Rechtschreibung

Eine Frau hält einen Duden in den Händen

Deutschunterricht

Rechtschreibung

Einheitliche Regeln, Grammatik und Orthographie in der deutschen Sprache sind heute selbstverständlich. Doch das war nicht immer so. Wer im Mittelalter schreiben konnte, tat dies meist, wie er es für richtig hielt. Von den ersten Regeln für die Schriftsprache bis hin zur neuesten Rechtschreibreform war es ein weiter Weg.

Man schrieb wie man sprach

Im Mittelalter gab es viele deutsche Sprech- und Schreibweisen. Die Menschen redeten in ihren heimischen Dialekten und schrieben wie sie sprachen – sofern sie überhaupt schreiben konnten. Zwar wünschten sich die Minnesänger eine einheitliche Sprache, weil sie gern überall verstanden werden wollten, aber ihr Erfolg war mäßig.

Erst im Spätmittelalter machte der aufblühende Handel eine einheitliche deutsche Sprache möglich. Die reisenden Kaufleute vermischten die Dialekte und im neu geeinten Deutschen Reich mussten die Verordnungen des Kaisers von allen verstanden werden. So entstand das Neuhochdeutsch als erste überregionale deutsche Sprache.

Kreatives Schreiben

Die Erfindung des Buchdrucks und die Bibelübersetzung Martin Luthers trugen zur Verbreitung dieser Sprache bei. Eine einheitliche Schreibweise bedeutete dies jedoch noch lange nicht. Im Gegenteil: Schreiben wurde zu einem Ausdruck der Kreativität. Man schrieb weiterhin wie man sprach, aber welche Buchstaben gewählt wurden, war dem Schreiber überlassen.

Um zum Beispiel einen langen Vokal auf Papier zu bringen gab es mehrere Möglichkeiten: Ein langes "a" etwa konnte mit verdoppeltem "a", mit "h" oder gar nicht gedehnt werden. So entstanden verschiedene Schreibweisen für denselben Laut: Mal, Wahl, Aal. Auch Konsonantenhäufungen wie das "dt" waren in Mode.

Viele Buchstaben gefielen auch den Buchdruckern, denn die wurden nach Lettern bezahlt. Natürlich entstanden bald auch Regelbücher für die richtige Schreibweise, die jedoch so unterschiedlich waren, dass sie für noch mehr Verwirrung sorgten.

Eine aufgeschlagene alte Bibel.

Die Bibel ist der Bestseller schlechthin

Tiefgründige Sprachforschung

Im 19. Jahrhundert wurde ein neuer Anlauf genommen. Man stellte ernsthafte lautliche und inhaltliche Überlegungen an, welche Schreibung am geeignetsten sei. Es gab zwei wesentliche Richtungen: Die historische mit dem Hauptvertreter Jacob Grimm, die die Schreibweise aus den Ursprüngen des Wortes ableiten wollte. Und die phonische Richtung, die eine lautgerechte Schreibung forderte.

Johann Christoph Gottsched führte außerdem die Großschreibung der Substantive ein. Verlage und Druckereien schrieben weiterhin vollkommen unterschiedlich, je nachdem, welcher Richtung sie folgten. Auch an den Schulen gab es keine einheitliche Richtlinie für die richtige Schreibweise.

Endlich Einheit

Der Lehrer Konrad Duden ergriff die Initiative und stellte für seine Schüler ein Buch mit allen Regeln und einem Wörterverzeichnis zusammen. Sein "Vollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache" wurde rasch bekannt. Die Veröffentlichung des Werkes fiel mit der Reichsgründung 1871 zusammen.

Die Interessen der Politik unterstützten die Vereinheitlichung der Sprache: Ein geeintes Reich sollte eine einheitliche Sprache erhalten. 1876 tagte in Berlin die "Erste orthographische Konferenz" oder auch "Konferenz zur Herstellung größerer Einigkeit in der deutschen Rechtschreibung" mit Vertretern des Bildungs- und Verlagswesens. 1902 folgte die "Zweite Orthographische Konferenz", in der die bis 1998 gültige Rechtschreibung festlegt wurde.

Konrad Duden

Konrad Duden verfasst ein Regelwerk für seine Schüler

Mühsame Neuerung

Vom 22. bis zum 24. November 1994 gab es eine weitere Orthographie-Konferenz mit Vertretern aller deutschsprachigen Länder. Man verständigte sich auf Neuregelungen in der Rechtschreibung der deutschen Sprache, die eine Vereinfachung darstellen sollten. Das vertraute Schriftbild sollte dabei möglichst wenig verändert werden. Diese neue amtliche Rechtschreibung wurde am 1. August 1998 offiziell eingeführt, an vielen Schulen wurde sie schon ab dem Schuljahr 1996/97 unterrichtet.

Die Reform stieß jedoch in den kommenden Jahren auf viel Kritik. Zwischenzeitlich überlegten einige Printmedien und Verlage sogar wieder zur alten Schreibweise zurückzukehren. Aus diesem Grund schlug der Rat für deutsche Rechtschreibung der Kultusministerkonferenz im März 2006 einige Änderungen der Reform vor, die die Minister auch annahmen. Diese Änderungen betrafen einige strittige Bereiche wie zum Beispiel die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Silbentrennung und die Zeichensetzung.

Nach über zehn Jahren wurde das Regelwerk 2017 erneut aktualisiert und ein neuer Buchstabe eingeführt – das scharfe "S" gibt es nun auch als Großbuchstaben. Bisher musste das "ß" in Wörtern mit Großbuchstaben durch "SS" ersetzt werden. Aus "Straße" wurde "STRASSE". Mit der neuen Regelung darf man nun "STRAẞE" schreiben.

Drei Mädchen schreiben zum Vergleich Wörter in der neuen und alten Rechtschreibung an eine Tafel

Fantasie oder Phantasie?

Autorin: Julia Lohrmann

Stand: 19.01.2018, 11:00

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