung aus, sondern waren auch die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft. Allerdings gab es auch unter den Bauern große Unterschiede – von frei bis unfrei, von bettelarm bis vermögend.

Mittlelalterliche Illustration: Frauen bei der Feldarbeit

Bauern bildeten die Unterschicht

Als gesellschaftlicher Kitt zwischen den einzelnen Ständen diente das Vasallentum. Ein Mitglied eines niederen Standes konnte zum Vasall (Gefolgsmann) eines Ranghöheren werden.

Der Gefolgsmann schwor seinem Herrn bedingungslose Treue und Gehorsam. Dazu gehörte unter anderem auch, dass der Vasall Abgaben entrichtete und für den Herrn in den Krieg zog. Im Gegenzug verlieh dieser seinem Untergebenen Land und beschützte ihn.

Gemälde: Drei Leute knien vor einem Stuhl nieder, auf dem ein Lehnsherr sitzt

Der Vasall hatte seinem Herren treu zu dienen

Der Mensch des Mittelalters blieb, wenn er nicht gerade Mönch oder Nonne wurde, ein Leben lang in seinem Stand – ein Aufstieg war so gut wie unmöglich. Dies änderte sich erst mit dem Aufschwung der Städte ab dem 12. Jahrhundert.

(Erstveröffentlichung: 2010. Letzte Aktualisierung: 26.04.2021)

WDR

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