Emser Depesche

Ein handgeschriebenes Schriftstück, datiert auf den 19. Juli 1870. Die sogenannte Emser Depesche mit durchgestrichenen Textteilen.

Otto von Bismarck

Emser Depesche

Ein wichtiges Zeitdokument der Bismarck-Ära ist die sogenannte "Emser Depesche". Welchen Inhalt und welche historische Bedeutung hatte sie?

Als Ministerpräsident von Preußen betrieb Otto von Bismarck eine Politik von "Blut und Eisen". Sein Ziel war es, einen deutschen Nationalstaat zu formen. Dieser sollte zur Vorherrschaft Preußens beziehungsweise des Deutschen Reiches in Kontinental-Europa führen.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 und dem sogenannten Bruderkrieg mit Österreich von 1866 hatte Bismarck schon wichtige Punkte seines Planes erreicht.

Durch die Bildung des mächtigen Norddeutschen Bundes war die ehemals starke Position Österreichs geschwächt und Preußen auf dem Weg zur europäischen Hegemonie entscheidende Schritte weitergekommen.

Doch erst die Vereinigung mit den süddeutschen Ländern würde die optimale Voraussetzung für die Gründung eines großen deutschen Nationalstaates mit sich bringen. Bismarck suchte also nach einem Anlass für diese Vereinigung.

Die willkommene politische Voraussetzung dazu bot sich, als es 1870 zu diplomatischen Querelen mit Frankreich kam. Es ging in dem Streit um die Besetzung des spanischen Königsthrones.

Auf Bismarcks Bestreben hin wurde Hohenzollernprinz Leopold einer der Kandidaten für diesen vakanten Posten. Eine beabsichtigte Provokation, die Frankreich unter Napoleon III. nicht hinnehmen wollte.

Der Franzosenkaiser fürchtete ein Erstarken der preußischen und deutschen Machtposition und reagierte dementsprechend scharf. Die französische Regierung forderte vom Preußenkönig Wilhelm I. den Verzicht auf die Besetzung des spanischen Thrones.

Bei einem Treffen im Kurort Bad Ems mit dem preußischen König ging der französische Gesandte sogar noch einen Schritt weiter und forderte den Thronverzicht für alle Zeiten. Dem jedoch wollte Wilhelm I. nicht zustimmen.

Es war ein Schlagabtausch auf diplomatischer Ebene. Beide Seiten hatten ihr Gesicht gewahrt, Frankreich förmlich protestiert, Preußen förmlich reagiert. Weitere Verhandlungen hätten eventuell zu einer friedlichen Lösung geführt. Doch es kam anders.

Wilhelm I. schickte eine Depesche nach Berlin und informierte Bismarck über das Treffen und den Ausgang der Gespräche mit dem französischen Gesandten.

Den eher harmlosen Inhalt dieser Depesche formulierte Bismarck scharf um und ließ sie veröffentlichen. Auf einmal stand Frankreich als von Preußen geohrfeigte Nation da. Napoleon III. sah in dieser Provokation einen Grund für eine sofortige Kriegserklärung an Preußen, die im Juli 1870 ausgesprochen wurde.

Nun war der von Bismarck provozierte und gewünschte Bündnisfall eingetreten. Bei einer Kriegserklärung von außen mussten wegen eines Bündnisvertrages auch die süddeutschen Länder dem Norddeutschen Bund beistehen. Seite an Seite gewannen die deutschen Länder den Deutsch-Französischen Krieg.

Mit der Proklamation Wilhelm I. zum deutschen Kaiser 1871 im Versailler Schloss und der Gründung eines gesamtdeutschen Nationalstaates hatte Bismarck sein Ziel erreicht. Die Emser Depesche hatte ihre Wirkung nicht verfehlt.

Autor: Alfried Schmitz

Stand: 21.03.2017, 10:23

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