Resilienz fördern

Zwei Kinder mit Rucksack

Psychologie

Resilienz fördern

Die innere Widerstandskraft ist wie ein Muskel – man kann sie aufbauen und trainieren. Allerdings gibt es Grenzen. Und man muss die Resilienz-Faktoren kennen.

Resilienz bei benachteiligten Kindern stärken

Resilienzförderung  ist keine Zauberwaffe, aber sie kann viel bewirken, wie das mehrfach preisgekrönte Kölner Schulprojekt Amaro Kher zeigt. Die Pädagogen kümmern sich um verhaltensauffällige, Schule schwänzende Roma-Kinder, die aus geduldeten Flüchtlingsfamilien stammen und oft sehr junge Eltern haben, die überfordert, kriminell, abhängig, krank oder traumatisiert sind.

Bei Amaro Kher können die 6- bis 14-Jährigen zahlreiche resilienzfördernde Erfahrungen machen. Sei es, indem sie beim Zirkusprojekt ihren Mut beweisen, in der "Gruppenstunde" über ihre Gefühle sprechen oder ein "Bilderbuch der guten Erinnerungen" füllen. Außerdem sind – egal was passiert – die Pädagogen rund um die Uhr als Ansprechpartner erreichbar.

Die von der Armutsforscherin Margherita Zander erstellten Resilienzprofile etlicher "Amaro Kher"-Kinder zeigen, dass die als schwierig geltenden Kinder derart unterstützt enorme Entwicklungsschritte machen. Sie lernen ihre Impulse zu kontrollieren, Freundschaften zu schließen und sich in andere Menschen hineinzuversetzen. All das hilft ihnen, den Wechsel in eine deutsche Regelschule zu bewältigen – das eigentliche Ziel des Projekts und für die Kinder eine gewaltige Herausforderung.

Eltern als Resilienz-Förderer

Auch Eltern können die innere Widerstandskraft von Kindern fördern. Ursula Nuber, Diplompsychologin, Psychotherapeutin und langjährige Chefredakteurin der Zeitschrift "Psychologie heute", hält dabei drei Dinge für wichtig: Man solle ein Kind für das loben, was es leistet, und nicht für seine Eigenschaften. 'Die Zeichnung ist dir gut gelungen' sei also besser als 'Du bist so begabt'. So lernt es, Vertrauen in seine Kompetenz zu entwickeln.

Außerdem solle ein Kind wissen, "dass es immer verschiedene Sichtweisen auf eine Situation gibt" und die Eltern müssten es anleiten, "Freundschaften zu  finden und zu pflegen".

Auch Erwachsene können resilienter werden

Erwachsenen, die ihre Resilienz stärken wollen, rät Ursula Nuber: "Ganz wichtig ist es, nicht in selbstschädliches Grübeln zu verfallen. Die Gedanken, die wir uns zu einem Geschehen machen, verursachen Gefühle – und diese wiederum leiten unser Handeln."

Wenn ein Mensch also etwa glaube, dass er vom Pech verfolgt sei, mache ihn das verzweifelt und es lähme seine Handlungsfähigkeit. "Denkt er dagegen: 'Dieses Mal hatte ich Pech', ist seine Stimmung zuversichtlicher, und er hat Hoffnung, die Situation beherrschen und verbessern zu können."

Wichtig ist auch, zu akzeptieren, dass Stress, Krisen und Schicksalsschläge zum Leben dazugehören. Die Forschung zeigt, dass resiliente Menschen belastende Situation in ihr Leben integrieren. Sie empfinden sie zwar auch als schmerzhaft, lassen aber nicht zu, dass sie ihr Leben bestimmen. So kommen sie schneller wieder auf die Beine als Menschen, die über ihr Schicksal klagen und sich so immer wieder aufs Neue mit dem Problem und seiner Entstehung beschäftigen.

Die amerikanische Psychologenvereinigung APA hat sogar eine Anleitung zum Erlernen von Resilienz mit dem Titel "Road to resilience" herausgegeben. Demnach sollen folgende Verhaltensweisen zum Ziel führen: Sorge für dich selbst, glaube an deine Kompetenz, baue soziale Kontakte auf, entwickle realistische Ziele, verlasse die Opferrolle, nimm eine Langzeitperspektive ein, betrachte Krisen nicht als unüberwindbares Problem.

Die Grenzen der Resilienz-Förderung

Das klingt ermutigend, hat aber Grenzen. So vermisst Armutsforscherin Margherita Zander in der Aufzählung einen für sie entscheidenden Punkt: Resilienz entsteht erst im Bewältigungsprozess. Das heißt, dass eine belastende Situation vorliegen muss, um Resilienz zu fördern. Eine Situation, die mit den üblichen Methoden der Stressbewältigung gemeistert werden kann, reicht nicht aus.

Ursula Nuber gibt außerdem zu bedenken, dass manche Situationen und Schicksalsschläge so unerträglich seien, "dass es zynisch wäre, von einem Menschen resilientes Verhalten zu erwarten". Auch der amerikanische Resilienz-Experte Glen Elder erinnert in der Zeitschrift "Psychologie heute" an die Unberechenbarkeit des Schicksals: "Nicht einmal große Begabung und Fleiß garantieren, dass man die Widrigkeiten des Lebens meistern kann, wenn die Chance dazu fehlt."

Leider scheint auch zu gelten, dass man nicht automatisch in Drachenblut gebadet ist, wenn man in einer ungewöhnlich belastenden Situation Resilienz bewiesen hat. Das ist besonders für diejenigen eine schlechte Nachricht, die aufgrund ihres Berufs besonders viele belastende Situationen erleben, wie Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und Soldaten. In diesen Berufsgruppen erkranken überdurchschnittlich viele Menschen an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die quasi das Gegenstück zur Resilienz bildet.

Autorinnen: Melanie Kuss/Beate Krol

Stand: 10.09.2018, 16:04

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