Bismarckhering

Belegtes Brötchen mit Zwiebeln und Hering.

Otto von Bismarck

Bismarckhering

Hohe Staatsgäste können ein Lied davon singen. Wenn Kanzlerin Merkel ihnen die Attraktionen ihres Wahlkreises zeigt, landen sie auch in Stralsund. Und da gibt es Saures. Im Fass. Ob Bush, Putin oder Hollande -  alle sind mit der Spezialität aus der Hansestadt wieder abgereist: dem Bismarckhering. Aber was hat Stralsund mit dem Bismarckhering zu tun? Und wie kam dieser zu seinem Namen?

Ein geschäftstüchtiger Fischhändler

Plakat von Heringe-Bücklinge.

Sauer eingelegt wird Fisch haltbar

Viele Legenden ranken sich um den Namen des sauer eingelegten Heringsfilets und die erste kommt aus Stralsund. Dort lebte in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein tüchtiger Geschäftsmann namens Johann Wiechmann. Und der war nicht nur tüchtig, er hatte auch noch Glück.

Tausend Goldmark gewann er im Lotto und die investierte er in die Gründung einer Fischkonservenfabrik. Seine Frau Karoline hatte die Idee, Heringe in einen sauren Aufguss einzulegen und sie in Holzfässchen zu verschicken.

Johann Wiechmann war ein großer Verehrer Otto von Bismarcks. Um seiner Verehrung Ausdruck zu verleihen, wollte er seinem Idol ein Geburtstagsgeschenk machen. Also schickte er dem Fürsten ein Fässchen eingelegter Heringe. Bismarck bedankte sich artig in einem persönlichen Schreiben.

Nach der Reichsgründung 1871, von nationalen Gefühlen übermannt, schickte Wiechmann ein zweites Fass an Bismarck, der nun Kanzler des Deutschen Reiches war.

Doch dieses Mal war es nicht nur der Patriot Wiechmann, sondern auch der Geschäftsmann, der an den Kanzler schrieb. Ob er in Zukunft diese Spezialität unter dem Markennamen "Bismarckhering" verkaufen dürfe, lautete die "untertänigste" Bitte.

Der Kanzler gab handschriftlich sein Einverständnis. Und so kam der Bismarckhering nach Stralsund. Leider soll das Schreiben Bismarcks bei einem Bombenangriff auf Stralsund im Oktober 1944 einem Brand zum Opfer gefallen sein, so dass sich diese Geschichte nicht beweisen lässt.

Oder war es ganz anders?

Otto von Bismarck wurde zu einer nationalen Kultfigur. Besonders nach seinem Tod nahm die Verehrung des Eisernen Kanzlers kultische Züge an. Straßen, Plätze, Türme, ganze Stadtteile wurden nach ihm benannt.

Auch im kulinarischen Bereich waren der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Gurken und Äpfel trugen seinen Namen, es gab Bismarck-Steaks, den Bismarck-Salat, Bismarck-Eier und eine Bismarck-Torte. Übrig geblieben ist der Hering. Das wäre auch eine Variante.

Oder war es so: Während eines Frontbesuchs im deutsch-dänischen Krieg 1864 aß Bismarck bei einem Wirt in Flensburg zu Mittag. Den Hering des Wirtes soll der Reichskanzler besonders gelobt haben. Von da an führte der Wirt den Fisch als "Bismarck-Hering" auf seiner Karte.

Oder gab das Zitat von Bismarck "wenn der Hering so teuer wie der Hummer wäre, gälte er mit Sicherheit in den höchsten Kreisen als Delikatesse" dem Hering seinen Namen? Vielleicht ist die Namensgebung auch auf die Stadt Bismark in der Altmark zurückzuführen?

Die ganze Wahrheit erfahren wir wohl nie. Sicherlich werden aber noch einige Politiker in Stralsund mit dieser Delikatesse beglückt werden.

Frau beißt in Brötchen belegt mit Bismarckhering.

Jetzt gibt's Saures!

Autor: Horst Basting

Stand: 21.03.2017, 10:12

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