Geschichte der Olympischen Spiele

Die Olympischen Ringe am Old-Trafford-Stadion, davor ist ein Denkmal mit drei Fußballern zu sehen

Sport

Geschichte der Olympischen Spiele

Von Nina Wiechers und Tobias Aufmkolk

Die ganze Welt schaut zu, wenn die besten Sportler aus mehr als 200 Nationen gegeneinander antreten. Ursprünglich waren die Olympischen Spiele jedoch ein kleiner sportlicher Wettbewerb zu Ehren der Götter im antiken Griechenland.

Spiele zu Ehren der griechischen Götter

Ihren Ursprung haben die Olympischen Spiele in Griechenland, im Ort Olympia auf der Halbinsel Peloponnes. Der Mythos besagt, dass der Halbgott Herakles die Spiele zu Ehren seines Vaters Zeus begründete, dem höchsten Gott der griechischen Götterwelt.

Historische Aufzeichnungen aus dem 4. Jahrhundert vor Christus datieren die ersten Spiele auf 776 vor Christus. Zumindest gibt es Siegerlisten, die bis auf diesen Zeitpunkt zurückgehen.

Bis in das Jahr 724 vor Christus bestanden die Spiele nur aus einem Stadionlauf. Ein "Stadion" ist eine altgriechische Maßeinheit, die etwa 192,28 Metern entspricht. Mit den Jahren kamen mehr und mehr Sportarten hinzu.

Zunächst weitere Laufwettbewerbe, dann diverse Faust- und Ringkämpfe sowie der Pentathlon. Dieser antike Fünfkampf bestand aus Diskuswurf, Weitsprung, Speerwerfen, Laufen und Ringen. Ab 680 vor Christus wurden dann nach und nach verschiedene Pferdesportwettbewerbe eingeführt.

Strenge Teilnahmebedingungen

An den ersten Olympischen Spielen durften nur junge Athener griechischer Abstammung teilnehmen. Diese Regel wurde mit der Zeit gelockert und die Spiele waren für alle Sportler aus der Region zugänglich. Diese mussten allerdings Vollbürger eines griechischen Stadtstaates sein, durften kein Verbrechen begangen haben und nicht unehelich geboren sein.

Alle Sportler mussten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Beginn der Spiele in Olympia eintreffen. Wer zu spät kam, wurde disqualifiziert. Da die Sportler nun in mehreren Disziplinen gegeneinander antraten, fanden die Spiele traditionell sechs Tage lang statt und hatten einen bestimmten Ablauf, in dem auch Feste und Opfergaben für die Götter enthalten waren.

Olympia wird verboten

Mit der Zeit stand weniger der Kult und mehr der Sport im Mittelpunkt. Die Kampfrichter begutachteten die Teilnehmer vor den Spielen. Wer nicht fit genug war, wurde nicht für den Wettbewerb zugelassen.

Die Wettkämpfer entwickelten sich stärker von Amateuren zu Berufssportlern, die sich jahrelang auf die Wettkämpfe vorbereiteten. Ein Normalbürger konnte sich das nicht leisten, und somit war die Teilnahme meist nur noch Sportlern aus gut betuchten Familien möglich.

Die Sieger mussten keine Steuern mehr zahlen und wurden ihr restliches Leben auf Staatskosten verpflegt. Zudem wurde ihnen zu Ehren tagelang nach den Spielen gefeiert. Ein Sieg bedeutete Ruhm. Dieser reizte die Sportler, sodass viele von ihnen bei den Wettkämpfen betrogen.

Im Jahre 67 nach Christus nahm Kaiser Nero an den Spielen teil und gewann durch Bestechung in sechs Disziplinen – auch im Wagenrennen, obwohl er während der Fahrt vom Wagen gefallen war.

So verloren die Spiele an Wert. Zudem nahm in dieser Zeit der Glaube an die griechische Götterwelt ab. Der christliche Glaube wurde populär und 380 nach Christus schließlich zur römischen Staatsreligion. Schließlich verbot der christliche Kaiser Theodosius die Olympischen Spiele im Jahre 394 nach Christus. Sie waren seiner Meinung nach ein heidnischer Kult.

Medaille, auf der Kaiser Nero abgebildet ist.

Kaiser Nero gewann die Spiele durch Betrug

Die Neuauflage der Olympischen Spiele

Mehr als 1500 Jahre später wurde 1894 die Wiedereinführung der Olympischen Spiele beschlossen. Die Idee dazu hatte Pierre de Coubertin, ein französischer Student, der sich mit Pädagogik beschäftigte. Er lernte auf Studienreisen durch England die englische Internatserziehung kennen.

Im Sportunterricht wurden Ehrgeiz und Teamfähigkeit vermittelt und die Schüler nahmen dies begeistert auf. Coubertin erkannte, dass Sport das ideale Mittel sein müsse, um junge Menschen aus aller Welt zusammenzubringen.

Fast zeitgleich fand der deutsche Archäologe Ernst Curtis Reste der antiken Spielstätten von Olympia. Von diesen Funden fasziniert, kam Coubertin auf die Idee, die Spiele wiederzubeleben – in einer modernen Version für alle Nationen.

Statue von Pierre de Coubertin

Pierre de Coubertin, Wiederbegründer der Olympischen Spiele

Sportinteressierte Vertreter aus aller Welt kamen zusammen und bildeten das erste Internationale Olympische Komitee (IOC). Sie wählten die Sportarten aus, die olympische Disziplinen werden sollten, und stellten die ersten Regeln auf.

Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit fanden im April 1896 in Athen statt. Es traten jedoch in erster Linie Griechen an. Teilnehmer aus anderen Nationen sollen unter anderem zufällig anwesende Touristen oder Botschaftsangestellte, die in Athen arbeiteten, gewesen sein. Die Spiele waren zu unbekannt oder der Weg nach Athen für die Sportler zu weit.

Erste Olympische Spiele der Neuzeit, Eröffnung (am 06.04.1896)

WDR ZeitZeichen 06.04.2016 15:19 Min. Verfügbar bis 04.04.2026 WDR 5


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Bei diesen ersten Spielen waren nur männliche Amateursportler erlaubt. Frauen durften jedoch schon bei den Spielen in den Jahren danach teilnehmen, zuerst in den Disziplinen Golf und Tennis.

Nach und nach kamen weitere Wettbewerbe dazu. Der Amateurparagraph im Regelwerk der Olympischen Spiele wurde erst 1981 gestrichen. Dieser besagte, dass die Teilnehmer kein Geld mit Sport verdienen dürfen.

Schild des Internationalen Olympischen Komitees

Im 19. Jahrhundert wurde die Wiedereinführung beschlossen

Olympia und Politik

Coubertin wollte, dass die Olympischen Spiele unpolitisch und für jede Nation frei zugänglich sind. Damit sie nicht für politische Zwecke missbraucht werden können, erlaubte Coubertin im Eröffnungszeremoniell den jeweiligen Regierenden und Repräsentanten des Gastgeberlandes nur einen vorgeschriebenen Satz, um die Spiele zu eröffnen:

"Ich erkläre hiermit die Olympischen Spiele von …, mit welchen die … Olympiade der modernen Ära begangen wird, für eröffnet." Das offizielle Symbol der Olympischen Spiele – die fünf miteinander verbundenen Ringe – entwarf Coubertin 1913. Die Ringe symbolisieren die fünf Kontinente.

Obwohl sie unpolitisch sein sollten, wurden die Olympischen Spiele in der Vergangenheit immer wieder für politische Zwecke benutzt. So auch 1936, als die Sommerspiele in Berlin stattfanden: Die Nationalsozialisten nutzten diese Gelegenheit, um ihr Regime in der internationalen Öffentlichkeit in ein besseres Licht zu rücken und inszenierten einen scheinbar toleranten Wettbewerb.

Drei Männer auf dem Gewinnertreppchen bei Olympia, zwei heben die Hand zum Hitlergruß

Die Nationalsozialisten inszenierten die Olympischen Spiele 1936 als Propagandaveranstaltung

Die Spiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles fielen in die Zeit des Kalten Krieges. In Moskau nahmen insgesamt 64 Staaten aus der islamischen und westlichen Welt nicht teil, darunter auch die USA und Deutschland. Vier Jahre später folgte die Retourkutsche: Die Spiele in Los Angeles wurden von 18 sozialistischen Staaten boykottiert, darunter waren die Sowjetunion und die DDR.

Die Unterteilung in Sommer- und Winterspiele gibt es seit 1924. Seit dieser Zeit haben sich vor allem die Sommerspiele von einer kleinen Sportveranstaltung für Hobbysportler zum großen Sportereignis entwickelt, bei dem alle vier Jahre die ganze Welt zuschaut.

(Erstveröffentlichung: 2008. Letzte Aktualisierung: 12.08.2021)

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