Winterdepression

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Depressionen

Winterdepression

Von Annette Holtmeyer, Britta Schwanenberg und Katrin Ewert

Einige Menschen bekommen nur in der dunklen Jahreszeit depressive Symptome. Ärzte sprechen von saisonal abhängigen Depressionen. Sie fallen häufig leichter aus und lassen sich gut behandeln.

Die kurzen und dunklen Wintertage schlagen vielen Menschen in unseren Breitengraden aufs Gemüt. Etwa ein Viertel der Bevölkerung klagt in dieser Zeit über Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Ursache für dieses Stimmungstief ist ein Mangel an natürlichem Tageslicht. Die meisten Menschen verbringen ihre Wintertage in geschlossenen Räumen. Hier beträgt die Beleuchtungsstärke nicht mehr als 300 Lux. Das menschliche Gehirn interpretiert diesen Beleuchtungsgrad als Nacht und schüttet Melatonin aus – ein Hormon, das müde macht und die Körperfunktionen auf Sparflamme schaltet.

Bei Müdigkeit im Winter gibt es deshalb ein einfaches Rezept: Raus an die frische Luft! Mediziner empfehlen, vor allem in den Morgen- und Mittagsstunden möglichst viele "Lichteinheiten" aufzufangen.

Selbst ein bedeckter Himmel hat eine Beleuchtungsstärke von rund 5000 Lux – genug Licht, um die Produktion des Hormons Serotonin anzukurbeln, das den Körper in den Tag-Modus versetzt.

Drei Jogger vor dem Berliner Reichstagsgebäude

Bewegung im Freien kann helfen

Einige Menschen kommen aus einem solchen wetterabhängigen Stimmungstief nicht mehr heraus. Sie leiden an einer tatsächlichen Depression, die in der Fachsprache "Saisonal abhängige Depression" (SAD) genannt wird – und im Volksmund "Winterdepression".

Ulrich Hegerl, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, weist aber darauf hin, dass nur ein kleiner Teil aller Menschen tatsächlich unter der Form der saisonal abhängigen Depression leidet.

Winterdepressionen sind in den vergangenen Jahren stärker ins Gespräch gekommen. Die saisonal abhängige Depression ist aber aus Sicht vieler Fachleute viel weniger verbreitet als allgemein angenommen – viel öfter handelt es sich um eine leichtere depressive Verstimmung, unabhängig vom Winter.

Wie bei anderen Depressionsformen sind bei der SAD anhaltende Traurigkeit und Antriebslosigkeit die Hauptsymptome. Anders als bei anderen Depressionsformen leiden Betroffene einer Winterdepression aber unter einem erhöhten Schlafbedürfnis und haben anstelle der sonst üblichen Appetitlosigkeit oft ein großes Hungergefühl oder einen Heißhunger auf Süßes.

Viele Fachleute empfehlen Betroffenen zunächst eine so genannte Lichttherapie. Die Therapie erfolgt durch eine tägliche Bestrahlung mit Tageslichtlampen mit einer Lichtstärke bis zu 10.000 Lux. Die Lampen besitzen UV-Filter, die  Schäden durch ultraviolette Strahlung verhindern.

Eine Frau vor einer Tageslichtlampe

Lichttherapie in den dunklen Monaten

Solarien sind als Lichttherapie nicht geeignet, da sie UV-Strahlen abgeben. Solarienbesucher schützen ihre Augen mit einer Brille vor den Strahlen. Bei der Lichttherapie muss das Licht jedoch auf die Netzhaut der Augen treffen.

Bei manchen Patienten reicht die Lichttherapie nicht aus. Auch die saisonal abhängige Depression sollte in diesem Fall ärztlich behandelt werden. Eine Psychotherapie kann die Symptome lindern. Manchen Betroffenen raten die Ärzte zusätzlich zu Antidepressiva. Ob Lichttherapie oder Psychotherapie – die Behandlungsmöglichkeiten bei Winterdepressionen sind sehr gut.

(Erstveröffentlichung: 2005. Letzte Aktualisierung: 25.03.2021)

WDR

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