Beruf Hausfrau

Schwarzweiß-Foto aus dem Jahr 1911: Tochter und Mutter in einer Küche

Familie

Beruf Hausfrau

"Eine Frau", so heißt es in einer Werbung der 1950er Jahre, "eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen? – Und was soll ich kochen?" Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Rollenspiel zwischen Mann und Frau klar verteilt: Während er furchtlos in die Welt zog, sorgte sie sich um das Heim, um Behaglichkeit, Sauberkeit und kalorienreiches Essen. Das Dasein als Hausfrau war ihre Bestimmung. Der Krieg hatte die Rollenverteilung zwar für einige Jahre aufgesplittert, aber nur für kurze Zeit. Hausarbeit blieb Frauensache.

Die Hausfrau als Erfindung der bürgerlichen Gesellschaft

Die Trennung zwischen häuslichen Tätigkeiten, Kindererziehung und Küchenkunst einerseits und der Arbeit außer Haus andererseits ist im Prinzip so alt wie die Menschheit selbst. Frauen gebaren Kinder und waren schon dadurch in Vorzeiten stärker an Heim und Höhle gebunden als der Mann.

Der Begriff "Hausfrau" entstand im Mittelalter. Er bezog sich weniger auf die Aktivitäten im Haus. Hausfrau meinte vielmehr die Stellung der Frau. Sie stand dem Haus vor – und war damit Herrin über Knechte und Mägde.

Für adelige Frauen kam Hausarbeit im engeren Sinne ohnehin nicht in Frage. Einzige Ausnahme waren Handarbeiten: Der Umgang mit Nadel und Faden gehörte zur guten Erziehung auch adeliger Frauen.

Eine strikte Trennung zwischen Hausarbeit und Erwerbsarbeit konnte sich auf der anderen Seite eine bäuerliche Gesellschaftsschicht nicht leisten. Die Frauen waren für die Feldarbeit ebenso zuständig wie die Männer. Erst mit der bürgerlichen Gesellschaft im 18. und 19. Jahrhundert wurde die Rolle der Frau als Hausfrau festgelegt.

Technische Entwicklungen verändern den Haushalt

Die Arbeiten, die eine Hausfrau bis in die 1950er Jahre zu verrichten hatte, waren enorm. Vor allem der Waschtag kostete viel Energie. Die Wäsche musste von Hand geschrubbt und gewalkt werden, in riesigen Bottichen gekocht, gerührt und oft auch ausgewrungen. Wäscheschleudern gehörten recht schnell zur technischen Grundausstattung eines Haushalts.

Die ersten Prototypen der Waschmaschine gehen zwar auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück, und bereits im 19. Jahrhundert war das Prinzip der Waschtrommel in den Maschinen patentiert.

Aber erst in den 1950er Jahren kamen Waschmaschinen in Deutschland flächendeckend auf den Markt. Die Maschinen waren, in Verhältnis zum Einkommen, um ein Vielfaches teurer als heute, aber eine derartig große Erleichterung im Haushalt, dass sie sich schnell durchsetzen konnten.

Eine Hausfrau vor einer Waschmaschine aus den 50er Jahren

Nützliche Errungenschaft: die neue Waschmaschine

Etwa gleichzeitig mit den Waschmaschinen kamen auch die ersten Spülmaschinen auf den Markt, wenn auch nicht mit vergleichbarem Erfolg: Zwar waren auch die Geräte der frühen Generationen in der Lage, Teller ordentlich zu spülen. Doch Geschirr und Besteck waren in der Regel nicht spülmaschinenfest. So mancher Goldrand wurde in den frühen Spülmaschinen abgelöst und in den Ausguss gespült.

Eine Plage für die Hausarbeit war bis in die späten 1950er Jahre auch das Reinigen von Teppichen. Die mussten dafür zusammengerollt und in den Garten getragen werden. An eisernen Teppichstangen aufgehängt wurden sie dann mit dem Teppichklopfer bearbeitet.

Etwas einfacher gestaltete sich die Reinigung im Winter: Da musste die Hausfrau die Teppiche nur umgekehrt auf den Schnee legen, auf dem sich dann Staub und Dreck sammelten.

Schon vor dem Krieg gab es Sauganlagen, die in der Regel fest in den Häusern montiert waren und über Rohrsysteme die Saugkraft in die verschiedenen Räume verteilten. Günstigere Varianten waren Kleinsauger, die den Sog mit handbetriebenen Luftpumpen erzeugten – wahrscheinlich mit wenig praktischem Erfolg.

Mitte des 20. Jahrhunderts dann eroberte der Staubsauger die Haushalte und mit ihm zog auch der Teppich als nun pflegeleichte Auslegware in den deutschen Wohnzimmern ein.

Hausfrau mit akademischem Grad

Die Hauswirtschaft im Sinne der Schulung in häuslichen Arbeiten geht im Wesentlichen auf das 19. Jahrhundert zurück. Die berühmte Kochbuchautorin Henriette Davidis nannte damals die auch heute noch typischen Arbeiten: Kindererziehung, Kochen und Putzen.

Doch gehörten auch die Disziplinen der Heimwerker zur Hauswirtschaft: Tapezieren und andere Malerarbeiten sowie die Reparatur von Möbeln zählten zu den Gebieten, in denen die Hausfrau kundig sein sollte.

In den 1960er Jahren wurde an verschiedenen Universitäten das Fach Ökotrophologie eingeführt. Hauswirtschaft wurde Wissenschaft – eine Wissenschaft, die vielfältige Arbeitsbereiche umfasste: Volkswirtschaft und Ernährungskunde gehörten genauso dazu wie Chemie und Soziologie.

Beruf? Hausfrau!

Trotz der akademischen Ehren und obwohl die Hausarbeit in jenen Jahren körperlich wesentlich anstrengender war als heute, wurde der Arbeit einer Hausfrau wenig Anerkennung gezollt. Eine Frau, die den Haushalt führte, arbeitete im Sprachgebrauch der Zeit überhaupt nicht.

Erst in den späten 1960er Jahren wurde Hausfrau als Beruf anerkannt: Bei einem Immobiliengeschäft hatte eine Käuferin bei Vertragsunterzeichnung als Beruf "Hausfrau" angegeben. Der Vertragspartner klagte deswegen und ein Gericht musste schließlich klären, dass "Hausfrau" tatsächlich eine legitime Berufsbezeichnung ist.

Mit der zunehmenden Politisierung der Gesellschaft Ende der 1960er Jahre und dem Beginn der Frauenbewegung geriet die Hausarbeit zwischen die Fronten der Überzeugungen: Auf der einen Seite wandten sich die Frauen gegen eine Geringschätzung der Hausarbeit.

Andererseits wurde die Hausfrau selbst zum Symbol braver Abhängigkeit: Die "Nur-Hausfrau" wurde auch zu einem abwertenden Begriff unter Frauen.

Eine juristische Gleichstellung zwischen Erwerbs- und Hausarbeit liegt noch in weiter Ferne, auch wenn Verbände wie der Deutsche Hausfrauenbund oder die Deutsche Hausfrauengewerkschaft einige Regelungen hinsichtlich Sozial- und Rentenversicherung durchsetzen konnten.

Auch von einer gleichmäßigen Verteilung der Hausarbeit kann heute keine Rede sein. Selbst wenn die Hilfe im Haus für viele Männer selbstverständlich geworden ist, erledigen auch bei Paaren, bei denen beide Partner berufstätig sind, die Frauen im Durchschnitt circa 70 Prozent der Hausarbeit.

Frau mit Putzeimer und Staubwedel.

Immer noch erledigen Frauen den Großteil der Hausarbeit

Autor: Malte Linde

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Stand: 17.07.2018, 15:09

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