Die Bilderberg-Konferenzen

Ein Absperrzaun ist  in Dresden um das Hotel Taschenbergpalais Kempinski gezogen. Vom 09. bis 12. Juni 2016 findet in dem Hotel die Bilderberg-Konferenz statt.

Verschwörungstheorien

Die Bilderberg-Konferenzen

Von Martina Frietsch

Ist es nicht verdächtig, wenn sich Bankiers, Geschäftsleute und hochrangige Politiker im Geheimen treffen? Bei den sogenannten Bilderberg-Konferenzen passiert einmal im Jahr genau das. Was genau dabei besprochen wird, darf nicht nach außen dringen. Warum?

Was steckt hinter der Bilderberg-Konferenz?

Die erste Bilderberg-Konferenz fand Ende Mai 1954 im Hotel "de Bilderberg" in Oosterbeek bei Arnheim (Niederlande) statt – daher der Name. Prinz Bernhard der Niederlande hatte zu dem ersten Treffen eingeladen. Motiviert waren die Konferenzen von dem Wunsch, die transatlantischen Beziehungen zu stärken.

So waren zunächst auch nur Eliten aus den Nato-Staaten eingeladen. Das änderte sich erst nach 1989. Heute stehen überwiegend weltpolitische Themen auf der Agenda.

Beim Treffen 2019 in Montreux ging es unter anderem um den Klimawandel, die Zukunft des Kapitalismus, den Brexit, Social Media. Jedes Jahr findet das Treffen an einem anderen Ort statt. Wo das ist und wer daran teilnimmt, bleibt bis zum Ende der jeweiligen Bilderberg-Konferenz geheim.

Erst danach werden Details veröffentlicht. Die jährliche Konferenz fiel bisher nur dreimal aus: 1976 in den USA wegen des Skandals um den amerikanischen Flugzeughersteller Lockheed; 2020 und 2021 wegen der Corona-Pandemie.

Die Einladung spricht der Vorsitzende in Absprache mit einem achtköpfigen Lenkungsausschuss aus. Seit 2012 ist Henri de Castries, bis 2016 Vorstandsvorsitzender des französischen Versicherungskonzerns AXA, Vorsitzender der Bilderberg-Konferenz. In der Geschichte der Bilderberger kam der jeweilige Vorsitzenden mal aus der Politik, mal aus der Wirtschaft. Auch der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel war zwischen 1980 und 1985 Vorsitzender.

Die Konferenz dauert in der Regel drei Tage und wird von rund 130 Personen aus Industrie, Politik, Finanzwesen, Militär und Medien besucht. Mit dabei waren bereits Mitglieder der europäischen Königshäuser oder die Bankiers Rothschild, Hilmar Kopper und Josef Ackermann. Auch Industrielle wie die Rockefellers, Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, hochrangige Vertreter der europäischen Politik, Regierungschefs und Minister waren zu Gast.

Teilnahmebedingung: absolute Verschwiegenheit

Doch anders als viele Verschwörungsgläubige vermuten, verschafft die Bilderberg-Konferenz den jeweiligen Teilnehmern nicht immer einen Vorteil. 2011 beispielsweise nahm auch Peer Steinbrück an der Tagung teil. Viele vermuteten, er solle zum nächsten deutschen Kanzler gemacht werden. Doch Angela Merkel blieb bekanntlich Bundeskanzlerin.

Ziel der Konferenz ist es, den freien Meinungsaustausch zu ermöglichen, ohne dass etwas an die Öffentlichkeit dringt. Die Teilnehmer dürfen nach der Konferenz über die besprochenen Themen sprechen, nicht jedoch darüber, wer sich wie dazu geäußert hat. Verschwiegenheit ist darum die absolute Bedingung, um an der Konferenz teilnehmen zu können.

Es gibt keine Beschlüsse, keine Resolution und keine großen Strukturen. Die Idee: Nur so können die Teilnehmer frei und unabhängig von ihrer öffentlichen Rolle ihre Gedanken äußern und sich austauschen.

Stoff für Verschwörungstheorien

Wegen ihrer Geheimniskrämerei und ihrer exklusiven Zusammensetzung war die Bilderberg-Konferenz schon oft Ausgangspunkt von Verschwörungstheorien.

Denn die äußeren Umstände sind perfekt dafür: Es trifft sich ein kleiner Kreis von Mächtigen; es wird nicht öffentlich bekannt gemacht, was im Detail besprochen wurde. Ort und Zeit sind erst kurz vorher bekannt; es gibt kein Bewerbungs-Prozedere, um in den Kreis aufgenommen zu werden.

Da Verschwörungsgläubige gerne einer Gruppe von Mächtigen unterstellen, sie würden sich im Geheimen zusammenschließen, um die Herrschaft an sich zu reißen, bieten die Bilderberg-Konferenzen die ideale Angriffsfläche.

Amerikanische und deutsche Verschwörungsgläubige beispielsweise vermuten, dass die "Bilderberger" eine Weltdiktatur mit kapitalistischer Prägung anstreben.

Die Liste der ihnen nachgesagten Manipulationen ist lang: Die Einführung des Euro und die deutsche Wiedervereinigung seien demnach auf der Bilderberg-Konferenz beschlossen worden. Die Bilderberger sollen angeblich bei den US-Präsidentschaftswahlen im Hintergrund die Strippen ziehen.

Feuerwerksraketen umrahmen die riesige Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Auch der Euro soll eine Idee der Konferenz gewesen sein

Außerdem sei die Ölkrise von 1973 von den Bilderberg-Verschwörern initiiert worden, um die Währung der USA zu stabilisieren. Und sie sollen den Irak-Krieg gegen Saddam Hussein angezettelt haben.

Auch wenn die Bilderberg-Konferenz die Fantasie beflügelt und sich viele Verschwörungen um sie ranken, ist alles nur reine Spekulation. Tatsächliche Beweise für die zum Teil sehr wilden Ideen finden sich keine.

Für den Hamburger Historiker Bernd Greiner ist die politische und wirtschaftliche Elite der Bilderberger ohnehin nicht in der Lage, globale Zusammenhänge zu koordinieren. Vielmehr seien es eher andere Elitenstrukturen, die sich zu einem Netzwerk verquickt hätten.

Und diese erwüchsen oft an Universitäten und in anderen Instituten oder Think Tanks, so der Forscher – aber: "Es gibt dieses eine, steuernde Zentrum weder in der Ökonomie noch in der Politik. Die Ratlosigkeit der Politik angesichts einer Krise wie Griechenland oder die verminderten Interventionspotenziale spiegeln genau das Problem."

Dass die Bilderberg-Konferenz gar nicht so geheim ist, zeigt deren Website, die für jedermann öffentlich zugänglich ist: Dort kann jeder erfahren, wozu es die Treffen gibt; die Liste der Teilnehmenden der Konferenz steht online, ebenso die Themen der Konferenzen seit 2010.

Bis in die 1990er-Jahre gaben die Bilderberger am Vorabend des Treffens sogar eine Pressekonferenz. Diese sei jedoch, so die Auskunft auf der Website, aufgrund mangelnden Interesses eingestellt worden.

SWR / WDR | Stand: 25.11.2020, 16:00

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