Die Bilderberg-Konferenzen

Ein Absperrzaun ist  in Dresden um das Hotel Taschenbergpalais Kempinski gezogen. Vom 09. bis 12. Juni 2016 findet in dem Hotel die Bilderberg-Konferenz statt.

Verschwörungstheorien

Die Bilderberg-Konferenzen

Ist es nicht verdächtig, wenn sich Bankiers und Geschäftsleute, hochrangige Politiker und Staatsoberhäupter aus führenden Industrienationen zu einem geheimen Treffen einfinden? Bei den sogenannten Bilderberg-Konferenzen passiert einmal im Jahr genau das. Was genau dabei besprochen wird, darf nicht nach außen dringen. Für manche ist das bereits der Anfang einer Verschwörung.

Was steckt dahinter?

Die erste Bilderberg-Konferenz fand Ende Mai 1954 im Hotel "de Bilderberg" in Oosterbeek bei Arnheim (Niederlande) statt – daher der Name. Prinz Bernhard der Niederlande hatte zu dem ersten Treffen eingeladen. Motiviert waren die Konferenzen von dem Wunsch, die transatlantischen Beziehungen zu stärken.

So waren zunächst auch nur Eliten aus den Nato-Staaten eingeladen. Das änderte sich erst nach 1989. Heute stehen überwiegend weltpolitische Themen auf der Agenda. 2016 sprachen die Teilnehmer in Dresden beispielsweise über den Mittleren Osten, Russland, China, Internetsicherheit oder technische Innovationen.

Jedes Jahr findet das Treffen an einem andere Ort statt. Wo das ist und wer daran teilnimmt, bleibt bis zum Ende der jeweiligen Bilderberg-Konferenz geheim. Erst danach werden einzelne Details veröffentlicht.

Die Einladung spricht der Vorsitzende in Absprache mit einem achtköpfigen Lenkungsausschuss aus. Seit 2010 ist Henri de Castis, Vorstandsvorsitzender des französischen Versicherungskonzerns AXA, Vorsitzender der Bilderberg-Konferenz. In der Geschichte der Bilderberger kam der jeweilige Vorsitzenden mal aus der Politik, mal aus der Wirtschaft. Auch der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel war zwischen 1980 und 1985 Vorsitzender.

Die Konferenz dauert in der Regel drei Tage und wird von circa 130 Personen aus Industrie, Politik, Finanzwesen, Militär und Medien besucht. Mit dabei waren bereits Mitglieder der europäischen Königshäuser oder die Bankiers Rothschild, Hilmar Kopper und Josef Ackermann. Auch Industrielle wie die Rockefellers, Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, hochrangige Vertreter der europäischen Politik, Regierungschefs und Minister waren zu Gast.

Absolute Verschwiegenheit

Doch anders als viele Verschwörungstheoretiker vermuten, verschafft die Bilderberg-Konferenz den jeweiligen Teilnehmern nicht immer einen Vorteil. 2011 beispielsweise nahm auch Peer Steinbrück an der Tagung teil. Viele vermuteten, er solle zum nächsten deutschen Kanzler gemacht werden. Doch Angela Merkel blieb bekanntlich Bundeskanzlerin.

Ziel der Konferenz ist es, den freien Meinungsaustausch zu ermöglichen, ohne dass etwas an die Öffentlichkeit dringt. Verschwiegenheit ist darum die absolute Bedingung, um an der Konferenz teilnehmen zu können.

Es gibt keine Beschlüsse, keine Resolution und keine großen Strukturen. Die Idee: Nur so können die Teilnehmer frei und unabhängig von ihrer öffentlichen Rolle ihre Gedanken äußern und sich austauschen.

Stoff für Verschwörungstheorien

Wegen ihrer Geheimniskrämerei und ihrer exklusiven Zusammensetzung war die Bilderberg-Konferenz schon oft Ausgangspunkt von Verschwörungstheorien. Amerikanische und deutsche Verschwörungstheoretiker vermuten, dass die "Bilderberger" eine Weltdiktatur mit kapitalistischer Prägung anstreben.

Die Liste der ihnen nachgesagten Manipulationen ist lang: Die Einführung des Euro und die deutsche Wiedervereinigung seien demnach auf der Bilderberg-Konferenz beschlossen worden. Die Bilderberger sollen bei den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im Hintergrund die Strippen ziehen.

Feuerwerksraketen umrahmen die riesige Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Auch der Euro soll eine Idee der Konferenz gewesen sein

Außerdem sei die Ölkrise von 1973 von den Bilderberg-Verschwörern initiiert worden, um die Währung der USA zu stabilisieren. Und sie sollen den Irak-Krieg gegen Saddam Hussein angezettelt haben.

Auch wenn die Bilderberg-Konferenz die Fantasie beflügelt und sich viele Verschwörungen um sie ranken, ist alles nur reine Spekulation. Tatsächliche Beweise finden sich keine für die zum Teil sehr wilden Ideen.

Für den Hamburger Historiker Bernd Greiner ist die politische und wirtschaftliche Elite der Bilderberger ohnehin nicht in der Lage, globale Zusammenhänge zu koordinieren. Vielmehr seien es eher andere Elitenstrukturen, die sich zu einem Netzwerk verquickt hätten.

Und diese erwüchsen oft an Universitäten und in anderen Instituten oder Think Tanks, so der Forscher – aber: "Es gibt dieses eine, steuernde Zentrum weder in der Ökonomie noch in der Politik. Die Ratlosigkeit der Politik angesichts einer Krise wie Griechenland oder die verminderten Interventionspotenziale spiegeln genau das Problem."

Autoren: Sabine Kaufmann/Oliver Körting

Stand: 26.10.2017, 11:00

Darstellung: