Ordensleute

Mönche in einer Kirche.

Religion

Ordensleute

Von Gregor Delvaux de Fenffe

Seit Urzeiten kehren einige Menschen der Welt freiwillig den Rücken, um ein spartanisches Leben in Einsamkeit und Besitzlosigkeit zu führen: Eremiten, die am Rande menschlicher Besiedlungen wohnten. Einige von ihnen scharten Gleichgesinnte um sich. Sie gründeten asketische Gemeinschaften, deren Tagesablauf an einem strengen Regelwerk ausgerichtet war. So entstanden die christlichen Orden, die im Laufe von Jahrhunderten die abendländische Kultur und Gesellschaft prägten.

Abkehr von der Welt

Das Leben in Abgeschiedenheit und Askese ist deutlich älter als das Christentum. Schon seit Jahrtausenden gab es Menschen, die das Bedürfnis hatten, sich von der Welt loszusagen. In Indien existieren asketische Ordensgemeinschaften mindestens seit dem 7. Jahrhundert vor Christus. Ab dem 5. Jahrhundert vor Christus geht auch Buddha diesen Weg.

Die Propheten Elias und Moses auf dem Berg Sinai sind Eremiten aus dem Alten Testament – lange bevor Jesus auf die Welt kommt. Die ersten Christen sehen im Eremitendasein, im Leben als Mönch, die Möglichkeit der unmittelbaren Nachfolge Christi.

Nach dem Ende der Christenverfolgungen in der frühen Christenheit, als das Christentum am Ende des 4. Jahrhunderts sogar Staatsreligion wird, suchen viele Christen eine neue Herausforderung. Das christliche Bekenntnis ist plötzlich bequem geworden, die Nachfolge Jesu nicht länger radikal, das Märtyrertum gibt es nicht mehr.

In dieser vorislamischen Zeit entwickelt sich im Orient, besonders in Ägypten und Syrien, ein blühendes Mönchstum. Es ist die Zeit der sogenannten Wüstenväter – jener Eremiten, die sich von der Welt und der Gesellschaft in die Wüste zurückziehen, um ihr Leben in Einsamkeit und Askese zu verbringen. Ihr Ziel ist die Abkehr von aller Zivilisation und Verweltlichung, um ein gottgefälliges und in sich gekehrtes Leben zu leben.

Doch bald schon folgen ihnen Menschen, die fasziniert sind von der eremitischen Lebensweise. Menschen, die die Nähe der Eremiten suchen, um von ihnen zu lernen. So entstehen erste Gemeinschaften.

Das Leben in Kommunitäten, später in Klöstern mit mehreren Gleichgesinnten, bietet alltägliche Hilfestellungen und zugleich eine bessere Kontrolle der eigenen asketisch-mönchischen Lebensführung.

Auf einem hohen, schroffen Felsen stehen die Gebäude einer Klosteranlage. Im Hintergrund sind Berge zu erkennen.

Leben in Einsamkeit und Askese

Benedikt von Nursia

Als vor rund anderthalb Jahrtausenden ein junger Aussteiger und Eremit in Italien den Berg Montecassino besteigt, ist dies die Geburtsstunde des christlichen Ordenslebens. Auf den Ruinen alter heidnischer Tempelanlagen gründet Benedikt von Nursia mit einigen Gleichgesinnten eine Gemeinschaft, die sich nur dem Gebet und der Arbeit widmet. So geht Benedikt als Vater des Mönchtums in die Geschichte ein.

Bald gibt sich diese Gemeinschaft eine bahnbrechende Regel, benannt nach ihrem Ordensgründer Benedikt, die bis heute das zentrale Fundament der europäischen Ordensgeschichte bildet. In der Regel werden die Zielsetzung der Mönchsgemeinschaft, der genaue Tagesablauf und der Umgang der Mönche miteinander minutiös festgehalten.

Die zentralen Pole dieses Gemeinschaftslebens bilden das tägliche Chorgebet, die zu verrichtende Arbeit, ein Leben in Keuschheit, Askese und Armut. Die Mönche wollen niemandem zur Last fallen, sie sind Selbstversorger. Kranke und Arme, die an die Klosterpforten kommen, sollen nicht abgewiesen werden. Als Benedikt im Jahr 547 stirbt, führen die ersten Benediktiner nach seinem Tode die Gemeinschaft weiter.

589 wird das Urkloster Montecassino von den Langobarden erobert und zerstört. Die Mönche gehen nach Rom zu Papst Gregor dem Großen und berichten ihm von Benedikts Gemeinschaftsidee und seinen Leistungen. Von den Erzählungen der Mönche tief beeindruckt, schreibt Papst Gregor die Lebensgeschichte des Ordensgründers auf und sorgt für die entsprechende Verbreitung.

Nur durch seine Überlieferung wissen wir heute von Benedikt. Von der benediktinischen Ordensidee überzeugt, erteilt Papst Gregor den Mönchen den Auftrag, die Angelsachsen zu missionieren.

Gemälde: Drei Mönche in schwarzen Kutten geben einem Mann in Lumpen Brot und Wasser.

Benedikt speist die Armen

Impulse aus Irland

Während Benedikt auf dem Monte Cassino Geschichte schreibt und den Grundstein für den Orden der Benediktiner legt, entwickelt sich in Irland eine eigenwillige Form monastischen Lebens, die bald mächtig auf das Festland einzuwirken beginnt. Die irischen Mönche setzen nach Europa über, gründen zwischen 590 und 730 zahlreiche bedeutende Klöster und beginnen mit Nachdruck zu missionieren. Und das sehr erfolgreich.

Irland ist nie von den Römern erobert worden. Im 5. Jahrhundert vom heiligen Patrick und seinen Schülern missioniert, hat das Christentum auf der Insel schon früh Fuß fassen können. Während bei Benedikt die "Stabilitas loci", die Ortsgebundenheit der Mönche, wichtiger Bestandteil der Ordensregel ist, folgen die irischen Mönche einem ganz anderen Impuls. Heimatlosigkeit für Gott – das ist ihre Überzeugung, darauf beruht ihre Wanderbereitschaft und ihre Missionsarbeit.

Klöster – Wissensinseln im Mittelalter

Das Europa des Mittelalters ist bald durchdrungen von den Gründungen zahlreicher Männer- und Frauenklöster. Fulda, Tauberbischofsheim, Kitzingen, St. Gallen in der Schweiz, Benediktbeuern, Kremsmünster in Österreich, Lorsch: Überall dort, wo die Mönche sich niederlassen, entstehen wahre Wissensinseln. Es sind Anlagen von gewaltigen Ausmaßen mit Kirchen, Bibliotheken, Schulen und Krankenhäusern.

Doch welche Bedeutung haben Klöster und Mönche für die Menschen der damaligen Zeit? Im mittelalterlichen Europa ist das antike, verbindliche Staatsgefüge des Römischen Reichs längst erloschen. Zwischen den Ruinen der vergangenen herrschaftlichen Zeiten weiden Ziegen und Schafe.

Bis zum 11. Jahrhundert gibt es keine blühenden Städte oder Herrschaftssitze. Die fränkischen Könige bewohnen nur ihre Pfalzen, ständig wechselnde Trutzburgen. Die Klöster sind zu jener Zeit bedeutende gesellschaftliche und wirtschaftliche Ausnahmeerscheinungen, Fixsterne der Zivilisation.

Während in Europa die Menschen weder schreiben noch lesen können und weit und breit keine Bildungseinrichtungen existieren, bewahren die Klöster in ihren Schreibstuben das Wissen der antiken Denker und Autoren vor dem Vergessen. Kopisten schreiben die wertvollen Bücher ab, kunstfertige Buchmaler versehen die kostbaren Bände mit aufwendigen Illustrationen.

Herrscher wie Karl der Große erkennen das Potenzial der gebildeten Mönche und fördern Klosterneugründungen nach Kräften. Mönche werden Berater der Könige und Adligen. Sie organisieren die Reichsverwaltung, errichten erste Schulen und Universitäten und schaffen die Grundlagen der modernen Medizin. Äbte und Äbtissinnen, die den Klöstern vorstehen, haben die Bedeutung von hochrangigen Politikern.

Gemälde: Ein Mönch mit Hut und Brille zeichnet an einem Pult.

Buchmaler versehen kostbare Bände mit aufwendigen Illustrationen

Krisen und Reformen

Doch durch ihre Unabhängigkeit und ihre effiziente Verwaltung werden die Klöster bald zu reich und mächtig. Mönche und Nonnen werden zwangsläufig immer weltlicher und bequemer. Bald gibt es ernsthafte Krisen, denn der benediktinische Ursprung des Mönchtums, der Rückzug aus der Welt, die freiwillige Entscheidung für ein Leben in Askese, verblasst zusehends. Immer wieder dringen daher Mönche in verschiedenen Epochen darauf, das ursprüngliche, mönchische Ideal aufs Neue zu beleben, zu Armut und Abgeschiedenheit zurückzukehren. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts kommt es in Citeaux, im französischen Burgund, zu einem Richtungswechsel.

Ein paar Mönche beleben den benediktinischen Gedanken neu und aus den Reformen geht bald ein neuer Orden hervor: die Zisterzienser. Ablehnung aller Einkünfte, stattdessen einfache und harte körperliche Arbeit – etliche hundert Jahre später gibt es wieder radikale Reformansätze zu den einfachen Regeln des kontemplativen, klösterlichen Daseins zurückzufinden, wieder aus Gründen der Verweltlichung, diesmal unter den Zisterziensern.

Im Stammkloster La Trappe in der Normandie entsteht wieder ein neuer Orden, die reformierten Zisterzienser werden bald "Orden der Zisterzienser von der strengeren Observanz" genannt – oder einfach Trappisten.

Gemälde: Drei Mönchen arbeiten auf einem Feld. Zwei von ihnen pflügen den Acker mit zwei Ochsen.

Zisterzienser bei der Feldarbeit

Die Bewegung der Minoriten

Ab dem 11. Jahrhundert beginnt im Mittelalter die Emanzipation der Städte. Neue Brennpunkte entstehen, mit neuen sozialen Problemen und Herausforderungen. Darauf müssen auch die Mönche eine Antwort finden. Plötzlich sind die weitläufigen Abteien weit entfernt von den beengten ärmlichen Verhältnissen der Städte.

Diesen neuen Gegebenheiten passen sich nun neue Ordensrichtungen an, deren Mönche und Nonnen auf die Menschen in der Stadt zugehen. So entstehen die bedeutenden Ordensbewegungen der Franziskaner und Dominikaner.

Auch diese Mönche verdienen sich ihren Lebensunterhalt selbst. Aber sie verzichten streng auf einen Arbeitslohn – nur Naturalien nehmen sie an. Und nur im Notfall dürfen sie um mildtätige Essensspenden bitten. Dem Ideal der Armut fühlen sie sich in besonderer Weise verpflichtet, daher nennen sich die armen Brüder Minoriten (von lateinisch "minoritas" = Armut).

Die sogenannten Bettelorden übernehmen die wesentlichen Elemente des benediktinischen Lebenswandels. Es gibt ein gemeinsames Chorgebet und auch das monastische Gemeinschaftsleben.

Der Raum verändert sich jedoch: Die Bettelmönche fühlen sich nicht abgeschieden, sondern als Teil der gesellschaftlichen Realität. Sie begeben sich in die Gesellschaft hinein, ziehen sich nicht länger von ihr zurück, möchten direkt an den Brennpunkten lehren, lindern und verändern. Neben die kontemplativen treten die karitativen Orden: Bei ihnen steht die Seelsorge – der Dienst am Mitmenschen – im Mittelpunkt.

Hauptschiff einer Kirche mit Spitzdach.

Minoritenkirche in Köln

Die Jesuiten

Im 16. Jahrhundert kommt es erneut zu einer bedeutenden Ordensbewegung: Der Spanier Ignatius von Loyola gründet den mächtigen Männerbund "Societas Jesu" – die Jesuiten. Die Jesuiten sind die katholische Antwort auf die Reformation, die im 16. Jahrhundert die Kirche zu zerreißen droht.

Luther, Calvin, Zwingli – die katholische Kirche erlebt eine dramatische Erosion. Das nehmen die Jesuiten nicht hin, sie wollen Rom wieder in den Mittelpunkt der Kirche rücken. Aber auch vor der Entdeckung der Neuen Welt, also Amerika, verschließen die Jesuiten nicht die Augen. Im Gegenteil: Sie gehen hin, öffnen sich dem Neuen und Unbekannten.

Die Jesuiten haben keine besondere Ordenskleidung und kein gemeinsames Chorgebet. Mitglieder des Ordens tragen hinter ihrem Nachnamen lediglich den Namenszusatz "SJ" (Societas Jesu). Ihnen eigen ist der ausdrückliche Gehorsam gegenüber dem Papst.

Die Jesuiten spielen lange Zeit eine dominierende Rolle im Bildungssystem Europas. Sie selbst sind in der Regel hoch qualifizierte und hoch gebildete Personen, die an den Schaltstellen der Macht auf die Entscheidungen der Mächtigen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und in den Medien Einfluss nehmen.

Stand: 07.11.2019, 14:30

Darstellung: